55 000 beim "Day of Song" auf Schalke - Gänsehaut

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Die KölnerA-capella-Band Wise Guys singt ihren Hit "Jetzt ist Sommer" und bringt damit das Publikum in der Arena in Partystimmung.

Gelsenkirchen - Zehntausende warten am Samstagabend in der Schalker Veltins-Arena gespannt auf ihren musikalischen Einsatz. Die Tribünen des Stadions sind bunt - sonst dominiert hier das Blau-Weiß des FC Schalke 04.

Um 20.24 Uhr stehen kurz vor dem Abschlusskonzert des Ruhr.2010-Projekts "Day of Song" statt elf Fußballern tausende Sänger auf dem Platz. Als Dirigent Steven Sloane erscheint, brandet lauter Beifall auf. Chöre aus ganz Europa säumen das Spielfeld. Vor 55 000 Menschen liegt ein bewegendes Gesangsfest, niemand ist hier nur Zuschauer - Gänsehaut-Feeling pur.

Im Stadion wird Sloane gefeiert wie ein Popstar. Der deutsch-amerikanische Dirigent leitet den größten Chor, den er wohl je vor sich hatte, souverän durch den Abend. Mitten in Händels "Halleluja" bricht er einmal ab, weil sein Massenchor nicht akzentuiert genug singt. "Der strahlte so eine Begeisterung aus", wird die Besucherin Margret Erben (76) später über den Maestro schwärmen.

Gänsehautstimmung macht sich zum ersten Mal breit, als "Don't worry, be happy"-Interpret Bobby McFerrin singt und improvisiert. Als er sein Publikum zum Mitklatschen auffordert, übertönt das fast seinen Gesang. Partylaune kommt auf, als die deutsche A-capella-Band Wise Guys ihren Hit "Jetzt ist Sommer" anstimmt. Während draußen nach einem heißen Tag langsam die Sonne untergeht, haben sich die Kehlen in der Arena gerade warmgesungen.

55 000 Menschen in der Arena auf Schalke.

Geladene Chöre, Künstler und Solisten auf dem Spielfeld singen über zwei Stunden lang gemeinsam mit den Zehntausenden Sangesfreudigen auf den Tribünen. Jeder wurde mit einem Liedheft ausgestattet. Das Repertoire reicht von klassischen Stücken wie dem "Zigeunerchor" von Giuseppe Verdi über Volkslieder wie "Kein schöner Land" bis zu "Let it Be" von den Beatles. Die Mezzo-Sopranistin Vesselina Kasarova trällert eine Arie aus der Oper "Carmen" - in den Refrain fallen 55 000 Sänger mit ein.

Dirigent Sloane macht sich einen Spaß aus diesem Spielort, in dem Anhänger der ewigen Fußball-Rivalen FC Schalke und Borussia Dortmund diesmal zusammenstehen. Er lässt erst die Fans der einen, dann der anderen Mannschaft den Kanon "Hejo, spann den Wagen an" anstimmen. Die Reaktion: Pfiffe, Buhrufe, Jubelschreie - fast wie am Spieltag.

Für die 76-jährige Margret Erben aus Dortmund ist es das erste Mal "auf Schalke". Die 14-jährige Enkelin hat ihre rüstige Oma gefragt, was sie denn dort wolle. Singen, ist doch klar: "So was habe ich noch nie erlebt und werde es hier nach wohl auch nicht mehr." Nachdem sie und ihre Kollegen vom Evangelischen Kirchenchor am Nachmittag schon eine Kirche in Dortmund beschallt hatten, setzten sie sich in den überfüllten Zug nach Gelsenkirchen.

Iris Pieper, am Samstag 46 Jahre alt geworden, freut sich zwar darüber, hier "mal was anderes als Fußball" zu sehen. Trotzdem haben sie und ihr Mann Schalke-Fähnchen mitgebracht. Und der Chor, in dem ihre Tochter singt, trägt passend dazu blau-weiße T-Shirts. Dass ein paar Plätze weiter Borussen-Fans sitzen könnten, stört wenig. Gemeinsam stimmen alle Herbert Grönemeyers Ruhr.2010-Hymne "Komm zur Ruhr" an.

Von Julia Wäschenbach, dpa

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