Bürgermeister: Schon vorher Erdrutsch in Nachterstedt

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Als Konsequenz aus der Erdrutsch-Katastrophe von Nachterstedt hat die Bergaufsicht in Nordrhein-Westfalen eine intensive Auswertung der dortigen Erkenntnisse angekündigt

Inden/Nachterstedt - Am Tagebausee von Nachterstedt hat es offensichtlich schon vor dem verheerenden Erdrutsch Absackungen gegeben.

Der Bürgermeister der rheinischen Tagebaugemeinde Inden, Ulrich Schuster, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag, bei einem Besuch am Concordia-See vor rund zwei Jahren habe er eine Veränderung der Böschung in einem unbebauten Landschaftsbereich wahrgenommen. “Damals wurde offen darüber geredet, dass die Böschung abgesackt ist“, sagte er.

Nach seiner Wahrnehmung damals war das Ereignis schon etwas älter. Die Besichtigung habe im Rahmen einer Reise mit einer Gruppe des Braunkohleausschusses stattgefunden.

Ursache weiter unklar

Als Konsequenz aus der Erdrutsch-Katastrophe von Nachterstedt hat die Bergaufsicht in Nordrhein-Westfalen eine intensive Auswertung der dortigen Erkenntnisse angekündigt. Erst, wenn die Experten die genaue Ursache für das Unglück hätten, könne man die Frage beantworten, inwieweit so ein Böschungsrutschen auch in nordrhein-westfälischen Tagebauen möglich sei, erklärte ein Sprecher des Düsseldorfer Wirtschaftsministeriums am Dienstag. Man wolle die Erkenntnisse aus Nachterstedt daher auswerten, sobald sie vorlägen. Sollten sich aus dem Unglück neue Erkenntnisse ergeben, würden diese bei allen Planungen der Landschaftsgestaltung berücksichtigt, um die Sicherheit der Menschen im Umfeld verfüllter und gefluteter Tagebaurestlöcher zu gewährleisten, hieß es.

In Ostdeutschland extreme Fließgefahr

Bergbehörde und Geologischer Dienst des Landes haben sich den Angaben zufolge nach Bekanntwerden des Unglücks sofort mit der Frage befasst, ob sich daraus “Handlungsbedarf zur Verbesserung der Sicherheit von Anwohnern und Beschäftigten im Bereich der Braunkohlentagebaue in Nordrhein-Westfalen“ ergebe. Dazu seien auch die bislang verfügbaren Informationen über die Situation am Concordia-See bei Nachterstedt ausgewertet worden.

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Fachleute seien die geologischen und hydrogeologischen Verhältnisse in Sachsen -Anhalt und Nordrhein-Westfalen jedoch sehr unterschiedlich, hieß es. Im Gegensatz zum Rheinischen Braunkohlenrevier gelten demnach insbesondere die verkippten Abraummassen in den ostdeutschen Revieren teils als extrem fließgefährdet, was hohe Anforderungen an die Böschungsgestaltung stelle.

Sicherheitszone entlang der Tagebaue vorgeschrieben

Die Böschungen der hiesigen Tagebaue würden dagegen nicht verkippt, sondern gezielt zur Erreichung der notwendigen Standsicherheit aufgebaut, erklärte das Ministerium. Der Kippenaufbau werde durch regelmäßige Untersuchungen begleitet, um die Sicherheit der Böschungen während der aktiven Betriebsphase und auch während der Gestaltung der sogenannten Restseen sicherzustellen. Dazu würden die Böschungen regelmäßig unter anderem mit GPS überwacht, um mögliche auffällige Bewegungen frühzeitig erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

Überdies ist zum Schutz vor möglichen Bodenbewegungen entlang der Tagebaue eine Sicherheitszone festgeschrieben, wie weiter mitgeteilt wurde. Dort seien der dauerhafte Aufenthalt von Personen und die Errichtung oder Nutzung von Wohngebäuden nicht zulässig. Die Breite dieser Sicherheitszone betrage im Allgemeinen die halbe Tagebautiefe, mindestens jedoch 100 Meter.

dpa/ap

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