Baby mit Schere erstochen: Mutter in Haft

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Kassel - Nach der Geburt schlug eine 22-jährige Frau auf ihr Baby ein, würgte es und erstach es schließlich mit einer Schere. Jetzt muss die Frau für neun Jahre hinter Gitter.

Luisa S. aus Fuldabrück bei Kassel hatte am 9. Juli 2009 auf der Toilette im Haus ihrer Eltern eine Tochter zur Welt gebracht Sie durchtrennte die Nabelschnur, danach schlug sie auf das Kind ein, würgte es und stach mehrmals mit einer Schere zu. Tödlich war ein Stich in die Brust. Das tote Baby legte sie in eine Tasche, die sie hinter einer Kommode versteckte.

Am Freitag wurde die junge Frau vom Landgericht Kassel zu neun Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt.

Aufgeflogen war die Tat, nachdem ihr Freund Blut im Badezimmer bemerkt hatte. Luisa S. wurde von ihrer Mutter ins Krankenhaus geschickt. Dort erklärte sie zunächst, sie habe eine Fehlgeburt erlitten. Die Ärzte stellten jedoch fest, dass sie gerade entbunden hatte. Daraufhin gestand sie die Kindstötung Die Angeklagte hatte ausgesagt, sie habe keine Erinnerung an die Tat und wisse nur noch, dass sie das tote Kind in die Tasche gelegt habe. Es tue ihr “unendlich leid“ tue und sie die Tötung nicht geplant habe.

Schwangerschaft verheimlicht

Die junge Frau, die bereits Mutter einer Tochter ist, hatte die Schwangerschaft vor ihrem Freund und ihren Eltern geheim gehalten. Noch eine Woche vor der Niederkunft sagte sie, sie sei nicht schwanger und habe nur zugenommen. “Das Kind wurde von der Angeklagten gedanklich verdrängt“, sagte der Vorsitzende Richter Volker Mütze. Sie habe das Kind aus Scham getötet. Die 22-Jährige hatte Angst, bei einem weiteren Kind aus der Wohnung ihrer Eltern zu fliegen und die Beziehung zu ihrem Freund aufs Spiel zu setzen. “Die Angeklagte hat die Schwangerschaft und bevorstehende Geburt gedanklich verleugnet“, stellte die Strafkammer im Urteil fest. Ein Gerichtsgutachter hatte sie als voll schuldfähig beurteilt und von einer passiv-aggressiven und angepassten Persönlichkeit gesprochen. Sie habe sich nicht für ihre Fehler rechtfertigen wollen und richtete ihr Verhalten nach dem aus, was sozial gewünscht sei, erklärte das Gericht. Das zweite Kind wäre nur ein “Störfaktor“ für ihre Lebensplanung gewesen.

Verteidiger Dieter Reimann hatte hervorgehoben, dass die Angeklagte in einer Ausnahmesituation gesteckt und völlig irrational gehandelt habe. Die Tat sei daher als Totschlag im minder schweren Fall zu werten. Das sah die Staatsanwaltschaft Kassel anders. Sie hatte zehn Jahre Gefängnis gefordert. “Ich habe mit dem Urteil gerechnet“, sagte Oberstaatsanwältin Andrea Boesken. Ob Mord aus niedrigen Beweggründen vorgelegen habe, sei wegen der Persönlichkeitsstruktur der Angeklagten zweifelhaft. Daher sei die Verurteilung wegen Totschlags korrekt.

dapd

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