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Virologe sicher: Virus-Variante bereits in Deutschland

Corona-Mutation: Hilferufe vom Flughafen, 70 Prozent ansteckender - Impfstoff in Gefahr?

Der Flug BA978 aus Heathrow ist auf auf dem Flughafen Hannover gelandet. Das Bundesinnenministerium hat wegen der neuen Variante des Coronavirus die Bundespolizei angewiesen, Reisende aus Großbritannien und Südafrika ab sofort systematisch zu kontrollieren. Reisende müssten sich auf längere Wartezeiten an den Grenzen einstellen.
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Der Flug BA978 aus Heathrow ist auf auf dem Flughafen Hannover gelandet. Das Bundesinnenministerium hat wegen der neuen Variante des Coronavirus die Bundespolizei angewiesen, Reisende aus Großbritannien und Südafrika ab sofort systematisch zu kontrollieren. Reisende müssten sich auf längere Wartezeiten an den Grenzen einstellen.

„Außer Kontrolle“, „bis zu 70 Prozent ansteckender“. Es waren alarmierende Worte der britischen Regierung am vergangenen Wochenende über die neu entdeckte Coronavirus-Mutation. Doch was steckt wirklich hinter der neue Variante?

Deutschland - Eine neue Variante des Coronavirus wirbelt die Weihnachtspläne von Millionen Menschen in Großbritannien durcheinander und zwingt die Hauptstadt London in den Shutdown. Die Mutation breitet sich vor allem in Südostengland rasant aus und ist nach Behördenangaben bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form. „Sie ist außer Kontrolle, und wir müssen sie wieder unter Kontrolle bekommen“, sagte Gesundheitsminister Matt Hancock am Sonntag der BBC.

Wegen der in Großbritannien entdeckten Variante des Coronavirus schottet sich Europa zum Wochenbeginn zunehmend vom Vereinigten Königreich ab. Zum Schutz vor der Mutation dürfen in Deutschland seit Montag bis zunächst 31. Dezember keine aus Großbritannien kommenden Flugzeuge mehr landen.

Spahn: „Nehmen die Meldungen aus Großbritannien sehr ernst“

Weitergehende Beschränkungen sollen noch per Rechtsverordnung festgelegt werden, wie es in Regierungskreisen hieß. Gesundheitsminister Jens Spahn erläuterte, an diesem Montag sei geplant, mit einer Verordnung „den gesamten Reiseverkehr“ mit Großbritannien und Südafrika einzuschränken. Der CDU-Politiker sagte am Sonntagabend im ARD-“Bericht aus Berlin“, man nehme die Meldungen aus Großbritannien sehr ernst.

Bereits am Sonntagabend wurde die Einreise von Flugpassagieren aus Großbritannien an mehreren deutschen Flughäfen zunächst gestoppt. Weder Ausländer noch Deutsche dürfen derzeit die Transitbereiche an den Flughäfen verlassen. In Hannover betraf das am Abend etwa 63 Passagiere eines Flugs aus London. Laut eine Bundespolizeisprecher werde allen Einreisenden „ein Corona-Test angeboten“.

Hilferuf einer Einreisenden

„Hallo, wir sind hier am Flughafen in Hannover. Wir werden gegen unseren Willen festgehalten! Wir wurden getestet, dürfen aber den Flughafen nicht verlassen“, mit diesen Worten richtete sich eine Einreisende an die Öffentlichkeit. „Es sind hier Leute mit einem kleinen Baby. Es gibt einen neuen positiven Strang. Wir sollen jetzt alle in einer Halle sein, damit wir auch wirklich alle Corona-Virus bekommen.“

Virus-Mutation mit vielen genetischen Veränderungen

Ersten Analysen britischer Wissenschaftler zufolge verfügt die neue Variante über ungewöhnlich viele genetische Veränderungen, vor allem im Spike-Protein. Dieses Protein benötigt das Virus, um in Zellen einzudringen. Der in Großbritannien eingesetzte Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer erzeugt eine Immunantwort gegen genau dieses Protein.

Zwar gibt es Befürchtungen, dass der Impfstoff gegen die neue Variante möglicherweise nicht wirkt, aber Experten zeigten sich zuversichtlich. „Ich sehe da derzeit keinen Grund für Alarm“, sagte Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel. Auch Andreas Bergthaler von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) in Wien, hält die derzeitige Entwicklung nicht für „wahnsinnig alarmierend“. Dass Mutationen auftauchen sei nicht ungewöhnlich, derzeit wisse man nicht, ob die beobachteten Veränderungen die Eigenschaften des Erregers überhaupt entscheidend verändern.

Einzelne Fälle der Mutation sind offenbar bereits in der EU aufgetreten, etwa in Italien. Spahn erwähnte im ZDF Fälle in Dänemark, die aber nach Angaben dänischer Behörden unter Kontrolle seien. Der Europaabgeordnete Peter Liese sprach von nachgewiesenen Infektionen in Belgien und den Niederlanden. „Es wird ja erst seit Kurzem überhaupt auch diese neue Variante gezielt getestet. Man kann nicht ausschließen, dass es schon viele Infektionen auf dem Kontinent gibt“, sagte er der „Welt“.

Virus-Mutation wohl auch bereits in Deutschland

Der Top-Virologe Christian Drosten hält die in Großbritannien entdeckte neue Mutation des Coronavirus nicht unbedingt für gefährlicher als die bisher bekannte Variante. „Ich bin darüber nicht so sehr besorgt im Moment“, sagte Drosten am Montag dem Deutschlandfunk.

Zudem sei noch zu klären, ob wirklich die neue Virus-Variante die neue Welle in Südostengland ausgelöst habe – oder ob sie ganz allgemein „im Zuge der Pandemie hochgespült“ worden sei, etwa weil sich die Menschen nicht mehr so gewissenhaft an die Abstands- und Hygieneregeln hielten. Aus diesem Grund geht Drosten auch davon aus, dass die neue Virus-Variante schon längst in Deutschland ist. Einen Nachweis dazu gibt es bislang allerdings noch nicht.

Harter Shutdown in London - Menschen flüchten

Um das Virus einzudämmen, gilt seit Sonntag in der Hauptstadt London und weiten Teilen Südostenglands auch über die Weihnachtstage ein harter Shutdown mit Ausgangssperren. Mehr als 16 Millionen Menschen sind betroffen, die ihre Häuser nur noch zur Arbeit und in wichtigen Ausnahmen wie Arztbesuchen oder Lebensmitteleinkäufen verlassen dürfen. „Wir opfern die Möglichkeit, unsere Lieben dieses Weihnachten zu sehen, damit wir eine bessere Chance haben, ihr Leben zu schützen, damit wir sie bei zukünftigen Weihnachten sehen können“, sagte Johnson. 

Nach Bekanntgabe der schärferen Maßnahmen machten sich zahlreiche Menschen noch am Samstagabend spontan auf den Weg, um aus London abzureisen. Fotos und Videos zeigten volle Bahnhöfe. Er habe Verständnis, dass Menschen zu ihren Familien reisen wollen, sagte Khan. „Aber es ist falsch.“ Denn die Reisenden könnten das Virus mit sich tragen.

Reisende mit Mund-Nasen-Bedeckungen warten im Bahnhof St. Pancras in einer Schlange, um den letzten Zug nach Paris zu nehmen. Wegen der Ausbreitung der neuen Variante des Coronavirus wurde für London und andere Regionen in Südostengland die höchste Corona-Stufe 4 eingeführt. Einwohner dürfen dieses Gebiet seit Sonntag nicht verlassen. Nach Bekanntgabe der schärferen Maßnahmen machten sich zahlreiche Menschen dennoch auf den Weg, um aus London abzureisen.

Minister Hancock sprach von „unverantwortlichem Verhalten“ und schloss nicht aus, dass die schärferen Maßnahmen „in den kommenden Monaten“ in Kraft blieben, bis flächendeckend gegen Corona geimpft worden sei. Auch andere Landesteile wie Wales und Schottland verschärften die Restriktionen.

Londons Bürgermeister Sadiq Kha kritisierte die Regierung, die noch vor wenigen Tagen an den geplanten Weihnachts-Lockerungen festgehalten hatte. „Es ist das Hin und Her, das zu so viel Angst, Verzweiflung, Trauer und Enttäuschung führt“, sagte Khan der BBC. „Wenn wir unsere Meinung immer wieder ändern, macht es das Leuten wie mir wirklich schwer, die Menschen zu bitten, uns zuzuhören.“

Notfalltreffen der EU-Ratspräsidentschaft

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft berief wegen der Mutation für Montag ein Notfalltreffen mit Vertretern anderer Mitgliedstaaten ein.

Neben Deutschland hatten diverse Länder mit Flugstopps oder ähnlichem gehandelt, darunter die Niederlande, Belgien oder Irland. Auch Österreich verfügte ein Landeverbot für Flüge aus Großbritannien. Zudem stellte die Schweiz Flugverbindungen nach Großbritannien und Südafrika ein. Frankreich verhängte ein Einreiseverbot für Reisende aus Großbritannien auf dem Luft-, See- und Landweg. Deshalb wurden der wichtige britische Hafen Dover am Ärmelkanal sowie der Eurotunnel um Mitternacht geschlossen. Auch Argentinien, Kolumbien, Chile, Kanada und der Golfstaat Kuwait stoppten Flüge aus Großbritannien.

„Der Infektionserreger ist auch ein sozialer Erreger“

Nachdem in Italien ein Fall der in Großbritannien entdeckten Corona-Mutation bestätigt wurde, schreibt die italienische Zeitung „La Repubblica“ aus Rom am Montag:

Wir hatten es nicht vorausgesehen. Gerade als die Kennzahl der Ansteckungen sinkt, da kommt die unerwartete englische Mutation, die die Geschwindigkeit der Infektion und damit auch die Gefahr erhöht, und uns wieder im Käfig der Angst gefangen nimmt, was noch nicht vorüber zu sein scheint. Die Daten des abendlichen Kriegsberichts mit den Ansteckungszahlen und den Toten sind das tägliche Maß des Schlechten geworden, ein öffentlicher Test unserer Widerstandsfähigkeit, und sie quetschten uns in eine verengte Aussicht, reduziert auf einen Tag zum nächsten Tag, als ob wir unfähig geworden wären, weiter als bis dorthin zu blicken. (...)

Der Infektionserreger ist auch ein sozialer Erreger. Er hat unsere Gewohnheiten, Lebensstil, die zwischenmenschlichen Beziehungen geändert und zusätzlich wichtige Bestandteile angegriffen, wie die Arbeit, Produktion, Schule, den Handel und die Wirtschaft. Das wirkt sich räumlich aus in einem Reiseverbot, in den Sicherheitsabständen, die anzeigen, dass die Gefahr von jedem von uns und anderen ausgehen kann, in der Isolation als Endform der Verteidigung und trennt uns von der Gesellschaft.“

mz/dpa

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