Bald Kastrationspflicht für Katzen?

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Frankfurt - Rund 10 Millionen Katzen leben in Deutschland. Die schnelle Vermehrung bereitet Tierschützern mittlerweile große Sorge. Sie fordern daher eine Kastrationspflicht.

“Die Tiere sind durch das Streunen oft verwundet, unterernährt und von Parasiten befallen“, sagt der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. Zum Wohl der Tiere fordert der Verein daher eine Kastrationspflicht. Insbesondere Privathalter sollten ihre Katzen kastrieren lassen. “Rund die Hälfte der Kater in privaten Haushalten ist nicht kastriert“, schätzt Schröder. Da Katzen im Durchschnitt zweimal pro Jahr jeweils rund fünf Junge werfen, vermehren sich diese Tiere schnell. Zahlreiche Katzen bleiben anschließend nicht in den Häusern und Wohnungen, sondern werden zu wilden Katzen.

Bereits vor einigen Monaten legte der Tierschutzbund der für Tierschutz zuständigen Bundesministerin Ilse Aigner eine Verordnung zur Kastrationspflicht vor. Diese werde derzeit geprüft. Das Ministerium habe allerdings darauf verwiesen, dass erst die Kommunen in der Pflicht stünden, bevor der Bund ein Gesetz in die Wege leite, sagt Schröder.

Paderborn und Delmenhorst mit Kastrationspflicht

So haben etwa die Städte Paderborn und Delmenhorst bereits ein Kastrationspflicht eingeführt. Andere Kommunen sollen folgen, aber noch schrecken viele aus Kostengründen davor zurück. “Eine Kastration kostet zwischen 80 bis 100 Euro“, weiß der Tierschutzexperte. Diese Kosten würden bislang nur dann von der Kommune übernommen, wenn es sich um Fundkatzen halte. Bei allen anderen Kastrationen kämen Tierschützer auf. “Es muss eine Lösung für die Finanzierung gefunden werden, damit weitere Kommunen eine Kastrationspflicht einführen.“ Ähnlich sieht es die Bundestierärztekammer.

Da sich wildernde Katzen besonders schnell vermehrten, müssten alle Kommunen eine Kastrationspflicht einführen, ist der Vorsitzende des Tierschutzausschusses der Bundestierärztekammer, Karl Fikuart, überzeugt. “Sonst greift die Maßnahme nicht, da Katzen nicht vor Stadtgrenzen Halt machen“. Zudem müssten Tierhalter Verantwortung übernehmen. “Wir fordern eine Änderung des Tierschutzrechts. Es muss ein Gebot geben, das den Tierhalter dazu verpflichtet, seinen Kater zu kastrieren und für diese Kosten aufzukommen.“ Zusätzlich dazu muss es der Bundestierärztekammer zufolge eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht geben. Gewebe zu zerstören ist zwar laut Tierschutzrecht nicht erlaubt, aber es gibt Ausnahmen: Kastrationen dürfen beispielsweise durchgeführt werden, um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern, wie Fikuart erklärt.

Belgien plant umfassende Kastration und Sterilisation

Auch in Belgien klagen Tierschützer über eine regelrechte Katzenschwemme. Das Nachbarland ist bei der Kastrationspflicht weiter. Der Tierschutzrat im belgischen Gesundheitsministerium will die Invasion stoppen. Er hat einen Sechs-Jahres-Plan ausgearbeitet, der vorsieht, bis 2016 sämtliche Kater und Katzen kastrieren oder sterilisieren zu lassen. Immer mehr der Streuner lebten in erbärmlichen Zustand auf den Straßen, sagt die Tierärztin Catherine Terclavers aus dem Ministerium. Und weil die Tierheime überquellten, werde dort jede dritte abgegebene Katze eingeschläfert. Das Kastrationsprogramm soll im kommenden Jahr starten. Zunächst soll nur in Tierheimen operiert werden. Ab 2014 sollen Züchter nur noch unkastrierte Katzen verkaufen dürfen, in der letzten Phase schließlich sollen auch alle Katzen in Privathaushalten unters Messer. Seit der Vorschlag publik wurde, tobt eine hitzige Debatte. Das eine Lager tobt über die geplante Verordnung: “Katzen schaden der Gesellschaft nicht“, schreibt etwa ein Nutzer mit dem Namen citoyen im Blog der Zeitung “Sud Presse“.

Die schrägsten Tiere der Welt

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“Mit dem Kastrieren sollten wir bei denen beginnen, die wirklich Schaden anrichten: Politiker, Gangster und so weiter.“ Blogger Phil warnt vor einer Rattenplage, wenn die Katzen verschwinden. Viele Tierliebhaber unterstützen den Plan aber auch. “Wenn die Besitzer ihre Katzen nicht streunen ließen, wäre das Gesetz nicht notwendig“, meint User magma. “Aber leider sind die unglückseligen, unterernährten, ausgesetzten Katzen nicht mehr zu zählen.“ Genau dieses Argument sorgt in Deutschland für Diskussionsstoff, wie Tierschutzbundchef Schröder erläutert. “Aigners Ministerium sagt, dass nicht bewiesen werden kann, ob die Tiere wirklich leiden. Wir kennen aber die Lage in den Tierheimen und an den Futterstellen“. Die Heime seien überfüllt, die Tiere oftmals krank und die Futterstellen stets leer gefressen.

dapd

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