Wie weiter mit Jugendgangs, Drogensucht und überforderten Eltern?

"Trostberg ist mittlerweile ein sozialer Brennpunkt"

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Trostberg - Ganz offensichtlich besteht Handlungsbedarf vor allem bei Kindern und Jugendlichen: Wegen verschiedenster Probleme soll Trostberg ein Zentrum für soziale Jugendhilfe bekommen.

"Trostberg ist mittlerweile ein Brennpunkt", stellte Stadträtin Irmgard Leineweber am Mittwoch fest - und kaum einer widersprach ihr. Quer durch die Fraktionen war man sich einig: In Trostberg gibt es Probleme mit Rauschgift, Jugendgangs, überforderten Alleinerziehenden, langjährigen Jugendhilfeempfängern oder selbstmordgefährdeten Kindern und Jugendlichen. "Wir können es uns nicht leisten, nichts zu tun", so Stadträtin Marianne Penn.

Beratungszentrum für nördlichen Landkreis

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Das Landratsamt will deshalb in Trostberg ein "Begegnungs- und Beratungszentrum für den nördlichen Landkreis" einrichten - soziale Arbeit für Familien und Jugendliche, "um langfristig für gleichberechtigte Lebensbedingungen zu sorgen und sozial benachteiligte Menschen zu unterstützen", so die Stadtverwaltung. Zwei Jahre soll das Projekt laufen. 

Wo das Risiko für Kinderarmut im Landkreis am größten ist

Auch die Statistiken zeigen zuletzt: Das Risiko für Kinderarmut in Trostberg ist, verglichen mit dem Rest des Landkreises, groß. 18 Prozent der allein erzogenen Kinder beziehen Sozialgeld. Darüber hinaus ist Trostberg (nach Traunstein) die Stadt mit der höchsten Kriminalität im Landkreis - und eine Jugendbande machte schon im vorigen Jahr Schlagzeilen. "Die Drogenkriminalität zum Beispiel betrifft aber nicht nur Trostberger Bürger, sondern auch Leute der Nachbarkommunen, die hier dann aufschlagen um zu konsumieren oder ihre Geschäfte zu machen", fügte Bürgermeister Karl Schleid an.

Sieben Stadträte meinten: Das bringt nix

Über die Probleme war man sich einig, doch wie sollte man sie lösen? "Die Erziehung ist vor allem die Pflicht der Eltern. Wir sollten nicht den Eindruck vermitteln, als könnten wir es besser. Die Politik ist inzwischen eh schon in die tiefsten Zellen der Familie eingedrungen", so Markus Fröschl - und fügte an: "Da wo es wirklich brennt, kommen wir nicht hin."

Die Frage, ob ein weiteres soziales Projekt Sinn macht und die Probleme wirklich lösen kann, spaltete den Stadtrat: Mit 16:7 Stimmen wurde dem Projekt zugestimmt. Die Gegenstimmen kamen aus der CSU (Fröschl, Fenis, Hartl, Zenz) und von den Freien Wählern (Gröbner, Kellner, Obermayer). "Es gibt einfach eine Elterngeneration, die nicht in der Lage ist, ihre Kinder an der Gesellschaft orientiert zu erziehen", so Robert Liedl. 

Um Kleinkinder möglichst früh mit Bildung zu konfrontieren, wurde bei fünf Gegenstimmen am Mittwoch auch der Einstieg in ein weiteres Bundesprojekt beschlossen: "Kita-Einstieg - Brücken bauen in frühe Bildung." Geplant sind hier Betreuungsangebote für Eltern, um den Zugang zur Kindertagesbetreuung zu erleichtern und zu fördern. 

xe

Rubriklistenbild: © Fotomontage dpa

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