„Krankenhäuser nicht vergessen“

Corona-Impfungen in NRW: Oberärztin richtet sich direkt an Laschet - „Wir wollen die Impfung, und zwar schnell“

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, spricht vor dem Eingang zum Impfzentrum in der Merkur Spiel-Arena über die erste Lieferung des Corona-Impfstoffes der Firmen Pfizer und Biontech nach Nordrhein-Westfalen. Impfstart ist am 27. Dezember.
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NRW impft zunächst über 80-Jährige und Menschen in Pflegeeinrichtungen. Was ist mit Beschäftigten in Krankenhäusern?

Nordrhein-Westfalen hat begonnen zu impfen. Beschäftigte in Kliniken und Krankenhäusern sind aber nicht als erste dran.

  • Die Corona-Lage in Deutschland soll sich durch Impfungen immer mehr entspannen.
  • Dass Beschäftigte in Krankenhäusern und Kliniken aber nicht als erste geimpft werden können, ärgert eine Oberärztin aus Essen.
  • In einem emotionalen Posting spricht sie Armin Laschet und Karl-Josef Laumann direkt an.

Essen - „Wie kann es sein, dass Pflegekräfte, Ärzte, Personal in Risikobereichen keinen Impfstoff bekommen?“, fragte Dr. Carola Holzner in einem Facebook-Post. Die leitende Oberärztin der Uni-Klinik Essen wandte sich öffentlich an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU)* und Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). „Wir sind der größte Covid-19-Versorger in der Region Rhein/Ruhr. Mittlerweile haben wir die VIERTE (!) Intensivstation für Covid-19 erkrankte Patienten eröffnen müssen, versorgen tagtäglich die meisten Patienten in der Umgebung und darüber hinaus“, erklärte Holzner ihre Position.

Corona-Impfungen in NRW: Krankenhäuser vergessen?

„Vergessen Sie uns nicht bei der Verteilung des Impfstoffs und auch danach nicht!“, so Holzner. Die Ärztin kritisierte, dass sie und ihre Kollegen zwar zu der Gruppe zählten, die als erste gegen das Coronavirus* geimpft wird, der Impfstoff* aber nicht ankomme. „Ich möchte ausdrücklich im Namen meiner Kollegen und mir, stellvertretend für das Krankenhauspersonal dringend appellieren - vergessen Sie uns nicht! Wir wollen die Impfung, und zwar schnell! Vergessen Sie uns nicht bei der Verteilung des Impfstoffs und auch danach nicht!“, schrieb die Ärztin und Bloggerin, die als „Doc Caro“ in den sozialen Medien aktiv ist.

„Wir werden uns zunächst auf die besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppen konzentrieren. Gerade in Pflegeheimen ist das Infektionsgeschehen besonders kritisch. Daher werden dort schnellstmöglich sowohl Bewohnerinnen und Bewohner als auch die Beschäftigten geimpft“, erklärte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann in einer Pressemitteilung vom 22. Dezember. Ärzte und Pflegekräfte in Krankenhäusern - wie Carola Holzner - haben demnach nicht Prio 1. Sie sind erst nach den Pflegeheimen dran.

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Corona-Impfungen in NRW: Oberärztin äußert schwere Kritik

„Ja, Risikogruppen gilt es zu schützen, die Altenheime werden zuerst geimpft. Aber wer versorgt die Patienten, die in die Krankenhäuser kommen?“, fragte Holzner die beiden Verantwortlichen. „Meine Kollegen und ich setzen sich täglich dem Infektionsrisiko* aus. Das tun wir gerne. Aber auch wir sind nicht davor geschützt, uns zu infizieren und vielleicht zu erkranken.“

NRW folgt mit dieser Reihenfolge dem Plan der Bundesregierung. Demzufolge gibt es innerhalb der höchsten Prioritätsstufe eine Reihenfolge: Bewohner von Pflegeeinrichtungen, Beschäftigte dieser Einrichtungen und Personen über 80 kommen noch vor Beschäftigten in Krankenhäusern an die Reihe. Weitere Priorisierungen müssen getroffen werden, weil aktuell noch nicht genug Impfstoff zu Verfügung steht. Das könnte sich aber nach und nach ändern. Am Montag (28. Dezember) seien 131.000 Dosen für die Pflegeeinrichtungen NRWs zum Versand fertig gemacht und ausgeliefert worden, teilte die Staatskanzlei auf Twitter mit.

11.385 Menschen wurde in Nordrhein-Westfalen bisher geimpft, 3.857 innerhalb eines Tages, wie aus den Zahlen des Impfquotenmonitorings des Robert Koch-Instituts hervorgeht (Datenstand: 30. Dezember, 11.00 Uhr). (lb) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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