"Wilde Beschilderung" geht zu Ende

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In Marquartstein soll nun der "Schilderwald" verkleinert werden.

Marquartstein - "Seit Jahren beobachten wir mit Sorge, wie sich die Beschilderung im Ort entwickelt - jetzt ist das Maß erreicht, wo wir etwas tun müssen", so Bürgermeister Andreas Dögerl.

Nach einem einstimmigen Beschluss schon im letzten Herbst und einer Ortsbesichtigung stellte Bauamtsleiter Eric Oberhorner dem Gremium nun einen detailliert ausgearbeiteten Plan für eine einheitliche Beschilderung im Ort vor. Das Konzept wurde anschließend einstimmig befürwortet und die Satzung "zum Schutz des Orts- und Landschaftsbildes", wie es in der Verordnung heißt, mit einer Gegenstimme erlassen.

Ziel des Konzepts sei es, die "wilde Beschilderung" zu vermeiden, erklärte der Bürgermeister, sodass für eine Vereinheitlichung und bessere Übersichtlichkeit gesorgt sei. Bisher hätten viele Schilder eine so kleine Schrift, dass sie aus dem Auto heraus kaum zu entziffern seien. Auch der Vorstand des Vereins der Gewerbetreibenden habe nach einer Ortsbegehung das einheitliche Konzept befürwortet, so der Bürgermeister.

Der Bauamtsleiter zeigte anhand vieler Bilder auch aus den Nachbargemeinden bis Prien, dass dort immer wieder mehr oder weniger gelungene Versuche gemacht wurden, die Beschilderung zu vereinheitlichen.

In Marquartstein soll sich das neue System aus sogenannten Portal- und Pfostenschildern in einheitlicher Größe und DIN-Beschriftung farblich unterschiedlich zusammensetzen. Auf öffentliche Einrichtungen, die Vorrang vor anderen haben sollen, weist schwarze Schrift auf weißem Grund hin, auf Pensionen und Gastgewerbe weiße Schrift auf rotorangem Grund, auf sonstige Gewerbebetriebe weiße Schrift auf ultramarinblauem Grund. Straßennamen sind wie bisher in weißer Schrift auf grünem Untergrund gestaltet, Wege in gelbgrüner Schrift auf weißem Grund.

Die Portale mit je sechs Schildern können links und rechts durch ein weiteres erweitert werden, sodass maximal drei Portale á sechs Schilder von jeweils einer Breite von einem Meter und 25 Zentimetern Höhe aufgestellt werden können. Dabei bestand Einigkeit im Gemeinderat, dass die Portale nur an wenigen wichtigen Stellen, zum Beispiel Straßenkreuzungen, aufgestellt werden sollen. "Weniger ist mehr", sagte Dögerl. Der Gemeinderat befürwortete, dass manche der vorhandenen Schilder für Einrichtungen, die nur Einheimischen dienen, wie Schule oder Kindergarten, ganz entfallen können.

Auf die Frage von Ulrich von Ribaupierre, nach welchen Kriterien entschieden werde, wenn ein Portal voll sei, antwortete der Bürgermeister, dass dann der Gemeinderat entscheiden müsse. Es werde sicher "den einen oder anderen Ärger geben", war sich Dögerl sicher. Auf den Einwand von Peter Lloyd, dass die unterschiedlichen Farben verwirren könnten, entgegnete der Bauamts-leiter, dass die Farbunterteilung dem üblichen Standard in Deutschland entspreche. Nach einer kurzen Diskussion über die Zulassung von Logos auf den Schildern, entschied sich der Gemeinderat einstimmig, dass es gar keine Logos, auch keine international eingeführten wie bei Arzt oder Apotheker geben soll.

Über die Kosten informierte Eric Oberhorner, dass die vorgestellten, standardisierten Portalschilder mit rund 570 Euro pro Stück finanziell für die Gemeinde vergleichsweise günstig seien. Alle Interessenten würden mit einem entsprechenden Kostenbeitrag, zirka 100 Euro pro Schild, beteiligt.

Das neue Beschilderungskonzept soll so schnell wie möglich umgesetzt werden. Die bisherigen Hinweisschilder, die oft auch an Laternenmasten oder Verkehrszeichenpfosten angebracht sind, müssen innerhalb von zwei Wochen - wenn die neuen Portal- und Pfostenschilder erhältlich sind - entfernt werden. Die Verordnung tritt nach Bekanntmachung im Gemeindeanzeiger in Kraft und gilt für 20 Jahre.

Bisher können auf Privatgrund Werbeschilder unter einem Quadratmeter Größe aufgestellt werden. Die erlassene Satzung verhindert diese Schilder noch nicht. Daher will der Gemeinderat demnächst noch eine weitere Satzung zu Werbeanlagen er-lassen.

gi/Chiemgau-Zeitung

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