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Als normales Wohngebäude getarnt

Unscheinbar: Hier steht Hitlers erstes und größtes Hauptquartier

Reste von ehemaligem Führerhauptquartier im Taunus erhalten
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Als normales Wohngebäude getarnt liegt das ehemalige „Führerhauptquartier Adlerhorst“ im Wald bei Langenhain-Ziegenberg.

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs hielt sich Hitler mehrere Wochen im östlichen Taunus auf. Vom Hauptquartier „Adlerhorst“ sind bis heute Reste erhalten. Vor Ort wird unterschiedlich mit diesem Teil der Geschichte umgegangen.

Ober-Mörlen – Auf den ersten Blick ist es ein unscheinbares Anwesen, das sich kurz hinter dem Örtchen Langenhain-Ziegenberg im Wetteraukreis am Waldrand auftut. Mit seinem efeuumrankten Holzbalkon könnte es vielleicht ein großes Forsthaus sein - wäre da nicht der mächtige betonierte Unterbau. Das Gebäude an der Grenze zum Taunus ist ein ehemaliger Bunker aus der NS-Zeit und gehörte zum Führerhauptquartier „Adlerhorst“. Die Holzelemente an seiner Front sind tatsächlich nur Fassade, die im Zweiten Weltkrieg als Tarnung dienten.

Auch wenige Kilometer weiter in Wiesenthal errichteten die Nationalsozialisten mehrere Bunker, dort hielt sich von Mitte Dezember 1944 bis Mitte Januar 1945 Adolf Hitler auf, um die Ardennen-Offensive zu befehlen. Dieser Teil des „Adlerhorstes“ wurde jedoch nach dem Krieg von den Alliierten gesprengt - aus den Trümmern entstand der heutige Ortsteil von Butzbach.

Der halbunterirdische Bunkerkomplex ist vielfach in Vergessenheit geraten.

„In der östlichen Taunusregion gab es während des Zweiten Weltkrieges Stätten, die für das Kriegsgeschehen eine besondere Bedeutung hatten, die aber heute fast niemand mehr kennt“, sagt der Regionalhistoriker Bernd Vorlaeufer-Germer. Er bietet als Lehrbeauftragter der Bildungseinrichtung „Arbeit und Leben Hochtaunus“ unter anderem „Alternative Taunus-Rundfahrten“ an. Er wolle diese Stätten des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte und deren Bedeutung dem Vergessen entreißen, betont Vorlaeufer-Germer.

Müll, Gerümpel und Schmierereien prägen das Innere des ehemaligen Führer-Hauptquartiers 

Der „Adlerhorst“ sei Hitlers erstes und größtes Hauptquartier auf dem späteren Gebiet der alten Bundesrepublik gewesen, erklärt der Experte. Dieser „Adlerhorst“ ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Repräsentationsgebäude in den Berchtesgadener Alpen - dessen Bezeichnung wurde durch die Alliierten eingebürgert.

Müll, Gerümpel und Schmierereien bestimmen das Bild im Inneren dieses ehemals von der Wehrmacht genutzten Gebäudes am Zugang zum ehemaligen „Führerhauptquartier Adlerhorst“ im Wald bei Langenhain-Ziegenberg.

Die Bunkeranlagen rund um Langenhain-Ziegenberg, einem Ortsteil von Ober-Mörlen, wurden ab 1939 von deutschen Firmen gebaut, wie Vorlaeufer-Germer erläutert. In einer Dependance des „Adlerhorstes“ im Schloss Kransberg in Usingen im benachbarten Hochtaunuskreis sollten kurz vor Ende des Weltkrieges 1944/45 noch Häftlinge vom Außenkommando „Tannenwald“ des Konzentrationslagers Buchenwald einen Fluchtstollen in das Bergmassiv schlagen. Das harte Gestein habe große Probleme bereitet, sagt der Experte. Um an die Zwangsarbeit und das Leid der KZ-Häftlinge zu erinnern, ließ der Hochtaunuskreis auf die Initiative von Vorlaeufer-Germer hin 2013 vier Gedenktafeln aufstellen, unter anderem in Kransberg.

Der als Forsthaus getarnte Bunker in Langenhain-Ziegenberg wurde zeitweise von der Bundeswehr als Depot genutzt, inzwischen steht die Anlage leer. In der Umgebung sind noch mehrere Gebäude aus dem Komplex „Adlerhorst“ erhalten, jedoch teilweise stark verfallen. Ein weiteres ehemaliges Wohn- und Garagengebäude liegt beispielsweise auf einem früheren herrschaftlichen Pachthof des Ziegenberger Schlossareals, wie aus Dokumenten des hessischen Landesamtes für Denkmalpflege hervorgeht. Beim Ausbau zu militärischen Zwecken sei das alte Erscheinungsbild des landwirtschaftlichen Anwesens aus Gründen der Tarnung beibehalten worden.

Angst, dass Ort zu Pilgerstätte für Neo-Nazis werden könnte

Für Vorlaeufer-Germer ist es eine Herzensangelegenheit, an die Verbrechen der Nationalsozialisten zu erinnern, die für die Menschen im Rhein-Main-Gebiet quasi vor der Haustür geschahen. Seine Fahrten und Vorträge träfen auf eine gute Resonanz - jedoch leider nur bei Älteren, sagt der Historiker. Er würde sich auch wünschen, mehr junge Menschen zu erreichen. „Es wäre ganz schlimm, diesen Teil unserer Geschichte unter den Teppich zu kehren“, ist der 79-Jährige überzeugt.

Fast völlig zusammengebrochen ist dieses ehemals von der Wehrmacht genutzte Gebäude am Zugang zum ehemaligen „Führerhauptquartier Adlerhorst“ im Wald bei Langenhain-Ziegenberg.

Dass der Ort zu einer Pilgerstätte für Neo-Nazis und Rechtsextremisten werden könnte - das fürchtet Vorlaeufer-Germer nicht. Er plädiert vielmehr dafür, „die Geschichte mit guter Information aufzuarbeiten“, und nicht den Rechtsextremen zu überlassen.

Im Ober-Mörlener Ortsteil Langenhain-Ziegenberg selbst oder auf der offiziellen Internetseite wird die Bedeutung für das NS-Regime nicht thematisiert. Die Bürgermeisterin von Ober-Mörlen, Kristina Paulenz (SPD), erklärt auf dpa-Anfrage, sie bevorzuge es, dass der Ort möglichst wenig erwähnt werde, damit niemand angelockt werde. „Mit dem Vorgehen leben wir bisher durchaus ohne Probleme und so soll es auch bleiben“, teilt sie mit.

dpa

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