Hommage an die Vielfalt der Natur im Chiemgau 

Schlangenähnliche Raupen tummeln sich in Trostberger Gärten 

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Diese knapp zwöf Zentimeter große Weinschwärmer-Raupe tummelt sich in einem Trostberger Garten. 
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Trostberg - Fast zwölf Zentimmeter lang, mittelfingerdick und in den Beeten gut versteckt - Gisa Pauli beobachtet seit einiger Zeit in ihrem Garten eine Weinschwärmer-Raupe. Für die Trostbergerin ein Grund, die Blicke vermehrt auf die Vielfalt an Flora und Fauna in der Natur zu richten. 

Man muss schon genau hinsehen, um das kleine Tier zu entdecken. Doch zwischen den Blättern lugt sie im Beet hervor. Die Raupe des "Mittleren Weinschwärmers", einer Nachtfalter-Gattung, bleibt normalerweise aufgrund ihrer Tarnung meist unentdeckt. Gisa Pauli hat sie trotzdem gefunden. 

"Dieses kleine Lebewesen ist echt faszinierend", schwärmt die Trostbergerin. "Seit Tagen beobachte ich die Raupe in meinem Garten in Trostberg mit einem respektvollen Abstand. Sie ist fast zwölf Zentimeter lang, fast komplett schwarz, mittelfingerdick und hat große ausdrucksvolle Augen. Wenn man sie von hinten sieht, könnte sie mit einer dunklen Wegschnecke, von der Seite mit einer kleinen Schlange verwechselt werden. Von vorne klärt sich dann recht schnell, dass es weder das eine noch das andere ist, denn sie hat einen recht faltigen bis zu drei Zentimeter langen Minirüssel mit einem dicken Saugnapf."

Pauli weiter: "Fühlt sich die Raupe gestört ahmt sie die Bewegungen einer Schlange nach, indem sie ihr Vorderteil mit den Augenflecken nach links und rechts wendet, was dem Tier ein etwas bedrohlich, urzeitlich wirkendes Aussehen gibt. 

Nur schwer zu entdecken zwischen den Blättern

Diese Raupe in Paulis Garten sei "eindeutig größer" als die üblichen etwa acht Zentimeter langen Raupen dieser Gattung. In Mitteleuropa ist es die am häufigste vorkommende Art der Schwärmer. Sie leben in feuchten Gegenden, wie in Auwäldern oder an Gewässern, aber auch in Parks und Gärten - wo sie Pauli nun auch im Chiemgau entdeckt hat. 

"Überraschend fand ich, dass der Weinschwärmer seine Eier in meinem Garten ablegte, obwohl dort nur eine geringe Nahrungsauswahl - in Form von gewöhnlichem Blutweiderich und Fuchsien - vorhanden ist", so Pauli weiter. Dabei bevorzuge die Raupe vielmehr die schmalblättrigen Weidenröschen, verschiedene Springkräuter oder die Gemeine Nachtkerze. Umso schöner für die Trostbergerin, dass sie das Tier nun doch bei sich beobachten kann. Für Pauli ein deutlicher Grund, mehr auf seine Umgebung und die Wunder der Natur zu achten. "Diese Raupen sind bestimmt nicht nur in meinem Garten", ist sie sich sicher.

"Zuerst hatte sich die Raupe unter dem Blattwerk der Stauden versteckt. Nur durch einen Zufall war sie zu entdecken", erklärt sie. "Zwischenzeitlich hat sie es sich auf den Seerosenblättern gemütlich gemacht, natürlich bedeckt durch ein darüberliegendes Blatt. An den Blättern frisst sie genüsslich und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen." 

Weinschwärmer-Raupen eher nachts aktiv 

Die Falter sind nachtaktiv und fliegen von Mitte Mai bis Juli Blüten zum Nektarsaugen an. Ihre Raupen findet man von Mitte Juni bis August. In heißen Jahren beziehungsweise im Süden kann im August und September eine unvollständige zweite Generation auftreten. Die Nachtfalterweibchen legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen an der Unterseite der Blätter der Futterpflanzen ab. Am Tag verstecken sich die daraus schlüpfenden Raupen und fressen nachts. Erwachsene Tiere fressen aber auch tagsüber - wie das Exemplar in Paulis Beeten.

So sieht die Raupe nach ihrer Verwandlung in den "Mittleren Weinschwärmer" aus. 

In jüngeren Stadien sind die Raupen grün, in späteren Stadien wechseln sie ihre Farbe zu braun bis sie kurz vor der Verpuppung braunschwarz sind.
Der Raupe steht die Verwandlung in einen attraktiven Falter noch bevor. Der "Mittlere Weinschwärmer besitzt eine Flügelspannweite erreicht 45 bis 60 Millimeter. Er hat olivgrüne Vorderflügel, bei denen der Flügelvorderrand dünn pink gefärbt ist und auf denen drei pink bis blass violette, leicht schräge Binden erkennbar sind. 

Paulis Raupe wartet noch auf ihre Verpuppung, am Boden in einem lockeren Gespinst zwischen Pflanzenteilen, wie die Trostbergerin beschreibt. "Das wird aber noch dauern, denn schlüpfen wird der Falter erst nach seiner Überwinterung." Bis dahin wird es sich die Raupe weiter gemütlich machen in den Trostberger Gärten. 

Gisa Pauli/mb

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