Gericht entscheidet 

Chefarzt zeigte sich uneinsichtig: Berliner Ärzte töten Zwilling bei Geburt - Nun ist das Urteil gefallen 

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Die Mediziner sagten aus, dass sie glaubten, die Tötung nach Einleitung der Geburt, sei legal.

Die Mediziner aus Berlin glaubten, ihr Handeln sei legal. So töteten sie ein Baby nach Einleitung der Geburt. Vor Gericht zeigte sich der Chefarzt „uneinsichtig“.

  • Oberärztin und Chefarzt wegen Totschlags in Berlin verurteilt
  • Mediziner töteten Zwilling bei Entbindung 
  • Arzt ist uneinsichtig und bekommt längere Haftstrafe

Berlin - Heute ist sie leitende Oberärztin. Er ist pensioniert. Früher war er der Chefarzt einer Berliner Klinik. Die beiden verbindet ein dramatischer Vorfall, für den die Mediziner nun, fast zehn Jahre später zur Rechenschaft gezogen werden.

Es war das Jahr 2010 als sich eine 27-jährige Frau in Berlin dem Duo anvertraute. Die Frau war zu diesem Zeitpunkt mit Zwillingen schwanger. Zwei Mädchen sollten es werden. Im Laufe der Schwangerschaft wurde bei einem der Mädchen ein derart schwerer Hirnschaden diagnostiziert, dass damit eine Indikation für eine legale sogenannte Spätabtreibung vorlag. Eine solche Spätabtreibung war auch von den Eltern ausdrücklich gewollt, wie die AFP berichtet.

Berliner Ärzte töten Mädchen mit Spritze

Doch das eine Mädchen war gesund. Ihr Leben wollten die Ärzte nicht gefährden. Jedoch war das gesunde Kind nicht allein im Mutterleib. Statt der erlaubten Spätabtreibung entschieden sich die Ärzte für eine Tötung nach Einleitung der Geburt. Mit einer Injektion töteten die Mediziner das an einem Hirnschaden leidende Mädchen, nachdem ihre gesunde Schwester entbunden wurde.

Dieses Vorgehen stufte das Gericht als Totschlag ein. Ein derartiges "Aussortieren" von kranken und behinderten Säuglingen sei nach dem Willen des Gesetzgebers "unzulässig", hieß es. Die Oberärztin und der pensionierte Arzt verteidigten sich am 19. November 2019 vor dem Berliner Landgericht: Die Mediziner sagten aus, dass sie glaubten, ihr Vorgehen sei legal. Schließlich befand sich das getötete Mädchen während der Kaiserschnittgeburt noch im bereits geöffneten Mutterleib. 

Berliner Ärzte von Gericht verurteilt wegen Totschlag

Diese Begründung werteten die Richter wegen deren Berufserfahrung allerdings als unglaubwürdig. Trotzdem fielen die Haftstrafen wegen der "Besonderheiten des Falls" relativ gering aus. Der Oberärztin wurde zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Auch die Haftstrafe des ehemaligen Chefarztes von einem Jahr und neun Monaten wurde auf Bewährung ausgesetzt. Laut Gericht erkannten die Richter auf einen minder schweren Fall von Totschlag. Ebenfalls wegen Totschlags musste sich in Bayern ein 37-Jähriger verantworten.

Die Ärzte hätten sich vielmehr "vom Willen der Eltern leiten lassen, dass das kranke Kind nicht zur Welt kommt", erklärte das Gericht. Nach Erkenntnissen eines Gutachters sei dieses aber lebensfähig gewesen. Der frühere Chefarzt erhielt die längere Haftstrafe, weil er der Vorgesetzte war und sich im Prozess "uneinsichtig" gezeigt habe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Gegen die Entscheidung können Rechtsmittel eingelegt werden.

afp

Auch im Süden Deutschlands spielten sich in einer Klinik dramatische Szenen ab. In Weilheim brannte das Krankenhaus.

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