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„Hallo, ich habe Interesse mich anzustecken“

Österreicher starb, viele werden schwerstkrank - Betroffene erklären, warum sie absichtlich Corona wollen

Immer wieder versuchen sich Impf-Verweigerer offenbar absichtlich mit dem Coronavirus zu infizieren. Ob Corona-Party oder Einzeltreffen: Was sind die Beweggründe?

Köln - „Corona*-Partys“: Feiern auf denen sich Menschen bewusst mit dem Corona-Virus infizieren wollen. Immer wieder hat die Polizei solche Partys in der Vergangenheit bereits aufgelöst. Es scheint absurd, denn ungefährlich sind die Partys nicht. Statistisch gesehen, würden nach einer Corona-Party zehn Prozent der Infizierten einen schwereren Verlauf haben, und ein bis zwei Prozent würden schwerstkrank, so der Arzt Jörg Lohse gegenüber Merkur.de*. Ein 55-jähriger Österreicher starb nach einer absichtlichen Infektion*. Warum also gehen einige Menschen dieses Risiko ein?

Absichtliche Corona-Infektion: Menschen fragen Infektions-Partner in Telegram-Gruppen an

Corona-Partys gibt es nicht nur im großen Stil mit 50 Gästen. Auch private Ansteckungsversuche zu zweit sind angesagt, wie RTL in einem Experiment nun zeigt. Ein Reporter hat sich als Infizierter in einer offenen Telegram-Gruppe ausgegeben. Die Anfragen zur Ansteckung folgten wohl prompt. „Hallo, ich habe Interesse mich anzustecken“ oder „Wohne zu weit weg, würdest du auch Stäbchen versenden?“ lauteten wohl die Anfragen. RTL zeigt darüber hinaus WhatsApp-Nachrichten aus offenen Gruppen. Für alle möglichen Landkreise und Städte suchen die Menschen Corona-positive Personen. In einer Nachricht wird sogar von einer Aufwandsentschädigung gesprochen.

Nicht nur dem Reporter werden diese Anfragen zugespielt. Auch eine Privatperson, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatte, erzählt, dass sie bereits einmal eine solche Anfrage erhalten hat. „Ich würde mir ein Leben lang Vorwürfe machen, wenn sie sich jetzt bei mir ansteckt und sie kriegt vielleicht doch einen schweren Verlauf“, schildert die Infizierte jedoch im Interview. Zwei der Ansteckungswilligen waren bereit, mit dem Sender zu sprechen.

Absichtliche Corona-Infektion: Was sind die Gründe dahinter?

Warum wollen sich Menschen freiwillig anstecken lassen? „Ich sehe das noch als Experiment“, erzählt eine Frau zur Impfung gegenüber RTL. Sie arbeite jedoch in einem Pflegeberuf. Ab dem 16. März gilt in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen in Deutschland eine einrichtungsbezogene Impfpflicht*. „Ich habe Angst um meinen Job ab Mitte März und ich habe sie angeschrieben und gefragt, ob ich mich infizieren darf, damit ich einen Genesenen-Nachweis bekommen kann“, so die Frau. Auf die Frage, ob sie keine Angst vor einem schweren Verlauf habe, antwortet sie: „Es ist schon gefährlich, was wir tun, aber die Pflegekräfte wissen sich eben leider nicht anders zu helfen und nehmen das Risiko in Kauf, zu einem kleinen Prozentsatz schwer zu erkranken.“ Andere glaubt sie damit nicht zu gefährden. Sie werde täglich auf der Arbeit getestet und wenn sie wüsste, dass sie infiziert ist, werde sie sich isolieren.

Immer mehr Menschen werden durch Omikron positiv getestet. Doch manche Menschen wollen genau das erreichen. Warum?

Die Impfung ein Experiment? Das sehen viele Ärzte anders. Prof. Dr. Popp, Arzt für innere Medizin beispielsweise sieht die Impfung als „so gut erforscht wie kaum ein anderes Medikament auf dem Markt.“ Professor Carsten Watzl, Professor für Immunologie an der Universität Dortmund, verweist darauf, dass Nebenwirkungen einer Impfung immer innerhalb von wenigen Wochen nach der Impfung auftreten. „Was offensichtlich viele Menschen unter Langzeitfolgen verstehen, nämlich dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht“, so der Professor. Im Fall von Corona kann eine Impfung vor allem eine „symptomatische COVID-19-Erkrankung sowie eine mit COVID-19 assoziierte Hospitalisierung“ verhindern, so das RKI in seinen Analysen im Wochenbericht. Zudem soll Pflegekräften vermehrt der Impfstoff von Novavax* zur Verfügung stehen. Dieser wird nicht mit der mRNA-Technik hergestellt.

Absichtliche Corona-Infektion: Auch juristische Konsequenzen möglich

Eine zweite Person, die bereit war, sich anstecken* zu lassen und auf die Anfrage im Experiment reagierte, schilderte folgende Gründe: „Es ist ja nur ein Erkältungsvirus“ und er habe bislang von keinem kerngesunden Menschen gehört, der von dem Virus „aus dem Leben gerissen wurde“, heißt es. Er habe Sorge, was die Impfung mit der Gesellschaft mache und lasse sich deshalb nicht impfen. „Ich bin jung, nicht vorerkrankt, warum soll ich mich denn dann überhaupt impfen lassen?“, fragt er.

Die Wahrheit sieht traurigerweise anders aus. Immer wieder gibt es auch Berichte von schweren Verläufen und lange Phasen auf der Intensivstation bei jungen Menschen*. Sogar Jugendliche kann es treffen, wie der Beginn der Pandemie zeigte. Und auch Long-Covid ist eine Gefahr, welche durch eine Impfung reduziert werden kann, meint ein Impf-Arzt bei RTL.

Corona-Partys sind ein Spiel mit einem gefährlichen Virus, aber auch juristisch kann es Folgen haben, erklärt Nicole Mutschke im Experiment. Man könnte es zwar als Körperverletzung mit Einwilligung betrachten, wie beim Zahnarzt, „aber wenn das Ganze gegen die guten Sitten verstößt, dann funktioniert das nicht“, so Mutschke. Im Falle von überlasteten Krankenhäusern könnte man auf jeden Fall so argumentieren. Im Ende liegt die Entscheidung bei den Gerichten. Und auch wenn die Zahl der Ansteckungswilligen im Experiment durch die Anzahl der Telegram-Nachrichten groß wirkte, so ist es doch nur ein kleiner Teil der Bevölkerung. Insgesamt sind in Deutschland mittlerweile 73,5 Prozent mit zwei Impfungen grundimmunisiert. 50,8 Prozent erhielten einen Booster. (chd) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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