Familie vermutet Diskriminierung

Kleinwüchsiger Mann in Dortmund totgetreten: Tatverdächtiger gefasst - spielten politische Motive eine Rolle?

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Der Tatort: Hinterbliebene gedenken dem Opfer mit Kerzen und Blumen.

In Dortmund ist ein kleinwüchsiger Mann offenbar totgetreten worden. Ein polizeibekannter Verdächtiger stellt sich. Gab es ein politisches Motiv? Politikerin fordert Ermittlungen.

  • Ein kleinwüchsiger Mann ist in der Nacht auf Samstag in der Dortmunder  Innenstadt tot aufgefunden worden.
  • Ein Zeuge berichtete, dass der Mann totgetreten worden sei, ein Tatverdächtiger stellte sich. 
  • Ulla Jelpke (Die Linke) fordert jetzt Aufklärung, ob ein politisches Motiv dahinter steckt.

Update vom 20. Mai, 15.59 Uhr: Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Partei Die Linke, fordert, dass auch einem möglichen politischen und rassistischen Motiv des mutmaßlichen Täters nachgegangen wird. Im Zuge der Ermittlungen nach der Ermordung des kleinwüchsigen und kurdisch-stämmigen Ibrahim D. war Asir A. festgenommen worden. Und der soll sich auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken mit Symbolen der „Grauen Wölfe“ gezeigt haben.

Die Grauen Wölfe sind eine türkische rechtsextreme Bewegung, die seit den 1970ern für viele Gewalttaten und Morde verantwortlich gemacht wird. In Deutschland soll es mehrere tausend Anhänger geben.


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Türkische Faschisten, die in Deutschland über zehntausende Anhänger verfügen, sind eine Gefahr. Sie gehören ebenso geächtet und bekämpft wie deutsche Neonazis“, schreibt Jelpke auf ihrer Internetseite. Mit Serhat D. stellt sich ein Mitglied der Familie des Ermordeten ganz klar gegen diese Theorie: „Sein Tod beruht nicht auf einen politischen Konflikt, sondern zeigt wie grausam ein Mensch, ein wehrloser Mensch auf einer heimtückischen Weise ums Leben gekommen ist.“ Die Familie möchte demnach eher erreichen, dass durch die Aufklärung des Mordes ein Zeichen gesetzt wird: „Ein Zeichen für alle Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung, Benachteiligungen und Diskriminierungen ausgesetzt sind.“

Kleinwüchsiger Mann in Dortmund ermordet: Mutmaßlicher Täter war bekannt bei den Anwohnern

Update vom 19. Mai, 14.47 Uhr: Die Bild will erfahren haben, wer für den Tod von Ibrahim D. verantwortlich ist (Artikel hinter einer Bezahlschranke). Demnach handele es sich um eine polizeibekannten 39-Jährigen, dessen Name mit Asir A. angeben wird. Dieser habe den nun Getöteten bereits seit längerem gemobbt, wie dessen Familie erfahren haben will. Mittlerweile sitzt der Tatverdächtige wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge in U-Haft.

A. sei bereits zuvor dreimal erkennungsdienstlich behandelt worden, saß bereits hinter Gittern und gelte als gewalttätig. Die Bild zitiert einen Anwohner: „Es war ja bekannt, dass der schon mal gesessen hat und dass es dabei um eine Gewalttat ging. Deshalb gingen dem viele lieber aus dem Weg.“ Ein Wirt erinnert sich: „Er war aggressiv, hat gepöbelt und sich mit Leuten angelegt. Ich habe ihn schon zweimal aus dem Laden werfen müssen.“

Einem Augenzeugen der Bluttat zufolge soll A. sogar noch einmal an den Ort des Angriffs zurückgekehrt sein - offenbar, um sich zu vergewissern, dass sein Opfer die Ermittler nicht auf seine Spur führen könnte: „Bevor dann aber die Polizei eintraf, war er plötzlich weg.“

Einer der Brüder des kleinwüchsigen Opfers sagte der Bild: „Es ist unfassbar, was das für ein Unmensch ist, der sich an einem so unterlegenen Menschen wie Ibo vergreift. Aber ich bin froh, dass das Monster jetzt ein Gesicht hat und jeder weiß, wer unseren Bruder auf dem Gewissen hat. Ibo musste für nichts sterben. Der hat sein Leben einfach ausgelöscht, weil er Spaß daran hatte. Unser Schmerz ist unermesslich.“

Kleinwüchsiger Mann in Dortmund getötet: Täter trat wohl auf am Boden liegendes Opfer ein

Erstmeldung vom 18. Mai:

Dortmund - Ein brutales Verbrechen ereignete sich in der Nacht zum Samstag in der Dortmunder Innenstadt. Ein Zeuge entdeckte dort einen kleinwüchsigen Mann (41), der leblos auf dem Gehweg lag. Laut Zeugen-Aussage wurde Ibrahim D. am Boden liegend getreten. 

„Ich sah von Weitem, wie der Täter mehrmals zutrat, als der kleine Mann schon auf dem Boden lag“, beschreibt der Anwohner, der auch den Notruf verständigte, im Gespräch mit der Bild-Zeitung. Der 41-Jährige Dortmunder hatte vor der Tat noch seine Mutter besucht und war dann zu Fuß auf dem Weg nach Hause. Trotz der zeitnahen Alarmierung des Rettungsdienstes starb Ibrahim D. noch vor Ort, berichtet Bild.de. Die Obduktion zeigt Hinweise auf eine Gewalttat. 

Zeugenhinweise halfen dabei, den Tatverdächtigen zu ermitteln

Am Tag nach dem Vorfall scheint die Tat aufgeklärt. Durch Zeugenhinweise sei am Sonntag ein 39-jähriger Tatverdächtiger ermittelt worden, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Montagmorgen mit. Im Laufe der Ermittlungen habe sich der Mann dann gestellt. Über einen Antrag auf Erlass eines Haftbefehls soll am heutigen Montag entschieden werden. Die Sprecherin sagte weiter, dass es Anzeichen für einen Streit im Vorfeld gebe. 

Der 39-Jährige und der Dortmunder hätten sich gekannt. Wie der 32-jährige Bruder des Opfers, Serhat D., gegenüber den Ruhr Nachrichten erzählte, soll der Tatverdächtige seinen Bruder wegen dessen Kleinwüchsigkeit schon öfter schikaniert haben. „Er hatte wohl mit der ganzen Straße ein Problem“, sagte der Bruder weiter. Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge gebe es aber bislang keine Anhaltspunkte, ob das eine Rolle bei der Tat gespielt habe. Und auch der Tathergang sei laut Staatsanwaltschaft weiter unklar. 

Der Bruder des Opfers suchte mit einem Facebook-Aufruf nach dem Täter

Bei der Suche nach dem Täter hat offenbar ein Zeugenaufruf in den sozialen Medien geholfen. Serhat D. hatte durch Postings in Facebook und Instagram um Hilfe gebeten. Bis Montagmorgen wurde allein der Facebook-Beitrag fast 2000 Mal geteilt und mehr als 600 Mal kommentiert. 

„Es hat sehr viel gebracht. Wir hoffen, dass der Täter seine Strafe erhält“, sagte der Bruder des kleinwüchsigen Mannes im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. In einem neuen Facebook-Beitrag schreibt Serhat D.: „Auf diesem Wege möchte ich mich im Namen meiner Familie sehr bei euch bedanken. Bei jedem meiner Mitmenschen, dank der Hilfe jedes Einzelnen von euch, konnten wir den Mörder meines Bruders mit hundertprozentiger Sicherheit ermitteln und an die Polizei übergeben.“ Zuvor war kurzzeitig ein 32-Jähriger festgenommen worden. Der Verdacht gegen ihn erhärtete sich aber nicht

Doch nicht nur in der Dortmunder Innenstadt, auch im normalerweise eher beschaulichen Starnberg kam es in diesem Jahr schon zu einer grauenvollen Tat. Mitte Januar erschütterte ein Dreifachmord die oberbayerische Stadt*. Im Laufe der Ermittlungen kam es zu einer spektakulären Wende. Nähere Informationen dazu erhalten Sie im nachfolgenden Video.

Ein Angriff mit mehreren Verletzten ereignete sich außerdem Ende April im hessischen Hanau. Infolgedessen mussten vier Menschen in die Notaufnahme. Wo ist Ariadna aus Wien? Die Schülerin wird seit Mitte Mai vermisst - sie wollte einen unbekannten Mann treffen.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

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