Ausbildung im Terrorcamp: 75 Islamisten zurück in Deutschland

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In Deutschland sind nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden 75 islamistische Extremisten auf freiem Fuß, die eine Ausbildung in einem Terrorcamp absolviert haben.

Frankfurt/Main - In Deutschland sind nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden 75 islamistische Extremisten auf freiem Fuß, die eine Ausbildung in einem Terrorcamp absolviert haben.

“Diese Personen bereiten uns große Sorgen und stehen dementsprechend im besonderen Fokus der Sicherheitsbehörden“, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, der Nachrichtenagentur DAPD. Das BKA sieht auch nach der Bundestagswahl und der Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr eine unverändert hohe Terrorgefahr in Deutschland. Man sei hochaufmerksam, wenn junge Leute in Terrorlager vor allem nach Pakistan reisten und nach Deutschland zurückkehrten, sagte Ziercke. Demnach sollen 185 Personen in den vergangenen zehn Jahren eine paramilitärische Ausbildung erhalten haben. “Bei 65 wissen wir es definitiv.“ Von den 185, die eine Ausbildung erhalten haben sollen, kehrten 90 nach Deutschland zurück. 15 von ihnen sind in Haft.

Die schlimmsten Anschläge seit dem 11. Septmeber

Die schlimmsten Terroranschläge seit dem 11. September

Die 75 verbleibenden Extremisten stehen unter besonderer Beobachtung der Sicherheitsbehörden. So wurden vor der Bundestagswahl bei gefährlich einstuften Personen täglich der Aufenthaltsort ermittelt. Außerdem gab es laut Ziercke Durchsuchungen und Festnahmen. “Unsere Maßnahmen haben zu beabsichtigten Irritationen in der Szene gesorgt und vielleicht dazu beigetragen, dass bislang nichts passiert ist. Die Sicherheitsbehörden haben alles getan, damit die Terroristen ihr Ziel, Furcht und Schrecken in Bevölkerung zu verbreiten, nicht erreichen.“

Angespannte Sicherheitslage

Nach wie vor sieht das BKA eine erhöhte Terrorgefahr in Deutschland. “Wir können keine Entwarnung geben.“ Es gebe zwar keine konkreten Hinweise auf Anschläge in Deutschland, man müsse aber angesichts der weltweiten Bedrohungslage wachsam bleiben und darauf achten, Sicherheitsmaßnahmen auf einem hohen Standard aufrechterhalten. Verfassungsschützer wissen unterdessen acht Jahre nach den Anschlägen vom 11. September nach eigener Einschätzung noch zu wenig, wie die Radikalisierung junger Islamisten funktioniert. “Wir wissen seit einigen Jahren zwar deutlich mehr, aber hier ist auch noch ein großer Forschungsbedarf“, sagte die Präsidentin des baden-württembergischen Verfassungsschutzes, Beate Bube, in einem DAPD-Interview.

Auch ein Aussteigerprogramm wie für Rechtsextremisten ist nach Ansicht der Verfassungsschützerin schwer umsetzbar. Es gebe ein Spannungsverhältnis zwischen dem Islam als politischer Ideologie und Religion. “Aufgrund der verfassungsrechtlich geschützten Religionsfreiheit kann ein 'Ausstieg' aus der Religion selbstverständlich nicht gefordert werden. Es kann allein um die Verhinderung des Abgleitens in einen gewaltorientierten Dschihadismus gehen.“ Es gebe zwar Versuche, in Radikalisierungsverläufe einzugreifen, sagte Bube. “Von breiten Erfolgen zu sprechen, ist aus meiner Sicht voreilig. In Einzelfällen kann aber ein Umdenkungsprozess angestoßen werden.“

dapd

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