Tiger-Attacke: Ärzte amputieren linke Hand

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Christian W. mit seinen Tigern im Zirkus Krone in München.

Hamburg - Ärzte eines Hamburger Krankenhauses kämpfen am Mittwoch weiter um das Leben des Dompteurs Christian W., der am Vorabend bei einer Zirkus-Show von Tigern angegriffen wurde.

Polizei und das Amt für Arbeitsschutz nahmen Ermittlungen auf. Es sei von einem Arbeitsunfall auszugehen, hieß es. Zu dem Zwischenfall war es gekommen, als der 28 Jahre alte Dompteur in einer ehemaligen Hagenbeckschen Dressurhalle stolperte. Drei der insgesamt fünf bengalischen Tiger stürzten sich daraufhin vor etwa 200 entsetzten Zuschauern auf den Mann. Dabei erlitt er nach Angaben der Feuerwehr schwerste Verletzungen am Oberkörper und an einer Hand sowie ein Schädel-Hirn-Trauma. Eine Ärztin aus dem Publikum leistete dem Opfer erste Hilfe. Mitarbeiter des Zirkus drängten die Tiger in ein Außengehege. Christian W. wurde ins Universitätsklinikum Eppendorf gebracht, wo ihm die linke Hand amputiert wurde. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, ist er noch immer nicht ansprechbar. Die Gäste der Show wurden in Sicherheit gebracht, die Show abgebrochen.

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Die Stellungnahme des Veranstalters

Sehen Sie bei Youtube Videos von Christian W. und seinen Tigern:

Video 1

Video 2

Video 3

Der Tierpark Hagenbeck bedauerte in einer Stellungnahme den Unfall, betonte aber, dass es sich bei der Show nicht um eine Veranstaltung des Zoos handelte. Die Veranstalter der Dinner-Show hätten die alte Dressurhalle seit 1999 vom Tierpark gepachtet und in Eigenregie als für ihre Aufführungen betrieben. “Es waren weder Tiere noch Mitarbeiter von Hagenbeck in die Show eingebunden“, sagte eine Sprecherin.

Trotz des Unfalls soll der "Dinner Zirkus" fortgesetzt werden, aber ohne Tiger. Der Veranstalter, Stefan Pagels teilte mit, dass es in der Vergangenheit noch nie zu Problemen bei den Tiershows des Zirkus gekommen sei. Für Mittwochabend war die nächste Show geplant.

Die Polizei ermittelt routinemäßig im Hinblick auf den Arbeitsschutz.

Tierschützer fordern: keine Wildtiere im Zirkus

Wildtiere gehören nach Ansicht von Tierschützern nicht in den Zirkus und sind überaus gefährlich. Unfälle mit Tigern und Löwen passierten dort immer wieder, erklärte die Tierschutzorganisation “Vier Pfoten“ am Mittwoch.

“Ein solcher Angriff war absehbar“, meinte auch die “Aktion Tier“. Ein generelles Verbot von Wildtieren im Zirkus sei überfällig. Auch die Tierrechtsorganisation PETA forderte schnelle Konsequenzen und wies darauf hin, dass es bereits in elf europäischen Ländern ein solches Wildtierverbot gebe. Tiger, Löwen, Elefanten und Giraffen könnten in einem Zirkus niemals art- oder verhaltensgerecht untergebracht werden. Auch dürfe man nicht vergessen, dass das Verhalten dieser Wildtiere aufgrund der fehlenden Anpassung an den Menschen unberechenbar sei. “Tiger sind und bleiben wilde Tiere und gehören nicht in die Manege“, betonte ein Sprecher von “Vier Pfoten“.

“Viele Dompteure wollen die Öffentlichkeit glauben machen, dass sie ein besonderes Vertrauensverhältnis zu ihren Großkatzen haben“, sagte Ursula Bauer von der “Aktion tier“. Aber das entspreche nicht den Tatsachen. “Tiger sind und bleiben gefährliche Wildtiere, auch wenn sie in Gefangenschaft geboren und aufgewachsen sind“, betonte die Biologin. Der direkte Umgang mit ihnen sei lebensgefährlich. Ein Moment der Schwäche oder der Unaufmerksamkeit könne den Tod bedeuten.

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Wildtiere liessen sich nicht wie Hunde mittels eines Rucksacks voller Belohnungshappen dressieren, ihnen werde in den meisten Fällen Zwang und Gewalt angetan, sagte PETA-Sprecherin Carola Schmitt “Den Tieren wird der eigene Wille regelrecht rausgeprügelt.“ Zirkusveranstalter würden immer wieder versuchen, Unfälle mit Aussagen wie “die Tiger wollten nur spielen“ zu bagatellisieren.

Nach Angaben der Tierschutzorganisation ist der Unfall bei der Dinner-Show in Hamburg beileibe kein Einzelfall. “Die tatsächliche Anzahl der Angriffe von Raubkatzen auf Dompteure oder Pflegepersonal in Zirkussen wird tunlichst verschwiegen“, behauptete der Verein. Nur die spektakulären Zwischenfälle vor Publikum wie die Attacke auf den Magier Roy Horn gelangten in die Öffentlichkeit. Während einer Show in Las Vegas im Jahre 2003 hatte ein weißer Tiger den Illusonisten in den Hals gebissen und von der Bühne gezerrt. Der heute 65 Jahre alte Horn ist seitdem teilgelähmt.

“Allein in den letzten vier Jahren hat 'Vier Pfoten' zehn Vorfälle gezählt, bei denen in Deutschland Menschen von Wildtieren im Zirkus verletzt wurden“, erklärte die Stiftung. Hinzu kämen 33 Ausbrüche von Wildtieren. “Diese Vorfälle zeigen, dass die Haltung von Wildtieren im Zirkus mit unkalkulierbaren Sicherheitsrisiken verbunden ist, die Menschenleben gefährden“, sagte Tierschützerin Yvonne Nottebrock.

dpa/AP

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