Weitere Anliegen und Wünsche auf der Bürgerversammlung 2019

Neue Umgehung in Trostberg: 50 Prozent weniger Verkehr?

Alltägliches Bild: Täglich wälzen sich Autokolonnen durch Trostberg - inwieweit bringt die geplante Umfahrung Linderung?
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Alltägliches Bild: Täglich wälzen sich Autokolonnen durch Trostberg - inwieweit bringt die geplante Umfahrung Linderung?

Trostberg - Rund 150 Trostberger besuchten am Dienstagabend des 12. Februars die Bürgerversammlung im Postsaal. Bürgermeister Karl Schleid hatte ein offenes Ohr für alle Anliegen und Wünsche.

Brennpunkt Häuserzeile in der Traunsteiner Straße 

Ein Thema dominierte ganz klar die offene Frage- und Diskussionsrunde in der Trostberger Bürgerversammlung im Postsaal: Die Sanierung der maroden, aber denkmalgeschützten Häuserzeile an der Traunsteiner Straße 4 bis 10. Viele Bürger können die Entscheidung der Sanierung für rund 3 Millionen Euro nicht nachvollziehen - für sie ist ein Abbruch und Neubau die einzig richtige Lösung für diesen "Schandfleck". Die Meinung Hans Eders es sei "ein Saustall, so viel Geld in Bruchbuden zu stecken", vertraten viele. 

Die Reaktion des Bürgermeisters auf diese Kritik können Sie in einem gesonderten Bericht auf chiemgau24.de nachlesen. 

"Eigentum verpflichtet" - auch im Schneechaos

Hans Eder sprach neben der vielen Kritik an der Traunsteiner Straße dem Winterdienst im Rahmen der schneereichen vergangenen Wochen großes Lob aus - die Straßen seien immer gut befahrbar gewesen. Er selbst habe jeden Morgen den Bürgersteig an der Bayernstraße auf einer Länge von 120 Metern geräumt. Andere jedoch, so kritisierte er, hätten sich wenig für die Räumpflicht interessiert. Er bat die Stadt, den Eigentümern die Räumpflicht nahe zu legen - gemäß dem Spruch "Eigentum verpflichtet." 

Bürgermeister Schleid sei diese Problematik durchaus bewusst, auch er habe sich ärgern müssen über die Ansichten mancher schimpfenden Bürger bezüglich des Schneechaos. Er erklärte, man werde versuchen festzustellen, ob es immer die selben seien, die nicht räumen, und diese dann anschreiben oder das Gespräch suchen, damit sich so etwas nicht in weiteren Wintern wiederhole. 

Rund 150 Trostberger kamen zur Bürgerversammlung in den Postsaal.

Neues Wasserschutzgebiet in der Hannslau nötig? 

Die Auflassung des bisherigen Wasserschutzgebietes in Kaltenbrunn nach Anschluss des neuen Brunnens in der Hannslau - dieses Thema lag Roland Frank am Herzen. Das Gebiet in Kaltenbunn sei nicht das einzige gefährdete in Deutschland, aus dem Wasser gefördert werde. Frank finde es "verantwortungslos, den bestehenden Brunnen einfach aufzugeben". Fachkräfte wie er von den Stadtwerken hätten "kein Verständnis für die Auflassung des Brunnens". Der Stadtrat möge sich die Thematik noch einmal durch den Kopf gehen lassen, schließlich gehe es "um die Zukunft unserer Kinder und um die Nachhaltigkeit". 

Schleid wunderte sich, welche Fachkraft dies angezweifelt hätten und erwiderte, dass das alte Wasserschutzgebiet unterhalb des Einlasses der Kläranlage des Chemieparks und auf einem Areal, auf dem die viel befahrene Bundesstraße 299 und ein Bahngleis verlaufen nicht mehr schützbar sei. Dazu seien Fachbehörden wie das Wasserwirtschafts- oder das Umweltamt schon vor über 20 Jahren gekommen."Uns ist eine saubere und gesunde Wasserversorgung wichtig und die geht künftig nur mit der Erschließung des neuen Wasserschutzgebiets. Wäre der Erhalt des Gebiets in Kaltenbrunn möglich gewesen, so hätte ich mir gerne 2,5 Millionen Euro für den Bau der neuen Wasserversorgung gespart. Der neue Brunnen in der Hannslau war nicht Jux und Dollerei, sondern das wurde uns ans Herz gelegt." 

Sicherheit der Schulkinder im Fokus

Um die Schulwegsicherheit ging es Karl Schönberger. Er forderte die Stadt auf, die Durchfahrt von der Bahnunterführung der Lehemeirstraße zum Lüftenweg für Radfahrer wirksamer zu blockieren. Als Schulweghelfer habe er hier schon gefährliche Situationen erlebt. 

Schleid betonte dazu, er sei "kein Freund davon, alles mit Absperrungen zu lösen." Doch dieser Vorschlag sei ein klassisches Thema für die Verkehrsschau von Vertretern der Stadt, der Polizei und des Landratsamtes. 

Stand den Trostbergern Rede und Antwort: Bürgermeister Karl Schleid.

Verkehrsentlastung um 50 Prozent? 

Die Verkehrsentlastung in Trostberg durch den Bau der Umgehungsstraße und deren Anbindungen war Rudolf Bencker wichtig. Er zweifle die vom Staatlichen Bauamt Traunstein veröffentlichte Zahl zur prognostizierten Verkehrsentlastung für die Stadt Trostberg beim Bau einer Umgehungsstraße an. Bei diesen berechneten 30 Prozent sei die Wirkung einer sinnvollen Anbindung der Stadt an die "B299/B304 neu" nicht berücksichtigt - Bencker war der Meinung, eine Verkehrsentlastung von 50 Prozent sei machbar. 

Schleid versicherte, diese Anbindung werde nicht vergessen, diese aber vor der Umgehungsstraße zu planen, sei sinnlos. "Wenn ich vorab jede Planung an die Öffentlichkeit trage, dann sehe ich mich mit Bürgerbegehren konfrontiert, noch bevor ich überhaupt weiß, wo genau die Trasse liegen wird. Ich bitte darum, eins nach dem anderen zu planen. Die Berechnung der Verkehrsentlastung ist Teil der späteren Projektplanung." 

Aussfahrt vom Marktmülleranger zu gefährlich? 

Erich Reichl wies die Stadt darauf hin, dass die Sicht-Dreiecke bei der Ausfahrt vom Marktmülleranger auf die B299 besser ausgeschnitten werden sollten: "Beim Linksabbiegen beobachte ich immer wieder Autofahrer, die sich nicht raustrauen." 

Schleid versprach, sich die Situation vor Ort anzusehen. 

Liebeserklärung an Trostberg zum Schluss  

Simon Meyer, der selbst jahrelang im Stadtrat tätig war, beendete die Veranstaltung mit einer Überraschung: Denn er sprach eine Liebeserklärung an die Alzstadt aus: Erst vor Kurzem bin ich auf einem der neuen Wege am Schlossberg zur Siegerthöhe spaziert. Beim Anblick der Indsutrie und der Häuser der Neuen Heimat kam mir nur in Sinn, wie froh ich bin, dass ich in dieser wunderschönen Stadt leben darf." Tosender Applaus und ein Zwischenruf einer Bürgerin "Genau - schee is bei uns in Trostberg beendeten die Bürgerversammlung 2019. 

Bürgermeister Schleid zeigte sich sichtlich gerührt von den Worten Meyers und erklärte abschließend: "Das freut mich wirklich sehr wenn die Bürger sehen, wie schön sie es hier haben." 

mb

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