Pressemitteilung Kliniken Suedostbayern AG

Mit Roboter auf Visite: Telemedizin auf der Intensivstation

Intensivmediziner mit einem Roboter bei der Visiten auf der Intensivstation.
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Intensivpflegerin Birgit Kirsch und Intensivmediziner Dr. Thomas Lipp gemeinsam mit den Kollegen der Charité bei der Visiten auf der Intensivstation.

Trostberg - Er ist eher unscheinbar und hat es doch in sich: Wenn der fahrbare kleine Roboter in der Intensivstation der Kreisklinik Trostberg mit dem interdisziplinären Ärzte- und Pflege-Team auf Visite geht, ermöglicht er die unmittelbare Beteiligung von Intensivmedizinern aus der Berliner Charité.

Deren telemedizinisches Forschungsprojekt Eric dient dem Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch in der Fläche - zum Wohle der Patienten von Berlin bis Bayern und darüber hinaus. Der Visitenroboter, von den Mitarbeitern liebevoll nach dem berühmten Vorbild „R2D2“ genannt, ist wesentlicher Bestandteil des Forschungsprojektes Eric. Das von der Berliner Charité, einer der größten und führenden Universitätskliniken Europas, geleitete Forschungsprojekt wird aus dem Innovationsfonds finanziert und soll der Verbesserung der Behandlung von Intensivpatienten dienen. An unerwarteter Bedeutung habe das Projekt mit dem Beginn der Pandemie gewonnen, so Dr. Thomas Lipp, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin. Krankenhäuser im Umland von Berlin und in Brandenburg hätten damals ihre an Covid-19 erkrankten Patienten aus Unsicherheit lieber in die Charité überwiesen, statt sie bei sich vor Ort zu behandeln. Dies habe sich gravierend mit der telemedizinischen Anbindung der Kliniken über die E-Healt-Plattform von Eric geändert. Die Experten aus der Charité konnten nun dank des Roboters mit den Ärzten in den Kliniken rund um Berlin gemeinsam auf Visite gehen und diese bei neuen Fragen in der Behandlung ihrer Corona-Patienten unterstützen. Diesen Wissenstransfer hätte es natürlich auch in die andere Richtung geben können: „Wir hatten ja sehr früh Patienten mit Covid-19 und waren uns schnell über die Bedeutung der Gerinnungshemmung bei deren Behandlung im Klaren“, sagt Dr. Thomas Lipp. „Wären wir damals schon bei dem Forschungsprojekt dabei gewesen, hätten wir zum Beispiel solche Erkenntnissen und Erfahrungen auf noch kürzerem Wege weitergeben können.“


In die Kreisklinik ist das Forschungsprojekt kürzlich dank der Mitarbeit von Prof. Glück, renommierter Chefarzt der Inneren Medizin in Trostberg, in einem Gremium des Robert-Koch-Instituts in Berlin gelangt. Es ermöglicht den kollegialen Austausch und das Lernen voneinander ebenso wie die Hilfestellung bei verschiedensten Fragestellungen, zu denen etwa kein Spezialist im Haus ist. „Wir haben zum Beispiel bei einer Patientin Hautveränderungen gesehen und brauchten einen Hautarzt“, schildert Dr. Lipp ein Beispiel. Bei der nächsten der täglichen Visiten mit den via Roboter zugeschalteten Ärzten aus der Charité konnte sich ein Hautarzt der Universitätsklinik ein ganz genaues Bild von den Hautveränderungen machen. Denn der mit einer Zoomfunktion ausgestattete Visitenroboter erlaubt dem Arzt aus der Ferne ein detailgenaues Hinschauen, der Roboter kann auch Ultraschallbilder aufnehmen und verfügt sogar über ein elektronisches Stethoskop. Bei der Visite sehen die Patienten das Gesicht der Ärztin oder des Arztes auf dem Bildschirm, außerdem können sie dessen Arbeit in einem weiteren Fenster des Monitors mitverfolgen. Das Gespräch mit Patienten und Ärzten findet im direkten digitalen Austausch statt. „Ich finde diesen Herren von der Charité sehr sympathisch“, sagt Intensivpflegerin Birgit Kirsch mit einem Lächeln Richtung Roboter.

Gut angekommen ist der Kollege Computer auch bei einer Patientin. Sie fand die Visite mit dem zugeschalteten Mediziner aus der Berline Charité nicht nur „ganz normal“ und angenehm, sondern auch sinnvoll. „Mit hat das geholfen, je mehr Ärzte, desto mehr Wissen“, bringt sie ihre neue Erfahrung mit der vernetzten Telemedizin auf den Punkt. Noch wenigstens bis Jahresende, vermutlich aber sogar bis einschließlich des ersten Quartals 2021, werden Ärzte und Pflegekräfte auf der Intensivstation der Kreisklinik Trostberg und ihre Kolleginnen und Kollegen an der Berliner Charité die Vorteile des Bundesländerübergreifenden telemedizinischen Forschungsprojektes erproben. Dass diese so überzeugend und damit erfolgreich sind, dass das Projekt in den bundesweiten Regelbetrieb übernommen und einen weiteren Baustein bei der Digitalisierung der Krankenhäuser in Deutschland bilden wird, ist sich Intensivmediziner Dr. Lipp sicher.

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