Dioxin-Skandal: Suche nach Futter-Panschern

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Berlin - Im Dioxinskandal suchen die Behörden nach den Futter-Panschern. Nordrhein-Westfalen gibt nun Kennnummern bekannt, an denen dioxinbelastete Eier zu erkennen sind.

Mit Hochdruck arbeiten die deutschen Behörden an der Aufklärung des Futtermittel-Skandals. In Nordrhein-Westfalen wurden am Dienstagabend vorsorglich 139 weitere Betriebe gesperrt. Dioxinverseuchte Eier und möglicherweise belastetes Geflügelfleisch verunsichern Verbraucher, empören Landwirte und rufen Bundesregierung und EU-Kommission auf den Plan. Die Bundesregierung prüft schärfere Regeln für Hersteller, die EU verlangt Aufklärung.

Nordrhein-Westfalen veröffentlichte als erstes betroffenes Bundesland Kennnummern, anhand derer die Verbraucher dioxinbelastete Eier erkennen können. Sie sind jeweils auf die Schale gestempelt.

Brandenburger Behörden untersuchen jetzt einen Schlachtbetrieb. Wie das Verbraucherschutzministerium mitteilte, wurden dieser Firma Ende vergangenen Jahres 63.100 Hähnchen aus Sachsen-Anhalt geliefert, die anschließend geschlachtet wurden. Es bestehe der Verdacht, dass die Tiere mit dioxin- verunreinigtem Futter aus einem anhaltinischem Futtermischwerk versorgt wurden.

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Laut Ministerium hat der Brandenburger Betrieb etwa 90 Tonnen frisches Hähnchenfleisch gleich ausgeliefert; 30 Tonnen seien zu Tiefkühlware verarbeitet worden. „Diese sind amtstierärztlich gesperrt worden und sollen auf Dioxin-Rückstände untersucht werden“, sagte Ministeriumssprecherin Alrun Kaune-Nüßlein. Mit Ergebnissen rechne sie nicht vor Anfang kommender Woche. Dies ist der zweite Verdachtsfall in Brandenburg. Bereits vor einigen Tagen waren Verbraucherschützer auf einen märkischen Schweineaufzuchtbetrieb aufmerksam geworden, der ebenfalls mit Futter aus dem anhaltinischen Mischfutterwerk beliefert sein soll. Vorsorglich wurde er gesperrt.

Die Grünen im Bundestag dringen auf schärfere Konsequenzen aus den Dioxin-Funden in Futtermitteln und fordern eine bessere Abstimmung der Bundesländer. „Das heißt ein einheitliches Vorgehen der Bundesländer mit der Priorität auf Verbraucherschutz“, sagte die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Die Überwachung bei Lebens- und Futtermitteln ist Ländersache.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) forderte mehr Transparenz über den Verbleib belasteter Eier. „Dazu gehört auch, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher erfahren können, ob mit Dioxin belastete Eier bei ihrem Lebensmittelhändler verkauft wurden“, sagte Aigner den „Ruhr Nachrichten“.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch fordert von der Bundesregierung gesetzlich vorgeschriebene Kontrollen der Futtermittelhersteller. „Man müsste den Futtermittelherstellern nur vorschreiben sicherzustellen, dass sie nur solche Zutaten verwenden, die die gesetzlichen Grenzwerte einhalten“, sagte Foodwatch-Sprecherin Christiane Groß der „Berliner Zeitung“.

Jede Charge jeder Zutat eines Futtermixes müsse routinemäßig vom Futtermittelhersteller getestet werden. Häufig seien es Fette und Öle, die die chemische Substanz enthalten. Wie bei einem Kuchen würden für Tierfutter mehrere Zutaten mit Fett vermischt. „Sollte in nur einer Zutat Dioxin sein, landet sie über die Fütterung am Ende eben auch in den Eiern, der Milch und dem Fleisch“, sagte Groß. „Solange man die Zutaten nicht prüft, wird Dioxin immer wieder auf unseren Tellern landen.“

dpa/dpad

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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