Mutmaßlicher Doppelmörder beging 70 Straftaten

Uelzen - Der mutmaßliche Doppelmörder, der im niedersächsischen Bodenfelde die Kinder Nina und Tobias umgebracht haben soll, ist schwer kriminell. Jetzt spricht der Vater:


Jan O. (26) soll die beiden Kinder Nina und Tobias in Bodenfelde ermordet haben. Der Tatverdächtige hat die Kinder laut Polizei erwürgt und erstochen. Der Hinweis eines Mädchens an die Polizei stoppte Jan O. In Kürze will er ein Geständnis ablegen.

Die ganze Geschichte: Was der Vaters über seinen Sohn Jan O. sagt: www.az-online.de

Jan O. wurde in Uelzen geboren und besuchte die Schule dort. Sein Vater (52) lebt bis heute in Uelzen. Er hat mit Reportern der Allgemeinen Zeitung Uelzen über seinen Sohn Jan O. gesprochen. Der sei schon in der zweiten Klasse aggressiv gegenüber anderen Kindern gewesen, habe mit 14 Jahren zu trinken begonnen, seine Eltern bedroht, als Drogenkurier gearbeitet und viele Jahre in Heimen gelebt. Der gebrochene Vater zeichnet ein erschütterndes Bild seines Sohnes und sagt: "Ich habe es geahnt". Mehr lesen Sie bei der Allgemeinen Zeitung Uelzen.

Motiv für Doppelmord rätselhaft

“Die Beweise sind eindeutig“, sagt Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner. Die Mordkommission sei davon überzeugt, dass Jan O., ein junger Mann mit Drogen- und Alkoholproblemen, der Doppelmörder von Bodenfelde ist. Auch der Ermittlungsrichter in der niedersächsischen Kreisstadt Northeim sieht das so. Er hat den 26-Jährigen am Dienstagabend in Untersuchungshaft geschickt, wegen “Mordes in zwei Fällen“ - begangen aus “Mordlust“.

Doppelmord: Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias

Doppelmord: Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias
Mehr als 600 Menschen haben am Dienstagabend an einem Gedenkgottesdienst für die beiden ermordeten Jugendlichen in Bodenfelde teilgenommen. © dpa/dapd
Doppelmord: Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias
Doppelmord: Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias © dpa
Doppelmord: Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias
Doppelmord: Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias © dpa
Doppelmord: Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias
Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias in Bodenfelde © dpa/dapd
Doppelmord: Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias
Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias in Bodenfelde © dpa/dapd
Doppelmord: Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias
Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias in Bodenfelde © dpa/dapd
Doppelmord: Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias
Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias in Bodenfelde © dpa/dapd
Doppelmord: Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias
Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias in Bodenfelde © dpa/dapd
Doppelmord: Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias
Bilder der Trauerfeier für Nina und Tobias in Bodenfelde © dpa/dapd
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Northeims Kripochef Andreas Borchert sieht in dem Verdächtigen einen Mann “mit Potenzial zum Serientäter“. Dennoch ist der Fall für die Ermittler nicht abschließend geklärt. Denn warum der arbeitslose 26-Jährige die beiden jungen Menschen, zu denen er vorher wohl keinerlei Beziehung hatte, in einem Waldstück am Ortsrand umgebracht hat, bleibt für die Ermittler ein Rätsel. Der Leiter der Mordkommission, Hartmut Reinecke, geht davon aus, “dass der Täter psychisch gestört ist“. Der Mann selbst hat für sein Verhalten bisher keine Erklärung gegeben. “Mordlust als Tatmotiv für schwere Gewaltverbrechen ist sehr selten“, sagt Oberstaatsanwalt Heimgärtner.

Von Mordlust spreche man, wenn ein Täter “im Tötungsvorgang selbst Befriedigung findet, wobei die Opfer austauschbar sind“. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob sie ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gibt. 

Ablauf des Verbrechens ist klar

Anders als das Motiv ist der zeitliche Ablauf der Verbrechen für die Mordkommission inzwischen klar: Am Montag vor einer Woche hatte die 14-jährige Nina - wie schon mehrfach zuvor - im Streit die Wohnung ihrer Familie verlassen. Vermutlich wurde sie noch am selben Abend getötet. “In einer Kombination aus Erwürgen und Erstechen“ habe der 26-Jährige das Mädchen umgebracht, sagt Kripochef Borchert. Die Mutter meldete Nina am nächsten Tag als vermisst. “Wir haben intensiv nach dem Mädchen gesucht“, sagt Northeims Polizeichef Hans Walter Rusteberg. “Es gab auch mehrere Hinweise von Zeugen, die Nina im Ort gesehen haben wollen.“ Doch diese Beobachtungen waren falsch. Als die Polizei nach ihr suchte, war Nina bereits tot.

Jugendliche in Bodenfelde ermordet

Leichen Bodenfelde
Im niedersächsischen Bodenfelde sind am Sonntag zwei Jugendliche tot aufgefunden worden. Sie sind einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. © dpa
Leichen Bodenfelde
Zwei Polizisten sichern Spuren nach dem Leichenfund. © dpa
Leichen Bodenfelde
Im niedersächsischen Bodenfelde sind am Sonntag zwei Jugendliche tot aufgefunden worden. Sie sind einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. © dpa
Leichen Bodenfelde
Zwei Anwohner zünden Kerzen in Bodenfelde an, nachdem hier die Leichen von zwei Jugendlichen gefunden wurden. © dpa
Leichen Bodenfelde
Ein Kameramann filmt die Absperrung des Tatortes. © dpa
Leichen Bodenfelde
Mehrere Polizisten der Spurensicherung untersuchen am Sonntagden Tatort in Bodenfelde. © dpa
Leichen Bodenfelde
Mehrere Polizisten der Spurensicherung untersuchen am Sonntagden Tatort in Bodenfelde. © dpa
Leichen Bodenfelde
Feuerwehrleute bauen einen Lichtmast auf dem Friedhof von Bodenfelde (Niedersachsen) auf, nachdem in der Nähe die Leichen von zwei Jugendlichen gefunden wurden. © dpa
Leichen Bodenfelde
Polizisten stehen an einem abgesperrten Zugang zu einem Weg am sogenannten Mühlenbach, der durch den Ort führt, an dem am Nachnmittag zwei tote Kinder gefunden worden sind. © dapd
Leichen Bodenfelde
Polizisten stehen an einem abgesperrten Zugang zu einem Weg am sogenannten Mühlenbach, der durch den Ort führt, an dem am Nachnmittag zwei tote Kinder gefunden worden sind. © dapd
Leichen Bodenfelde
Ein Mitarbeiter der Spurensicherung geht hinter einem abgesperrten Zugang zu einem Weg am sogenannten Mühlenbach, der durch den Ort führt, an dem am Nachmittag zwei tote Kinder gefunden worden sind. © dapd
Leichen Bodenfelde
Im niedersächsischen Bodenfelde sind am Sonntag zwei Jugendliche tot aufgefunden worden. Sie sind einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. © dapd
Ein Kameramann filmt den Tatort in Bodenfelde. © dpa
Anwohner zünden Kerzen in Bodenfelde (Niedersachsen) an. © dpa
Viele Anwohner und Klassenkameraden der beiden Jugendliche haben Kerzen aufgestellt. © dpa
Einsatzkräfte der Polizei und der Feuerwehr bauen in der Nähe von Bodenfelde am Rande eines Waldes, in dem die Leichen von gefunden wurden, Beleuchtung für die Spurensicherung auf. © dapd
Die Leichen wurden in der Nähe eines Bachs gefunden. © dapd

Tobias starb mehrere Tage später. Er hatte am Samstagabend gegen 20 Uhr noch einen Freund zum Bahnhof gebracht. Dort muss er seinem Mörder begegnet sein. Auch Tobias wurde erwürgt und erstochen. Ob ein Messer, das die Polizei in einem nahen Bach fand, die Tatwaffe ist, wird noch untersucht. Die eigene Mutter fand die Leiche des 13-Jährigen am Sonntagmittag. Kurz darauf entdeckte die Polizei ganz in der Nähe das tote Mädchen. “Wir haben uns natürlich gefragt, ob Tobias noch leben könnte, wenn wir intensiver nach Nina gesucht hätten“, sagt Polizeichef Rusteberg. “Aber wir haben alles getan, was in einem solchen Fall üblich und möglich ist.“

Mädchen liefert den entscheidenden Hinweis

Dass die Mordkommission dem 26-Jährigen auf die Spur kam, verdankt sie dem Hinweis eines jungen Mädchens. Kurz bevor der Mann am Samstagabend Tobias umbrachte, hatte er die Jugendliche angesprochen und ihr seine Handynummer gegeben. Am Montagabend schnappten dann im Zug die Handschnellen, als Jan O. von Bodenfelde nach Uslar fahren wollte.

Offen ist, ob der 26-Jährige die Taten unter Einfluss von Alkohol und Drogen begangen hat. Bei seiner Festnahme zwei Tage nach dem zweiten Mord hatte er zwar etwas Alkohol im Blut. Unter Drogeneinfluss stand er aber nicht. Das war bei Jan O. oft anders. Nach einer Serie von Diebstählen, die er hauptsächlich zur Beschaffung von Drogen begangen hatte, wurde er zu zwei Jahren und neun Monaten Haft und zu einer Drogentherapie verurteilt. Zuletzt war er zur Bewährung auf freiem Fuß. “Es ist gut, dass der Mann gefasst ist“, sagt Bürgermeister Koch. “Wir sind alle froh“. Das schreckliche Kapitel sei für den Ort damit aber noch lange nicht abgeschlossen. “Man kann noch gar nicht abschätzen, was das alles langfristig für Auswirkungen hat“.

ja/dpa

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