Aigner und Mälzer: Kochen gegen Übergewicht

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Ernährungsministerin Ilse Aigner und Starkoch Tim Mälzer kochen gemeinsam in der Europaschule in Bornheim am Herd.

Bornheim/Bonn - Deutschlands Jugend ist zu dick: Für eine gute Ernährung schwingen deshalb Ministerin Ilse Aigner und Starkoch Tim Mälzer gemeinsam den Kochlöffel.

Umringt von Schülern demonstrieren Ilse Aigner und Tim Mälzer, was viele Eltern ihren Kindern nicht mehr zeigen können oder wollen: Sie bereiten eine gesunde, warme Mahlzeit zu. “Das ist nicht nur ein Problem in sozialen Brennpunkten, das ist überall ein Problem, auch in normalen Haushalten wird nicht mehr gekocht. Nur noch eine kleine Elite kümmert sich und kocht regelmäßig für die Kinder“, meint der beliebte Promi-Koch (39).

Die Zehntklässler der Europaschule in Bornheim bei Bonn sind begeistert, hacken Möhren und Zwiebeln, kneten Teig und rühren trotz drängelnder Kamerateams unbeirrt im dampfenden Gemüsetopf. Am Freitag geben Aigner, Mälzer, die Bertelmann-Stiftung und ein Küchenhersteller mit ihrer Koch-Aktion den Startschuss für ein Projekt, das mindestens bis 2020 laufen soll. “Ziel ist, mehr über gesunde Ernährung zu erfahren und die Begeisterung fürs Kochen vor allem bei Kindern und Jugendlichen zu wecken“, sagt die Ministerin.

 Jedes Jahr erhalten nun zehn Schulen eine Küche, für die sie in einem Wettbewerb zuvor eine überzeugende Nutzungsidee vorlegen müssen. “Mein persönliches Ziel sind tausend Schulen“, sagt Mälzer, der auch eigenes Geld in das Projekt steckt. Neben der Gesamtschule in Bornheim haben auch zwei Einrichtungen in Berliner sozialen Brennpunkten schon eine Küche erhalten. “Wir gehen natürlich nicht nur in Vorzeigeschulen, aber wir bevorzugen auch nicht die Schulen in Konfliktviertel“, erklärt der Fernseh-Koch.

Gerade dort kommen aber viele Kinder ohne Frühstück zur Schule, sind zu dick, ernähren sich aus der Chips-Tüte und verstehen unter warmer “Mahlzeit“ Burger oder Pizza. Es sei wichtig, möglichst früh das Interesse für eine gute Ernährung zu wecken, auch schon im Kindergartenalter gebe es Initiativen, sagt die Ministerin - in umgebundener “In-Form“-Schürze. “Wir gehen bewusst auch in die Grundschulen, wollen die Neugierde der Dritt- und Viertklässler wecken und hoffen, dass die Kinder auch vieles nach Hause tragen.“

Rund 17 Prozent der Heranwachsenden bis 16 Jahre schleppen Übergewicht mit sich herum, schaden damit auch oft nachhaltig ihrer Gesundheit. “Vielleicht können wir ja erreichen, dass wir nicht demnächst nicht 25 Prozent fette, dicke junge Menschen haben, sondern runter kommen auf 12 oder 13 Prozent“, meint der prominente Koch - und rollt Teig, ruft den Schülern “mehr Salz“ zu oder holt noch schnell Kräuter und Schoko-Flocken.

Der Hobbyköchin und dem Berufskoch geht es nicht um trockene Ernährungslehre, sie wollen auch bloß nicht als Gesundheitsapostel daherkommen. “Es geht um den Erstkontakt zu den Lebensmitteln, um Riechen, Schmecken, eine unauffällige Herangehensweise“, erklärt Mälzer. Die Initiative wolle nicht Fastfood oder Ungesundes verbieten, sondern Interesse an wertvollen Nahrungsmitteln wecken, betont die Politikerin. Den Schülern gefällt's: “Macht Spaß, sieht lecker aus, bei uns zu Hause mache ich sonst eher Nudeln“, sagt ein Schüler. Klassenkameradin Alexandra weiß schon: “Das werde ich auf jeden Fall Zuhause nachkochen.“

dpa

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