"Ermittlungen sind sauber gelaufen"

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Guido N. beim Betreten des Leipziger Gerichtssaals.

Leipzig/Kraiburg - Die Staatsanwaltschaft sieht in Sachen Guido N. keine Ermittlungspannen, die dazu führten, dass man dem 41-Jährigen nicht eher auf die Schliche gekommen sei.

Im Prozess um die Morde von Groitzsch rückten gestern die polizeilichen Ermittlungen zu den Taten im April 2009 und August 2010 in den Mittelpunkt.

Die Zeugenaussage einer Polizistin bestätigte gestern am Landgericht Leipzig, dass Beamte der örtlichen Polizei mehrere Anzeigen wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs aufgenommen hätten - unter anderem auch von Guido N., dem mutmaßlichen Mehrfachmörder. Ermittlungspannen, wegen derer man dem 41-Jährigen nicht auf die Schliche gekommen ist, sieht die Staatsanwaltschaft aber nicht.

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Mittlerweile hörte die 1. Strafkammer unter Vorsitz des Richters Hans Jagenlauf 23 von ursprünglich 33 geladenen Zeugen. Gestern sagte auch Kathrin P., zeitweise im Polizeiposten Groitzsch tätig, aus. "Ich selbst habe nie eine Anzeige von dem Angeklagten entgegengenommen. Nach der zweiten Tat im August 2010 erinnerten sich dann Kollegen, dass da schon mal was war", erklärte die Polizistin. Dass N. mit einer angespitzten Stange angetroffen wurde und dass eine Türklinke unter Strom gesetzt wurde, hätten Kollegen berichtet. Sie selbst sei N. einmal begegnet, als sie mit vier Jugendlichen "bei ihm auf dem Gelände war, weil der Mann ein Fahrrad der Jugendlichen einbehalten hatte und nur gegen Vorlage ihres Personalausweises rausgeben wollte."

Während der Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft Leipzig erklärt, dass es zu keinem Zeitpunkt Hinweise auf den Angeklagten gegeben habe. Ricardo Schulz, Sprecher der Staatsanwaltschaft, erklärte: "Wir hatten keine Anhaltspunkte, die uns während der Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Täter geführt hätten."

Festnahme mutmaßlicher Mörder von Groitzsch

Andere Erkenntnisse aus der polizeilichen Arbeit würden jetzt sicher Bestandteil des Gerichtsverfahrens, so Schulz. Die Anklage führende Oberstaatsanwältin Claudia Laube sah gestern ebenfalls keinen Ansatz, dass der Tatverdächtige schon früher hätte geschnappt werden können.

"Es hat Anzeigen gegeben. Aber Herr N. war nicht der Einzige. Es hat in dem großen Bereich des Fabrikgeländes jede Menge Ärger gegeben." Die Ermittlungsarbeiten seien sauber abgelaufen und führten in alle Richtungen. Ein Zusammenhang oder eine Spur zu dem Tatverdächtigen habe sich daraus nie ergeben.

Zweitwohnsitz von Guido N.

Zweitwohnsitz des mutmaßlichen Täters und Hardt-Haus Kraiburg

Ein Augenzeugenbericht habe in eine ganz andere Richtung geführt, sprach Laube auf Eva G. an. Die Schwiegermutter in spe des ersten Opfers war mit Tino L. am Tatabend unterwegs, um Schrott zu sammeln. In Vernehmungen habe sie damals wichtige Details verschwiegen, offenbar um sich nicht selbst zu belasten.

Augenzeugen berichteten gestern während des Prozesses über ihre Beobachtungen am Tatabend des 28. August, als Patrick B. (19) und Denis H. (23) zu Tode kamen.

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Mikaela V. wohnt neben dem Grundstück, auf dem Guido N. einen ganzen Fuhrpark älterer Fahrzeuge untergebracht hatte. Sie hörte Schüsse und lief auf den Balkon. "Ich sah einen Mann aus der Scheune über den Hof rennen, der laut ,Hilfe, Hilfe' rief. Das war unheimlich und ich rief die Polizei." Danach habe sie einen zweiten Mann auf dem Hof gesehen. "Der hatte etwas in der Hand und lief einige Meter auf den Hof und ging wieder zurück in die Scheune", berichtete die 29-Jährige dem Gericht.

Ein 78-jähriger Anwohner sagte gestern, dass er an diesem Tag gegen 15.30 Uhr ein Fahrzeug auf das Grundstück habe fahren sehen. Ob es Guido N. war, wusste er nicht. Guido N. konnte sich nicht mehr daran erinnern, wie und wann er geflüchtet ist.

Thomas Lieb (Waldkraiburger Nachrichten)

Quelle: rosenheim24.de

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