Amoklauf: Heute Urteil gegen Vater von Tim K.

+

Stuttgart - Knapp zwei Jahre nach dem Amoklauf von Winnenden will das Landgericht Stuttgart heute das Urteil über den Vater des Täters verkünden.

Der Unternehmer hatte eine seiner Pistolen in einem Schrank im Schlafzimmer unverschlossen aufbewahrt. Damit hatte sein Sohn an seiner früheren Realschule in Winnenden und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst erschossen. Der Vater steht wegen der ungesicherten Aufbewahrung der Waffe seit September 2010 vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft fordert zwei Jahre Haft auf Bewährung.

Amokprozess: Vater von Tim K. weint vor Gericht

Nebenkläger fordern Haft für Vater von Tim K.

Beweisaufnahme im Winnenden-Prozess erneut eröffnet

Am letzten Verhandlungstag (1. Februar) war der Angeklagte nach rund drei Monaten Abwesenheit überraschend zu den Plädoyers der Verteidigung erschienen und hatte sich bei den Angehörigen der Opfer für die Tat seines Sohnes sowie für seine eigenen Fehler entschuldigt. "Ich fühle mich verantwortlich für meinen Sohn Tim und die Fehler, die ich gemacht habe", sagte der 52-Jährige und drückte den Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus.

Seit dem Beginn am 16. September 2010 sorgte der Prozess für einige Überraschungen. Der Angeklagte schwieg zum Auftakt zu den Tatvorwürfen. Zudem erklärte die Kammer, dass neben einer Verurteilung wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz auch ein Urteil wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung nicht auszuschließen sei.

Winnenden: Gedenken an die Amok-Opfer

Nach zwei verschobenen Verhandlungsterminen erschien der 52-Jährige Ende Oktober überraschend nicht vor Gericht. Über seine Rechtsanwälte erklärte er, er habe auch nicht vor, zu den weiteren Verhandlungsterminen zu kommen. Die Kammer beschloss, den Prozess ohne ihn fortzusetzen, da seine Anwesenheit für die weitere Sachaufklärung nicht notwendig sei. Dies sorgte für Unmut bei den Angehörigen der Opfer, die als Nebenkläger am Prozess teilnahmen.

Einen halben Monat später lehnte das Gericht einen der beiden Schöffen wegen Befangenheit ab. Der Laienrichter soll zuvor Polizeibeamte "massiv" beleidigt haben, nachdem er kurz nach Mitternacht betrunken und schlafend in der Stuttgarter Innenstadt mit Prozessakten aufgefunden worden war. Der Prozess musste daraufhin mit einem Ersatzschöffen fortgesetzt werden.

Ende November behauptete eine Notfallseelsorgerin des Kriseninterventionsteams der Polizei, die Eltern des Amokläufers seien von den psychiatrischen Ärzten ihres Sohnes über seine Tötungsfantasien informiert worden. Wenige Tage später widerrief sie jedoch diese Aussage, woraufhin die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen sie wegen versuchter Strafvereitelung einleitete. Mitte Dezember bestätigte sie schließlich ihre erste Aussage. Darüber hinaus wollten sich im Laufe des Prozesses viele der ehemaligen Mitschüler des Amokschützen nicht an ihre früheren Aussagen bei der Polizei über den Zugang von Tim K. zum Waffentresor des Angeklagten erinnern.

Auch die Strafforderungen der Staatsanwaltschaft und der Nebenkläger fielen unterschiedlich aus. Während die Staatsanwaltschaft auf eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung plädierte, forderte der Großteil der 43 zugelassenen Nebenkläger eine Haftstrafe ohne Bewährung. Die beiden Strafverteidiger beantragten dagegen Straffreiheit.

dapd/dpa

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Deutschland

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser