Hitzige Diskussion um Pestizidverbot in Trostbergs Landwirtschaft

"Bio ist auch nicht immer das Gelbe vom Ei" 

Trostberg - Auf den Landwirtschaftsflächen der Stadt soll es künftig keinen Einsatz von Pestiziden und Glyphosat mehr geben. Die Meinungen zu dem Thema gingen im Stadtrat jedoch auseinander. 

Der hitzigen Diskussion ging ein Antrag von Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und der SPD voraus, dass die Stadt Trostberg nicht nur auf die Verwendung von Glyphosat, sondern auch auf den Einsatz jeglicher chemisch-synthetischer Pflanzenbehandlungsmittel auf den von ihr bewirtschafteten Grundstücken verzichten soll. Als Grund wurde die Verantwortung für Mensch und Umwelt genannt, der die Stadt mit dieser Entscheidung nachkäme. 


Ebenso sollen die Vertragspartner der Stadt aufgefordert werden, auf städtischen Pachtflächen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel mehr einzusetzen. Bei Vertragsänderungen und Neuverträgen sollte dieser Verzicht grundsätzlich Bestandteil und eine naturnahe Nutzung Voraussetzung für die Unterzeichnung sein. 

"Was ist dann mit Antibiotika?" 

Peter Kirchgeorg (Bündnis90/Die Grünen) unterstrich die Bedeutung des Antrags zu Beginn der Diskussion: "Wir müssen alle etwas tun, dass sich die Verhältnisse auf Feldern und Wiesen bessern. 75 Prozent der Insekten sind seit 1970 verschwunden, auch einzelne Singvögel gibt es nicht mehr - die immer intensivere Landwirtschaft ist die Hauptursache für das Artensterben in Bayern. Wir wissen, was wir tun müssen, um den Verlust unserer biologischen Vielfalt aufzuhalten - das liegt in unserer heutigen Verantwortung für unserer Kinder und Kindeskinder in der Zukunft." 


Dem entgegen stand die Meinung von Markus Fröschl (CSU). Er unterschreibe zwar die Ausführungen Kirchgeorgs, "das Ganze ist mir aber zu kurz gesprungen. Immer landen wir bei den Bauern als Schuldige. Was ist denn dann mit Antibiotika?" Er werde dem Antrag so nicht zustimmen, da dieser in seinen Augen den Sachverhalt "zu einfach" darstelle. "Soll die Stadt München doch am Marienplatz auf Grundwasserspiegel bohren, mitten in der Großstadt existieren keine Landwirtschaftsflächen - da müsste doch das Wasser am saubersten sein ...", schob Fröschl provokant hinterher. 

"Darauf achten, dass solche Mittel erst gar nicht in die Produktion kommen" 

CSU-Kollege Hannspeter Fenis stellte sich auf die Seite der Bauern: "Auch die Landwirte stehen im Wettbewerb. Es geht doch auch um die Frage, wie viel der Verbraucher bereit ist für biologische Lebensmittel zu bezahlen? Es gibt Landwirte die aufgrund der Größe ihres Betriebs nicht umstellen können auf Bio. Wir sind hier in Trostberg in der glücklichen Lage, noch kleinstrukturierte Landwirtschaften zu haben, die sollten erhalten bleiben. Und Bio ist auch nicht immer das Gelbe vom Ei.

Franz Xaver Obermayer (Freie Wähler) betonte, man müsse sogar noch weiter gehen und darauf achten, dass solche Mittel erst gar nicht in die Produktion kämen - ob regional oder überregional. "Wenn die chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel so negativ sind, dann darf aber auch niemand mehr in ein Flugzeug steigen, denn die sind das wahre Umweltproblem." Als Betroffener mit einem landwirtschaftlichen Betrieb wolle er an der Abstimmung nicht teilnehmen, erklärte Obermayer und verließ daraufhin den Saal.  

Wandel und Umdenken anstoßen

Hans-Michael Weisky (SPD) verwies auf die Tatsache, dass der städtische Bauhof bereits seit Januar 2017 weder Glyphosat noch sonstige Pestizide mehr einsetze, weshalb er darum beten würde, dies ebenfalls auf den landwirtschaftlichen Flächen der Stadt zu tun. "Bei bestehenden Pachtverträgen muss man entsprechend einwirken, neue sollen diese Tatsache sofort berücksichtigen." 

Marianne Penn (Bündnis90/Die Grünen) betonte, der Beschluss sollte ein klares Zeichen der Stadt sein, sie würde eine eindeutige Positionierung zu dem Thema begrüßen. "Wir haben mit Landwirten gesprochen, bevor wir den Antrag auf pestizidfreie Kommune gestellt haben - nicht einer hat sich negativ geäußert." Für Penn gehe es darum, einen Wandel und ein Umdenken in Bezug auf Pestizide anzustoßen. 

Thema auch in in der Umgebung präsent

Dem Beschluss, die Stadt möge anstreben, auf den Einsatz jeglicher chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel auch auch städtischen Pachtgrundstücken zu verzichten und diese möglichst naturnah zu bewirtschaften, stimmte der Rat letztlich zu. Bei bestehenden und neuen Pachtverträge solle dies soweit möglich berücksichtigt werden. Mit fünf Gegenstimmen ging das Pestizidverbot auf Trostbergs Flächen schließlich durch

Mit dieser Entscheidung ist die Stadt in guter Gesellschaft: In Laufen kommen künftig nur noch Biolandwirte zum Zug, Tittmoning sprach für seine 22 Hektar ein Verbot von Glyphosat und bestimmten Neonicotinoiden aus, in Traunreut ist lediglich der Einsatz von Glyphosat verboten, strikte Öko-Vorschriften aber gelten nicht. 

mb

Rubriklistenbild: © dpa (Julian Stratenschulte)

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