Klub-Präsident berichtet von der Tat

Amoklauf in Vereinsheim: Mann war Sportschütze

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Bestatter tragen am 21.08.2013 in Dossenheim bei Heidelberg (Baden-Württemberg) am Tatort eine der Leichen aus dem Vereinsheim des TSG Germania 1889.

Dossenheim - Nach einem Streit in einem Vereinsheim in Dossenheim bei Heidelberg hat ein 70-Jähriger Sportschütze um sich geschossen. Drei Menschen starben. Der Klub-Präsident berichtet von der unfassbaren Tat.

Eine Polizistin steht in Dossenheim in unmittelbarer Nähe zum Tatort auf einem Parkplatz.

Nach den tödlichen Schüssen im Vereinsheim des TSG Germania 1889 in Dossenheim nahe Heidelberg sucht die Polizei weiter nach dem Motiv des Täters. Dazu vernahm die Kriminalpolizei in der Nacht zum Mittwoch Zeugen. Warum ein Mann am Dienstagabend zwei Männer erschoss, fünf Menschen verletzte und sich dann selbst das Leben nahm, war weiterhin völlig unklar. Bei einem Streit einer Eigentümerversammlung war der Mann des Raumes verwiesen worden, kam aber mit einer Pistole wieder und eröffnete das Feuer, wie Polizeisprecher Tobias Keilbach in Heidelberg der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Täter sagte zu Kellner: "Dir mache ich nichts"

TSG-Vereinspräsident Willi Ortlipp berichtet kurz nach der Tat, was er vom Wirt der Gaststätte erfahren hat: "Bei einer Versammlung einer Hausverwaltungsgesellschaft hat ein etwa 70-jähriger Mann um sich geschossen." Offenbar sei der Mann bei dem Treffen von acht bis zehn Wohnungseigentümern in einem Nebenzimmer im Obergeschoss des Raumes verwiesen worden. Wenige Minuten später sei er mit einer Waffe zurückgekommen und habe geschossen, sagt Ortlipp.

"Der Täter stürmte nach den Schüssen aus dem Nebenzimmer die Treppe herunter. Dort begegnete er einem Kellner, dem er sagte "Dir mache ich nichts". Im Foyer richtete er sich selbst", schildert Ortlipp das weitere Geschehen. Wenige Minuten später ist klar: In der Gaststätte liegen drei Tote. Außerdem gibt es fünf Verletzte, eine schwer verletzte Person muss wenig später in ein Spezial-Krankenhaus geflogen werden. Von den Schüssen aufgeschreckte Vereinsmitglieder leisten sofort Erste Hilfe und eilen mit Handtüchern herbei. "In den Armen einer Frau ist eines der Opfer verstorben", sagt Ortlipp.

Schießerei in Vereinsheim - drei Tote

Schießerei in Vereinsheim - drei Tote

Besonders schlimm ist für ihn, dass durch einen Querschläger eine unbeteiligte Frau einen Streifschuss am Kopf abbekam. "Sie saß mit ihrem Mann und zwei Kindern auf der Clubhaus-Terrasse beim Essen", berichtet der 62-Jährige. "Ich fühle mich ganz mies und schlecht", fügt Ortlipp hinzu. Insgesamt seien etwa 50 Menschen zum Tatzeitpunkt auf dem Vereinsgelände gewesen, unter ihnen etwa zehn Kinder.

"Der genaue Hintergrund, die Motive und der genaue Ablauf der Tat sind noch unklar“, betonte ein Polizeisprecher. Von einem Amoklauf wollte die Polizei zunächst nicht sprechen, obwohl die Feuerwehren der Metropolregion Rhein-Neckar auf ihrer Facebook-Seite das Wort "Amoklauf" benutzten.

Mittlerweile ist jedoch bekannt, dass es sich bei dem 70-Jährigen um einen Sportschützen handelte. Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD) sagte am Mittwoch in Sindelfingen: „Es war wieder ein schrecklicher Vorfall, bei dem ein Sportschütze beteiligt war.“ Der Mann benutzte bei der Tat eine großkalibrige Pistole, erklärte das Innenministerium. Insgesamt besaß er legal sieben Waffen.

Er habe mehr als zehn Schüsse abgefeuert. „Es waren vielleicht 10 bis 15 Schüsse, ich weiß es nicht genau“, sagte ein älterer Mann, der nach eigenen Angaben zur Tatzeit auf der Terrasse der Gaststätte saß, in der es am Dienstagabend zu der Bluttat mit drei Toten kam. „Wir waren wie verdattert. Dannach war es ganz still. Dann sind alle runtergerannt.“

dpa/msa

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