Anti-Atombewegung auf dem Weg nach Berlin

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Anti-Atomkraft-Bewegung will in Berlin Demonstrieren.

Berlin - Tausende Atomkraftgegner aus ganz Deutschland wollen an diesem Samstag in Berlin gegen Kernkraftwerke sowie die unsichere Entsorgung des Atommülls zu Felde ziehen.

Angeheizt durch die Debatte um marode Lagerstätten wie die Asse in Niedersachsen wollten sich vor allem von dort Bürgerinitiativen und Bauern mit 350 Traktoren auf den Weg in die Hauptstadt machen. Mit ihrem Motto “Mal richtig abschalten“ wollen sie sich vor der Bundestagswahl am 27. September für einen schnellen Ausstieg einsetzen. Teilnehmen wollen auch Gewerkschafter und SPD-Politiker sowie die Führungsriege der Grünen. Für die Kundgebung am Nachmittag am Brandenburger Tor erhielten die Politiker jedoch Redeverbot.

Die Union will dagegen vorläufig an der Kernenergie festhalten. Der Kanzlerkandidat der SPD, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, wies dies vor der Demonstration zurück. “Wer wie Schwarz-Gelb die Renaissance der Atomkraft will, führt unser Land in eine energiepolitische Sackgasse und gefährdet die innere Sicherheit.“ Zuvor hatte Steinmeier für die SPD wie schon Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) klargestellt, dass für die Suche nach einem Endlager für den strahlenden Müll aus Kernkraftwerken Gorleben nicht mehr infrage komme. Damit müsste in anderen Ländern eine Standortsuche neu begonnen werden, was von Bayern und Baden- Württemberg abgelehnt wird. Die Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion, Katherina Reiche, sagte der dpa: “Man kann die Geeignetheit von Gorleben erst beurteilen, wenn man sie prüft. Deshalb muss die Erkundung von Gorleben fortgesetzt werden.“

Umweltminister unterstützt die Bewegung

An der Demonstration teilnehmen wollen unter anderen Bundestags- Vize Wolfgang Thierse (SPD), die Grünen-Spitzenkandidaten Renate Künast und Jürgen Trittin und die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth. Die Grünen veröffentlichten am Donnerstag eine von ihnen in Auftrag gegebene Studie, derzufolge rund um Atomkraftwerke das Leukämie- Erkrankungsrisiko für Kleinkinder bis vier Jahren um 19 Prozent über den Normalwerten liegt. Auch für Jugendliche sei das Krebsrisiko hoch. “Wir wollen noch einmal wachrütteln“, sagte Künast Bundesumweltminister Gabriel bedauerte sein Fernbleiben bei der Demonstration, erklärte aber, er unterstütze das Anliegen. Die Mitbürger sollten dafür “eintreten, dass es kein Zurück in die Atomwirtschaft des letzten Jahrhunderts gibt“. Auch nach dem Wahltag müsse es beim vereinbarten Atomausstieg bleiben.

“Die Demonstration kann darüber hinaus auch ein Zeichen dafür setzen, dass die Sanierungskosten der maroden Atommülllager Asse und Morsleben die Atomwirtschaft zu bezahlen hat und nicht der Steuerzahler.“ Der Vorsitzendes des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger, kritisierte, trotz Festhaltens der SPD am Atomausstieg sei in den letzten vier Jahren nicht ein einziges Atomkraftwerk vom Netz gegangen. “Die große Mehrheit der Deutschen ist gegen den weiteren Betrieb der Atomkraftwerke, und das aus guten Gründen: Atomkraftwerke sind gefährlich, das haben die Störfälle im AKW Krümmel drastisch gezeigt. Und die bisherigen Versuche, Atommüll in Deutschland endzulagern sind in der Asse spektakulär gescheitert.“ Insgesamt wollen mehr als 100 Institutionen, Verbände und Parteien den Protestmarsch unterstützen.

dpa

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