Unterwegs mit dem Schulbus im Kreis Traunstein

Schulbusfahrer zeigt uns: So rücksichtslos geht's auf den Straßen zu

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Gerade mal die Hälfte aller Autofahrer hielt sich bei unserer Tour mit dem Schulbus im nördlichen Landkreis Traunstein daran: In Schritttempo am Schulbus vorbei, wenn die Warnblinkanlage läuft.
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Trostberg - Kinder, die auf dem Schulweg totgefahren werden - schlimmere Nachrichten gibt es kaum, und doch verunglückten so in der Region heuer schon drei Kinder. Bei einer Tour mit dem Schulbus zeigt sich, wie viele Autofahrer auf Rücksicht im Straßenverkehr pfeifen. 

Montagmorgen, 7.30 Uhr, der Schulbus hält. Fahrer Manuel Arnold legt den Warnblinker ein, fährt rechts ran, Grundschüler steigen ein - und trotzdem: die Autos rauschen, an jener Haltestelle kurz vor Rabenden auf der B304, vorbei als wäre nichts, locker mit 70 Sachen. 

"Kinder können unberechenbar sein"

Schulbusfahrer Manuel Arnold aus Trostberg wundert das nicht mehr. Er fährt für RVO/Hövels regelmäßig die Strecke von Obing zur Trostberger Mittelschule und von Stein zur Grundschule nach St. Georgen: "Kinder können leider unberechenbar sein und das vergessen die meisten."

Ein Beispiel im Video: Haltestelle zwischen Obing und Rabenden

Sechs Haltestellen fahren wir von Obing bis zum Trostberger Riegerknoten an und zählen mit: Von den 31 Autos, die am warnblinkenden Schulbus vorbeifahren, halten sich gerade mal 16 - mehr oder weniger - an die Schrittgeschwindigkeit. "Das war jetzt der Vorführeffekt", meint Arnold. Wenn sich jeder zweite Autofahrer dran hält, sei das schon viel.

Je breiter die Straße, umso eher wird auf die Regel gepfiffen

Bei der zweiten Tour von Stein nach St. Georgen schaut es dann schon wieder anders aus: Bei der Haltestelle an der B304 in Stein vor der Ampel ist es gerade mal einer, der vorschriftsmäßig abbremst. Die acht anderen Autofahrer ziehen das gewohnte Tempo durch. Uns fällt auf: Je breiter und übersichtlicher die Straße, umso eher wird das Schritttempo-Gebot missachtet.

Vom Betriebshof in Tacherting aus startet Manuel Arnold mit den Schulbussen. 

Was viele nicht wissen: Ein warnblinkender Bus, der eine Haltestelle ansteuert oder diese gerade verlässt, darf prinzipiell nicht überholt werden - Straßenverkehrsordnung, Artikel 20. Steht der Bus, dann nur in Schrittgeschwindigkeit und mit ausreichendem Abstand an ihm vorbeifahren; das gilt auch für den Gegenverkehr. Zum Beispiel in den USA ist man hier um einiges rigoroser, dort darf prinzipiell nicht an einem warnblinkenden Schulbus vorbeigefahren werden. 

Polizei kontrollierte heuer verstärkt

Auch wegen der tödlichen Schulwegsunfälle in Tacherting und Reischach hat die Polizei in den vergangenen Monaten verstärkt solche Situationen überwacht: 3530 Verkehrsteilnehmer wurden im südlichen Oberbayern insgesamt kontrolliert, 809 von ihnen mussten auch bestraft werden. Die Bandbreite reicht von einem einfachen Verwarngeld in Höhe von fünf Euro bis zu einer Geldbuße von mehreren hundert Euro, Punkten im Verkehrszentralregister sowie einem Fahrverbot von einem bis zu drei Monaten.

An schmaleren Straßen, wie beim Trostberger Riegerknoten, halten sich die Autofahrer eher an Schrittgeschwindigkeit.

Zusammen mit dem "Automobil-Club Europa" (ACE) plant RVO/Hövels auch eine neue Beklebung auf den Heckseiten der Busse: "Vorbeifahren mit max. 7 km/h" wird darauf in reflektierender Schrift zu lesen sein. Schulbusfahrer Arnold hofft, dass diese Aktion endlich fruchten wird - all zu optimistisch ist er trotzdem nicht: "Wir wollen die Leute einfach sensibilisieren."

xe

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