Stereotype in Unterrichtsmaterialien

Antisemitische Darstellungen: Baden-Württemberg lässt Schulbücher prüfen

Davidstern an der Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Halle. (Symbolbild)
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Wie wird jüdisches Leben in Unterrichtsmaterialien abgebildet und wird kritisch genug mit antisemitischen Inhalten umgegangen? Das soll nun geprüft werden.

Antisemitismus ist ein großes Problem in Deutschland. Das Kultusministerium in Baden-Württemberg will jetzt prüfen, wie Juden in Schulbüchern abgebildet werden und wie mit stereotypen Darstellungen umgegangen wird.

Stuttgart - Beleidigungen, Beschimpfungen oder sogar Körperverletzungen: Die Liste an Gewalt gegen jüdische Menschen in Deutschland und der Welt ist (noch immer) ellenlang. Juden in Deutschland sind weiterhin Ausgrenzungen bis hin zu Gewalt ausgesetzt (*BW24 berichtete). Der Anschlag auf eine Synagoge in Halle* im vergangenen Jahr hat einmal mehr gezeigt, dass Deutschland ein Problem mit Rassismus und Antisemitismus hat. Viele Juden fühlen sich in Deutschland nicht mehr sicher.

Und die Zahlen sind alarmierend: 2019 wurden mehr als 2.000 antisemitische Straftaten erfasst. Das waren 13 Prozent mehr als im Vorjahr, heißt es im Jahresbericht 2019 zur politisch motivierten Kriminalität. Antisemitische Ressentiments ziehen sich häufig durch die gesamte Bevölkerungsstruktur. Und sie beginnen womöglich schon im Kindesalter. Gefördert werden könnten sie bereits in der Schule - genauer: in Schulbüchern, fürchtet das Kultusministerium in Baden-Württemberg. Man hat deshalb das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) Baden-Württemberg beauftragt, genauer hinzusehen.

Antisemitismus in Schulbüchern: Redakteure sollen sensibilisiert werden

Es solle geprüft werden, wie deutsch-jüdisches Leben in Geschichtsbüchern dargestellt wird und ob oder inwiefern diese Abbildungen in Wort und Schrift Vorurteile schüren könnten. Wichtig sei laut ZSL-Präsident Thomas Riecke-Baulecke außerdem, wie antisemitische Darstellungen innerhalb der Schulbücher eingeordnet werden. „Fordert das Schulbuch explizit die kritische Auseinandersetzung mit judenfeindlichen Stereotypen heraus oder wird unterschwellig suggeriert, dass da ein Fünkchen Wahrheit drinsteckt?“, sagte Riecke-Baulecke der Deutschen Presse Agentur (dpa). Ein Beispiel dafür sei eine affenähnliche Darstellung von Juden in Schulbüchern. Zu NS-Zeiten waren diese Abbildungen ein Instrument, um Juden und ihre Lebensweise zu denunzieren.

Auch wenn die Verlage ihre Bücher auf problematische Inhalte wie Antisemitismus überprüfen, sei es wichtig, die Redakteure der Schulbücher auf das Thema zu sensibilisieren, so Thomas Riecke-Baulecke.

In der Vergangenheit hatte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, die Darstellung von Juden in Schulbüchern scharf kritisiert. Im Gespräch mit der dpa sagte er: „Es gibt dort zuweilen Bilder, die von antisemitischen Stereotypen geprägt sind und damit eher an den ’Stürmer’ erinnern, als dass sie eine sachliche Darstellung bieten würden.“ *BW24 ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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