Castor-Transport: Demonstrationen dürfen stattfinden

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Zahlreiche Demonstrationen zum bevorstehenden Castor-Transport wurden genehmigt.

Gorleben - Alle im Kreis Lüchow-Dannenberg angemeldeten Demonstrationen und Protestaktionen gegen den nächsten Castor-Transport dürfen voraussichtlich stattfinden.

Bis auf eine habe man alle 60 angemeldeten Kundgebungen, Demonstrationen und Camps vom Atomkraftgegnern genehmigt, sagte am Freitag ein Sprecher der Castor-Einsatzleitung der Polizei in Lüneburg. Das allein ausgesprochene Verbot eines Camps der Landwirteorganisation “Bäuerliche Notgemeinschaft“ sei vom Verwaltungsgericht Lüneburg aufgehoben worden.

Die Polizei prüfe noch, ob sie gegen die Gerichtsentscheidung Rechtsmittel einlegen werde. Nach Angaben der Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg werden die Proteste gegen die zwölfte Lieferung am (morgigen) Freitag mit einer Schülerdemonstration in Lüchow beginnen. Parallel dazu würden mehrere Dutzend Bauern mit Traktoren aus dem Raum um das geplanten Endlager Schacht Konrad in Salzgitter in den Kreis Lüchow-Dannenberg starten, sagte BI-Sprecher Ehmke.

Nach Angaben der Anti-Atom-Kampagne “.ausgestrahlt“ hat sich die Zahl der Busse, die Demonstranten zu der am Samstag in Dannenberg geplanten großen Kundgebung bringen soll, mittlerweile auf 300 erhöht. Inzwischen seien 297 Busse angemeldet worden, die Demonstranten von außerhalb in den Kreis Lüchow-Dannenberg fahren sollten, sagte der Sprecher der Kampagne Jochen Stay. Eine Reihe weiterer Busse würden innerhalb des Kreises Atomkraftgegner zu der Kundgebung fahren. Unterdessen geht die Umweltschutzorganisation Greenpeace von einem früheren Start des Atommüllzuges in Frankreich als bei vorangegangenen Gorleben-Transporten aus.

Der Zug mit den elf Castor-Behältern werde um 14.20 Uhr am Freitagnachmittag in Valognes in der Normandie in Richtung Dannenberg starten, sagte Greenpeace-Atomexperte Mathias Edler der Nachrichtenagentur dapd. Der Starttermin sei französischen Greenpeace-Aktivisten mitgeteilt worden. Zwtl: Weitere Blockaden angekündigt Im Internet kündigten weitere 1.700 Atomkraftgegner öffentlich Blockaden der Atommülllieferung an.

Auf den Internetseiten der Initiative “x-tausendmalquer“ bekundeten die AKW-Gegner die Absicht, durch eine Sitzblockade im Raum Gorleben die Route des Transports zu sperren. Geplant sei eine gewaltfreie Aktion des zivilen Ungehorsams, betonte am Donnerstag ein Sprecher von “x-tausendmalquer“. Zu Blockaden rief auch die Anti-Atom-Gruppe “WiderSetzen“ auf. Man wolle mit “Hunderten und vielleicht Tausenden“ am kommenden Sonntag die Bahnstrecke zwischen Lüneburg und Dannenberg blockieren, erklärte sie. Auf den Gleisen sei eine friedliche und entschlossene Sitzblockade geplant, sagte der Sprecher von “WiderSetzen“ Jens Magerl. Dabei werde man allerdings nicht “schottern“ - also keine Schottersteine aus dem Gleisbett entfernen. Das “Schottern“ sei eine andere Aktionsform, die einen anderen Personenkreis anspreche.

Zu der Sabotage an den Gleisen hatten sich im Internet bereits mehr als 1.700 Personen und Organisationen bekannt. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg leitete daraufhin Ermittlungsverfahren wegen des Aufrufs zu Straftaten ein.

Katholiken warnen Demonstranten und Polizei vor Gewalt

Die niedersächsischen Katholiken in Niedersachsen erklärten sich mit Blick auf den Transport solidarisch mit der Bevölkerung im Kreis Lüchow-Dannenberg erklärt. “Der Landeskatholikenausschuss Niedersachsen steht an der Seite der Menschen im Wendland“, sagte die Ausschussvorsitzende Elisabeth Eicke. Ein Besuch vor kurzem im Gorlebener Erkundungsbergwerk und viele Gespräche vor Ort hätten ihr die besonderen Probleme in der Region und die Brisanz, die von den Transporten mit Atommüll ausgehe, vor Augen geführt, sagte Eicke.

Gleichzeitig sprach sich der Landeskatholikenausschuss gegen “jedwede Form von Gewalt“ sowohl auf Seiten der Demonstranten wie der Polizei aus. Sie begrüße das vielfältige Engagement der christlichen Kirchen während der Proteste, sagte Eicke. Seelsorger stellten sich als Vermittler bei Konflikten zur Verfügung, Gemeinden hielten ihre Häuser als Treffpunkte für Demonstranten und Polizisten offen.

Das sei ein wichtiger Beitrag zur Vermeidung von Gewalt. Der Landeskatholikenausschuss vertritt nach eigenen Angaben die Anliegen der Katholiken in Niedersachsen. Er wird von den Laienräten der Bistümer Osnabrück und Hildesheim sowie des Offizialatsbezirks Oldenburg und den landesweit tätigen katholischen Verbänden gebildet.

Von Jürgen Voges

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