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Interview, kurz bevor sich die Ereignisse überschlugen

Ukrainischer Unternehmer in Trostberg - noch gestern war er sicher: „Es gibt keinen Krieg“

Ivan Popovic aus der Ukraine war noch am Mittwoch auf Geschäftsreise in Trostberg. Er rechnete nicht mit einem Krieg.
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Ivan Popovic aus der Westukraine war noch am Mittwoch (23. Februar) auf Geschäftsreise beim Handelshaus Klein in Trostberg. Er rechnete nicht mit einem Krieg - wenige Stunden später, als er auf der Heimreise war, wendete sich das Blatt in seiner Heimat.

Die Ereignisse überschlagen sich: Noch am Mittwoch haben wir mit dem Ukrainer Ivan Popovic gesprochen, der geschäftlich in Trostberg zu tun hatte: „Ich glaube nicht an einen Einmarsch der Russen“ - wenige Stunden später herrscht Krieg in seinem Heimatland.

Trostberg - Manchmal muss es schnell gehen im Journalismus. Am Mittwochnachmittag läutet das Telefon, ein Trostberger Elektronikhändler meldet sich: „Ich habe gerade einen Geschäftspartner aus der Ukraine hier. Wollen Sie mit ihm über die Situation in seinem Heimatland sprechen? Er wird heute Abend wieder abreisen.“ Eine Stunde später stehen wir im Lager von Reinhard Kleins Handelshaus in der Friedrich-Ebert-Straße und treffen Ivan Popovic, den besagten Ukrainer.

Ukrainer in Trostberg: „Die russischen Soldaten wollen nicht kämpfen“

Popovic kommt aus der 24.000-Einwohner-Stadt Beregovo in der Westukraine, nahe der ungarischen Grenze. Die Firma „Plastmix“ mit 80 Mitarbeitern führt er. Für Reinhard Klein fertigt Popovic Lichtschalter und produziert Werkzeuge zum Herstellen von Kunststoffteilen. Derweil spricht die Welt über sein Land. Über die drohenden Kriegsgefahr in der Ukraine, von der Mobilmachung Russlands, über Militärübungen in Weißrussland. Und gegenüber chiemgau24.de war er sich noch so gut wie sicher: „100-prozentig weiß man es nicht, aber ich glaube, es gibt keinen Krieg zwischen Russland und der Ukraine.“

Vor allem in der Ostukraine würden schließlich „Russen auf Russen“ schießen und auch mit der Ukraine sei man praktisch verwandt, unter anderem in der Sprache und der Religion. „Die 150.000 russischen Soldaten, die an der Grenze stehen, wollen nicht kämpfen“, so Popovic. Und was denken seine Landsleute? Dort sei man bereits seit acht Jahren, seit Beginn des Krieges im Donezk-Becken, mit der Situation konfrontiert. Der dortige Konflikt zwischen ukrainischen und russischen Soldaten, die von den Separatisten unterstützt werden, forderte bisher rund 15.000 Menschenleben.

Als Popovic auf dem Heimweg war, brach der Krieg aus

„Wir waren bereits 2014 geschockt, wegen dem Krieg in Donbass. Und jetzt plötzlich ist auch die EU geschockt“, so der ukrainische Unternehmer. Seit damals gehöre das Gebiet de-facto nicht mehr zur Ukraine und nun werde es „offiziell“, dass der östliche Nachbar hinter dem Konflikt in der Ostukraine gestanden sei. Einen „Puffer“ habe Putin mit dem Donezk-Becken gewollt, ähnlich wie in Abchasien oder Transnistrien. „Mehr wird glaube ich nicht passieren. Die russischen Soldaten positionieren sich zur Show, zur Einschüchterung, um zu zeigen, dass auch Weißrussland auf Putins Seite ist. Es geht um die Bilder.“

Die Menschen in Westeuropa hätten derzeit mehr Angst vor Russland, als die Ukrainer selbst, meinte Ivan Popovic. Wenn dann gehe es nur um die Regionen Donezk und Luhansk, nicht aber um eine Invasion im ganzen Land. „Das glaubt auch in der Ukraine kaum jemand.“ In der Nacht auf Donnerstag gegen 4 Uhr - Popovic dürfte dort gerade im Auto gesessen sein, irgendwo zwischen Trostberg und seiner Heimatstadt in der Westukraine - hat sich das Blatt plötzlich gewendet. Auch viele politische Beobachter zeigten sich schockiert und überrascht.

Bei richtigen Sanktionen „könnte Krieg schnell vorbei sein“

Und falls doch? Dann sollten die Sanktionen vor allem die Spitzen in Politik, Militär und Verwaltung treffen, rät Popovic. „Wenn deren Konten eingefroren werden oder deren Kinder nicht mehr weiter in Oxford studieren können, weil sie das Visum verlieren, könnte ein Krieg schnell vorbei sein.“ Genau so sah es jüngst auch Friedrich Merz: Das tue „manch einem mehr weh als jede wirtschaftliche Sanktion“, dann wachse auch der innenpolitische Druck auf Putin, so der CDU-Parteivorsitzender.

Seit Donnerstag herrscht schwarz auf weiß Krieg in der Ukraine. Hätte Ivan Popovic doch nur recht behalten.

xe

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