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Deutschland kauft neues Corona-Medikament, das auch Trump verabreicht wurde - Virologin warnt jetzt eindringlich

Deutschland hat sich neue Corona-Medikamente auf Antikörper-Basis gesichert. Gesundheitsminister Spahn bestätigte den Kauf. Eine Virologin warnt nun vor zu großen Hoffnungen.

  • Die Bundesregierung hat für 400 Millionen Euro neue Corona*-Medikamente gekauft
  • Gesundheitsminister Jens Spahn bestätigte den Kauf. (siehe Erstmeldung)
  • Eine Hamburger Virologin warnte nun vor allzu großen Hoffnungen (siehe Update vom 24. Januar, 15.57 Uhr).

Update vom 25. Januar, 15.57 Uhr: Jens Spahn verkündete am Sonntag, dass Deutschland ein neues Corona-Medikament auf Antikörper-Basis gekauft habe. Doch, dass dieses wirklich der Heilsbringer und Schutz vor schweren Verläufen ist, bleibt weiter offen.

Die Hamburger Virologin Marylyn Addo warnte nun vor allzu großen Hoffnungen. Die Daten aus den USA seien zwar vielversprechend, sagte sie am Sonntag bei den ARD-„Tagesthemen“, allerdings merkte sie auch an: „In der Experten-Gemeinschaft geht keiner davon aus, dass das das Medikament ist, das in der Pandemie jetzt den Schalter umlegt, also dass es der Heilsbringer oder das heilsbringende Medikament ist.“

Addo ist Leiterin der Infektiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), das die beiden vom Bund gekauften Antikörper-Medikamente laut NDR als eine der ersten Kliniken in Deutschland bei der Behandlung von Covid-19-Patienten einsetzen wird.

„Es ist angekündigt, dass die Medikamente in den nächsten Wochen im UKE ankommen werden. Wie viele Dosen und wann genau, ist bislang noch unklar“, sagte Addo dem Sender. Verabreicht werden solle es Patienten mit milden oder moderaten Symptomen, die Risikofaktoren für einen schweren Verlauf haben. Für bereits beatmete Intensivpatienten ist das Medikament Addo zufolge nicht geeignet.

Corona-Medikament: Spahn weckt Hoffnungen mit Kauf für Deutschland

Update vom 24. Januar, 20.08 Uhr: Gesundheitsminister Jens Spahn hat mit dem Kauf von Corona-Medikamenten Hoffnungen geweckt (siehe Erstmeldung). Mittlerweile sind weitere Details über das Behandlungsverfahren, das einst auch Donald Trump geholfen haben soll, bekannt. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat die Medikamente bereits per Notfallverfahren zugelassen. Eine Bewertung der europäischen Behörden steht noch aus.

Corona-Antikörper-Medikament: Karl Lauterbach (SPD) lobt das Vorgehen Spahns

In Kliniken können die Präparate trotzdem schon zum Einsatz kommen. Eine Anwendung erfolge nach individueller Nutzen-Risiko-Abschätzung der behandelnden Ärzte, teilte das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) auf Anfrage der dpa mit. Auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen weist FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullman hin. Die Datenlage sei dünn. „Wenn Spahn die Sache professionell angehen will, bleibt ihm nichts anderes übrig, als das Medikament im Rahmen einer Studienzulassung an Uni-Kliniken zu erproben.“

Laut BMG wurden zwei verschiedene monoklonale antikörperhaltige Arzneimittel US-amerikanischer Hersteller gekauft:

  • Der Antikörper Bamlanivimab der Firma Eli Lilly
  • und die gleichzeitig zu verabreichenden Antikörper Casirivimab und Imdevimab des Produzenten Regeneron

Abschließend bewiesen ist die Wirkung der Stoffe aber noch nicht. „Nach vorliegender Studienlage könnte die Medikation möglicherweise dabei helfen, die Virusmenge im Körper zu begrenzen und so einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben“, erklärte ein Ministeriumssprecher den aktuellen Forschungsstand.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach lobte das Vorgehen Spahns dennoch. Die Studienlage weise auf einen positiven Einfluss der Medikation hin, so Lauterbach gegenüber den Partnerzeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft (Montagausgabe). „Wegen der hohen Kosten dieser Medikamente hätten die Kliniken diese Versorgung wahrscheinlich nicht angekauft. Ich begrüße die Aktion also.“

Corona-Mittel: Spahn verkündet Kauf von neuem Covid-Medikament

Erstmeldung vom 24. Januar, 09.58 Uhr:

Berlin - Die Corona-Zahlen in Deutschland gehen - wohl auch dank des Lockdowns - langsam zurück. Dennoch herrscht weiter große Sorge. Gerade die neuen Mutationen* des Virus sorgten zuletzt dafür, dass Bund und Länder die geltenden Maßnahmen bis Mitte Februar verlängert haben - vorerst. Zugleich läuft das Impfen gegen Corona nur schleppend an. Noch ist zu wenig Impfstoff* vorhanden.

Genau zu diesem Zeitpunkt gibt es nun eine Meldung, die Hoffnung macht: Deutschland hat sich ein neues Corona-Medikament gesichert. Das bestätigte Gesundheitsminister Jens Spahn nun gegenüber der Bild am Sonntag. Demnach handelt es sich bei dem Mittel um ein neuartiges Medikament auf Antikörper-Basis.

Ab nächster Woche werden die monoklonalen Antikörper in Deutschland als erstem Land in der EU eingesetzt. Zunächst in Uni-Kliniken“, so Spahn zur BamS. Insgesamt hat die Bundesregierung demnach 200.000 Dosen für 400 Millionen Euro gekauft.

Corona-Mittel auf Antiköper-Basis wirkt „wie eine passive Impfung“

„Sie wirken wie eine passive Impfung“, erklärte nun Spahn zu dem Mittel. Demnach kann das Antikörper-Medikament besonders bei der Behandlung von Risikopatienten helfen. Werden sie in der Frühphase einer Erkrankung verabreicht, könne das Mittel helfen einen schweren Covid-Verlauf zu verhindern, so Spahn weiter.

Ähnliches Corona-Mittel half wohl auch Donald Trump

Nach Medien-Berichten war auch der damalige US-Präsident Donald Trump* nach seiner Corona-Infektion mit dieser Form der Antikörper behandelt worden. Trump hatte Anfang Oktober den Antikörper-Cocktail REGN-COV2 der US-Firma Regeneron verabreicht bekommen.

Der Wirkstoff von REGN-COV2 ist eine Kombination aus zwei speziell entwickelten Antikörpern, die sich an das sogenannte Spike-Protein des Coronavirus binden und so dessen Struktur deformieren können. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass das Coronavirus menschliche Zellen angreifen kann. Die Kombination aus zwei verschiedenen Antikörpern soll laut Regeneron verhindern, dass der Erregervirus Sars-COV2 mutiert. (rjs/af/dpa) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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