Chronik der Entführungen in Deutschland

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Maria Bögerl wird seit dem 12. Mai vermisst.

Frankfurt/Main - Entführungen sind in Deutschland eher selten und werden fast immer aufgeklärt. In den vergangenen Jahrzehnten gab es eine Reihe spektakulärer Fälle, wie folgende Chronik zeigt.

- 29. November 1971: Aldi-Besitzer Theodor Albrecht wird vom Hof seiner Unternehmenszentrale in Herten entführt. Nach Zahlung von sieben Millionen Mark wird er zwei Wochen später freigelassen. Als Täter werden ein Rechtsanwalt und ein Tresorknacker verurteilt. - 13. November 1973: Die Tochter des Wienerwald-Besitzers Friedrich Jahn, Evelyn, wird in München verschleppt und für drei Millionen Mark Lösegeld zwei Tage später freigelassen. Die Entführer werden gefasst.

- 19. Oktober 1976: Millionärssohn Gernot Egolf wird in Homburg entführt und stirbt in einem Bunker an Unterkühlung. Ein Täter wird zu lebenslanger Haft verurteilt, der andere begeht Selbstmord.

- 3. November 1976: Der Springreiter Hendrik Snoek wird vom Lagerarbeiter Peter Graef entführt. Dieser fordert fünf Millionen Mark Lösegeld. Nach 53 Stunden Gefangenschaft entdeckt ein Arbeiter den Entführten angekettet an einem Brückenkasten an der Autobahn bei Herborn. Das Landgericht Münster verurteilt Graef zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren. Sein Komplize erhängt sich während der Untersuchungshaft in seiner Zelle.

- 16. Dezember 1976: Der Industriellensohn Richard Oetker wird bei München entführt und in eine zu kleine Kiste gesperrt. Darin erleidet er einen Stromschlag, der zu mehreren Knochenbrüchen führt. Gegen Zahlung von 21 Millionen Mark lässt der Entführer Dieter Zlof ihn frei. Dieser verbüßt 15 Jahre Haft und wird 1997 wegen Geldwäsche erneut verurteilt.

- 17. April 1978: Zwei Schweizer und ein Italiener kidnappen Prinz Moritz von Hessen in Kiel und erpressen eine Million Mark. Bereit 84 Minuten nach der Tat können die Täter bei einer Ringfahndung gestellt werden. Die drei Täter werden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

- 25. Juli 1980: In Italien werden die Töchter des Fernsehjournalisten Dieter Kronzucker und einer ihrer Cousins im Ferienhaus bei Siena entführt. Nach der Zahlung von 2,3 Milliarden Lire (4,3 Millionen Mark) Lösegeld werden sie nach 68 Tagen, am 1. Oktober, freigelassen. Einer der mutmaßlichen Entführer, der Italiener Giovanni Farina, wird in Bogota verhaftet.

- 15. September 1981: Die zehnjährige Ursula Herrmann wird beim Radfahren in Eching am Ammersee entführt. Der Täter sperrt sie in eine Holzkiste, die zuvor im Wald vergraben wurde. Weil ein Luftrohr nicht funktioniert, erstickt das Mädchen. 29 Jahre später, am 25. März, verurteilt das Landgericht Augsburg den damaligen Nachbarn der Familie Herrmann, Werner M., in einem Indizienprozess zu lebenslanger Haft.

- 18. Dezember 1981: Die achtjährige Nina von Gallwitz wird auf dem Schulweg in Köln gekidnappt. Erst nach fünf Monaten, am 17. Mai 1982, kommt sie gegen Zahlung von 1,5 Millionen Mark frei. Die Täter sind unbekannt.

- 21. Januar 1985: Ein Enkel des Verlegers Axel Caesar Springer, Axel Sven, wird aus einem Internat in der Schweiz entführt. Das geforderte Lösegeld von 15 Millionen Mark wird nicht gezahlt. Der Junge wird dennoch freigelassen. Die vier Täter werden gefasst und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

- 23. Dezember 1987: Drogeriekettenbesitzer Anton Schlecker zahlt 9,6 Millionen Mark für die Freilassung seiner Kinder Lars und Meike. Erst 1999 werden die Entführer zu jeweils 13 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

- 16. Januar 1991: Der sechsjährige Peter Fiszman und seine siebenjährige Schulfreundin werden in Köln verschleppt und drei Tage später freigelassen. Die zwei Täter, der Malermeister Rainer Körppen und sein Sohn Sven, werden 1998 verurteilt, nachdem sie Peters Onkel, den Frankfurter Kaufmann Jakub Fiszman, entführt und ermordet haben. Sie verschleppen ihn am 1. Oktober 1996 in Frankfurt beim Verlassen seines Büros und sperren ihn in eine Garage in Langen ein. Die Täter bringen den 40-Jährigen um und kassieren danach vier Millionen Mark Lösegeld. Rainer Körppen wird zu lebenslanger Haft mit Sicherheitsverwahrung verurteilt, sein Sohn zu zwölf Jahren Haft. Die Täter haben außerdem am 1. September 1993 den 31-jährigen Sohn eines Offenbacher Fleischgroßhändlers in Dietzenbach entführt und in einer Holzkiste gefangen gehalten. Für zwei Millionen Mark kommt das Opfer in Wiesbaden frei.

- 25. März 1996: Der Millionenerbe Jan Philipp Reemtsma wird in Hamburg verschleppt und erst am 26. April gegen rund 30 Millionen Mark Lösegeld freigelassen. Der Drahtzieher Thomas Drach wird in Argentinien verhaftet und im März 2001 zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Sein wichtigster Komplize erhält zehn Jahre und sechs Monate.

- 14. September 1997: Der 20-jährige Matthias Hintze wird verschleppt und verhungert in einem Erdschacht. Als Täter werden zwei Russen verhaftet und 1999 zu je vierzehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Im November 2001 wird ihre Strafe auf 15 Jahre aufgestockt, nachdem herauskam, dass die beiden 1997 auch einen Computerhändler entführt und vermutlich getötet hatten.

- 14./15. Juni 1998: Der Unternehmersohn Bodo Janssen wird in Hamburg nach einer Woche aus der Gewalt seiner Entführer befreit. 1999 werden drei Täter zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, der größte Teil des Lösegelds von drei Millionen Mark wird sichergestellt.

- 24. Oktober 1998: Der neunjährige Falko wird in Gera auf offener Straße entführt. Die Polizei macht den Täter mit einer Fangschaltung ausfindig und befreit den Jungen am 2. November 1998. Der Täter, ein verschuldeter 35-jähriger Geschäftsmann, fordert 10,1 Millionen Mark. Das Leipziger Landgericht verhängt achteinhalb Jahre Haft.

- 27. September 2002: Der Jura-Student Magnus Gäfgen lockt den elfjährigen Frankfurter Bankierssohn Jakob von Metzler in seine Wohnung in Frankfurt und erstickt ihn mit Klebebändern. Beim Abholen des Lösegelds von einer Million Euro beobachtet ihn die Polizei. Gaefgen wird zu lebenslanger Haft verurteilt.

- April 2005: Ein ehemaliger Geschäftsmann kidnappt in Nürnberg die Ehefrau eines Unternehmers, versteckt sie in einer Waldhütte und fordert 500.000 Euro Lösegeld. Der Frau gelingt es, sich zu befreien und Hilfe zu holen. Der Täter wird festgenommen.

- 29. März 2006: Drei Männer dringen als Paketboten getarnt in die Wohnung einer Unternehmer-Familie ein. Sie fesseln die Großmutter eines zweijährigen Jungen und verschleppen das Kind. In einem Telefonanruf fordern sie 1,5 Millionen Euro. Die Polizei kommt ihnen auf die Spur und befreit das Kind.

- 8. Mai 2006: Maskierte und bewaffnete Täter überfallen einen 49-jährigen Unternehmer aus dem Raum Lippstadt in Nordrhein-Westfalen in seinem Auto. Nachdem die Angehörigen eine sechsstellige Geldsumme gezahlt haben, lassen sie das Opfer frei.

- 13. März 2009: Zwei Täter erpressen von einem Familienvater im Südschwarzwald mit vorgehaltener Pistole an der Haustür 1.500 Euro und verschleppen seine zweijährige Tochter. Sie fordern eine zweistellige Millionensumme. Die Polizei befreit das Kind nach 37 Stunden.

- 28. März 2009: Eine Wiesbadener Bankiersfrau wird von dem mit Haftbefehl gesuchten Schwerverbrecher Thomas Wolf entführt, der jahrelang in Frankfurt untergetaucht ist. Er erpresst 1,8 Millionen Euro. Die an einen Baum gefesselte Frau kann sich befreien. Nach einer bundesweiten Fahndung wird Wolf am 28. Mai 2009 in Hamburg festgenommen.

- 12. Mai 2010: In ihrem Wohnhaus in Heidenheim-Schnaitheim wird die 54-jährige Maria Bögerl entführt. Am Vormittag meldet sich der Täter telefonisch beim Ehemann, dem Sparkassendirektor Thomas Bögerl, und fordert Lösegeld. Die Rede ist von 300.000 Euro. Die Frau kann kurz selbst mit ihrem Mann sprechen und sagt, sie sei in Lebensgefahr. Danach gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihr.

dapd

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