UVA Trostberg kritisiert geplanten Standort

Windprojekt Palling/Trostberg/Traunreut: Industriegebiet statt Siebeneicherforst?

Windrad in Palling-Baumham
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Wird das Windrad in Baumham bald Gesellschaft bekommen? Die Kommunen Palling, Traunreut und Trostberg planen ein gemeinsames Windprojekt im Siebeneichenforst.

Trostberg - Palling, Trostberg und Traunreut planen, sich zu einem gemeinsamen Windprojekt zusammenzuschließen. Dass sich möglicherweise bald meterhohe Rotorblätter mitten im Siebeneichenforst im Wind drehen könnten, ruft Kritiker auf den Plan - allen voran den UVA Trostberg, der sich bereits ein Bild von der Lage vor Ort gemacht hat.

Der Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA) äußerte sich nun zum geplanten Windprojekt, das die drei Nachbargemeinden auf den Weg bringen möchten. Vor allem der Standort wurde kritisch beäugt, als sich Mitglieder des Umweltschutzverbands Mitte August in Baumham bei den bereits bestehenden Windrädern sowie im Siebeneichenforst ein Bild von der Lage vor Ort machten. 


Der UVA begutachtete den Standort der geplanten Windräder, der sich laut des Regionalplans Südostbayern im Vorranggebiet 52 für Windenergieanlagen befinde. Der Verband geht davon aus, dass seine Expertise für diesen und weitere Standorte in Zukunft gewünscht werde. Aufgrund dessen wurde neben dem Landesbund für Vogelschutz (LBV), den Grünen Trostberg und Traunreut, dem Bund Naturschutz Altötting sowie der Politischen Alternative Obing (PAO) auch Helmut Uber, der ehemalige Förster für den Bereich Baumham und Siebeneichen-Forst, eingeladen, um zu erörtern, welche Veränderungen der Betrieb einer Windenergieanlage auf Fauna und Flora bis dato zur Folge haben.

Windprojekt: Erörterung des UVA der bestehenden Windräder in Baumham


Der Privatwald in Baumham bestehe Uber zufolge vorwiegend aus Fichten und Tannen. Teilweise befinde sich der Wald im Umbau auf Laubwald. Im Umfeld der Windanlagen müsse stets ein Bereich - entsprechend der Länge der Rotorblätter und Kranwagen - frei von Bewuchs gehalten werden, um die turnusmäßige Rotorblattprüfung zu ermöglichen. Einflüsse auf Rehe und Hasen seien dabei kaum zu erwarten, zumal die Windräder nur sehr nahe bei den Anlagen zu hören seien.

Beim südlich gelegenen Windrad seien aufgrund der exponierten Lage im angerissenen Bestand weitere Schneisen durch Windwurf entstanden, wodurch der Borkenkäfer angelockt worden sei. So befinde sich hinter diesem Objekt eine circa 50 Meter breite und 100 Meter lange, inzwischen baumfreie Schneise im Wald. „Keine gesicherten Erkenntnisse haben wir in Bezug auf Vogelschlag“, erklärte Uber. „Tote Vögel werden in der Regel in kürzester Zeit vom Fuchs gefressen.“ Weil ein Teilnehmer daraufhin über den Fund eines toten Uhus hinter einem der Windräder berichtete wurde die „besondere Gefährdung von Raubvögeln wie den Milan“, der in Höhe der Rotorblätter fliege, in den Raum geworfen.

Das Windrad in Palling-Baumham bei den Gemeindegrenzen Palling, Trostberg und Traunreut.

Historie des Siebeneichenforst geht bis ins Jahr 1750

Bei der weiteren Begehung im Siebeneicherforst erklärte der ehemalige Förster, dass man sich ziemlich genau in der Mitte des Forstes, an einem Punkt mit etwa 1.100 Meter zu den nächstgelegenen Wohnhäusern befinde: „Eine 10H-Forderung, wie sie aktuell für Bayern existiert, könnte hier nicht eingehalten werden, da die Windräder in der Regel mindestens 150 Meter hoch sind und deshalb sogar ein Mindestabstand von 1.500 Meter zwingend erforderlich wäre.“

Zur Historie konnte Uber folgendes berichten: „Dieser Forst ist das größte zusammenhängende Waldgebiet im Bereich Trostberg, Traunreut und Palling. Der Wald ist ebenfalls kleinparzellierter Privatbesitz, größerer Waldbesitz befinde sich in Händen von Graf Toerring und der Stadt Trostberg. Bis ins Jahr 1750 fungierte dieser Wald als Hutewald. Ab etwa 1800 wurde mit Fichte aufgeforstet, um einen geschlossenen Waldbestand zu erreichen.“

Mitglieder des UVA Trostberg machten sich Mitte August 2020 ein Bild vom geplanten Standort des Windprojekts im Verbund mit Palling, Trostberg und Traunreut im Siebeneichenforst.

Möglicher Standort für Windprojekt besser außerhalb des Siebeneichenforsts?

Da der Windrad-Standort im Siebeneichenforst in einer Geländemulde liege und damit die Windwurfsituation nicht so gravierend sei wie in Baumham, sei es aus forstwirtschaftlicher Sicht wohl besser, Anlagen außerhalb des Waldes aufzustellen. Eine Komplett-Fällung von Altbestand führe Uber zufolge meist zu Schwierigkeiten bei der Neubestockung. So könnten Rodung, Straßenbau und weitere negative Einflüsse auf den Wald vermieden werden. „Abgesehen davon seien im vergangenen Jahr 285.000 Hektar Wald aufgrund von Sturm- und Schädlingsbefall abgestorben. Die noch intakten Wälder sollte deshalb vorrangig geschont werden“, mahnte Uber und spannte den Bogen indes zu den Industriegebieten., in deren Nähe die notwendige Infrastruktur für Windräder und Abnehmer des Stroms bereits vorhanden sei.

„Auch wenn die Industriegebiete außerhalb der bisher festgesetzten Vorrangflächen liegen, das ist kein Hinderungsrund. Diese Festlegung hat keine rechtliche Bedeutung - wie man bei diversen Genehmigungen von Kiesgruben, die ebenfalls außerhalb von Vorrangflächen liegen, sehen kann“, unterstreicht Uber und zieht ein erstes Fazit aus dem Vor-Ort-Termin: „Aus unserer Sicht spricht nichts dagegen, intakte Wälder zu schonen und Windräder in Industriegebieten zu errichten. Der Windertrag spricht laut dem Windatlas Bayern jedenfalls nicht gegen diesen Vorschlag."

Im Vergleich zu Baumham (4,9m/s) liege der Siebeneichenforst bei 4,7m/s - gleichauf mit dem Gewerbegebiet Hochreit (4,7m/s). Im Industriegebiet Waltersham in Trostberg wäre die Situation für ein Windrad Ubers Einschätzung nach „sogar noch günstiger“ mit 4,8m/s

Einig war man sich am Ende der Begehung, dass die Windenergie im Rahmen der ökologischen Stromerzeugung weiter ausgebaut werden soll. Das Bestreben, industrielle Anlagen in unseren noch intakten Wäldern zu errichten, beurteilen wir jedoch kritisch“, fasste UVA-Vorstand Reinold Schopf abschließend zusammen.

Über das geplante Windprojekt im Siebeneicherforst

Bis Ende 2019 waren in Bayern 1.118 Anlagen mit einer Leistung von etwa 2,5 GW am Netz. Damit wurden 4,5 TWh Strom erzeugt. Wenn es nach den Vorstellungen des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie (StMWi) geht, soll der Ausbau der Winenergie in den nächsten Jahren konkret mit Windprojekten in Bayern voranschreiten. In den sieben bayerischen Regierungsbezirken wird nun jeweils ein „Regionaler Windkümmerer“ benannt, der ausgewählte Kommunen bei der Verwirklichung der Windprojekte berät und unterstützt.

In Frage kommen auch die Nachbargemeinden Palling, Trostberg und Traunreut: Bei den Verwaltungen liegt je die Anfrage vor, eine Aufstellung von Windenergieanlagen im Siebeneichenforst zu prüfen. Trostberg und Palling haben bereits einen positiven Beschluss zur Bewerbung herbeigeführt, die Entscheidung der Stadt Traunreut steht derweil noch aus.

Die Bewerbung kann nur erfolgen, wenn sich alle drei Kommunen positiv zu dem Projekt im Verbund äußern. Bewerbungsfrist ist der 8. September 2020. Nach Eingang der Bewerbung entscheidet das StMWi welche Kommunen diese Unterstützung erhalten. Bevorzugt werden Kommunen und auch Kooperationen, die ein Windprojekt mit guten Erfolgsaussichten umsetzen wollen. Die Potentialanalyse aus 2013 zeigt unter anderem einen geeigneten Standort für Windkraft im Siebeneichenforst, der die in Frage kommenden drei Gemeindebereiche im Landkreis Traunstein betrifft. 

Pressemitteilung Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA)/mb

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