Fall Bögerl: Gegenseitige Schuldzuweisungen

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Maria Bögerl

Heidenheim - Die Anschuldigungen wiegen schwer. Doch nun hat die Polizei im Entführungs- und Mordfall Maria Bögerl die Kritik an der Beschaffung des Lösegeldes zurückgewiesen. Und selbst schwere Vorwürfe erhoben.

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Der “Stern“ berichtete am Dienstag vorab, die Lösegeldübergabe sei an der Bürokratie der Polizei gescheitert, da die zuständige Landespolizeibehörde in Stuttgart das Geld nicht in der vom Entführer geforderten Zeit habe beschaffen können. Die Polizei Heidenheim erklärte am Abend, sie habe gar nicht versucht, das Lösegeld selbst zu besorgen. In der Mitteilung der Polizei heißt es, die vom Täter im einzigen Telefonat aufgestellten detaillierten Forderungen mit einem äußerst engen Zeitfenster und einer atypischen Stückelung hätten der Polizei nur “extrem begrenzte Handlungsalternativen“ gelassen. Der Ehemann der Entführten, Sparkassendirektor Thomas Bögerl, habe sofort, ohne eine entsprechende Bitte seitens der Polizei, erklärt, die geforderte Summe entsprechend den Tätervorgaben bereitstellen zu können.

Leiche von Maria Bögerl gefunden

Leiche von Maria Bögerl gefunden

“Das Angebot des Vorstands der Kreissparkasse Heidenheim erschien als der am ehesten erreichbare Ansatz, die Forderungen des Erpressers rechtzeitig zu erfüllen“, erklärte die Polizei. “Deshalb hat die Polizei nicht versucht, das Lösegeld selbst zu besorgen. Dies war eine Entscheidung bereits in der ersten Phase des Einsatzes. Eine Abstimmung mit vorgesetzten Behörden in Stuttgart hat dazu nicht stattgefunden.“ Leider habe das Lösegeld in der vom Täter detailliert vorgegebenen Stückelung erst kurz vor 15.00 Uhr beschafft und gegen 15.27 Uhr von Bögerl an dem vom Täter vorgegebenen Übergabeort deponiert werden können.

Familie will im privaten Umfeld Abschied nehmen

Dagegen berichtet der “Stern“, Polizisten seien angehalten, Lösegeld bei einer bestimmten Großbank mit Hauptsitz in Frankfurt zu beschaffen. Deren Außenstellen hätten jedoch weniger Bargeldreserven vor Ort. Demnach habe die Beschaffung des Geldes über Thomas Bögerl laufen müssen. Die Polizei habe jedoch zu jedem Zeitpunkt gewusst, ob man in der Zeit liege oder nicht. Doch erst eine Dreiviertelstunde vor dem geforderten Übergabetermin habe man festgestellt, dass nur ein Teil des Lösegeldes vorliege, hieß in dem Bericht weiter. In einem internen Vermerk habe die Polizei wenig später geschrieben, Bögerl weigere sich, zum geforderten Zeitpunkt mit dem Teillösegeld und einer Nachricht an den Täter zum Übergabeort zu fahren. Erst gegen 15.00 Uhr sei die ganze Summe vorhanden gewesen - jedoch zu spät.

Bei der Suche nach dem Täter gibt es immer noch keine heiße Spur. Rund 2.800 Hinweise seien bislang aus der Bevölkerung eingegangen, sagte Polizeisprecher Markus Ott dem DAPD. Zu dem mit einem Phantombild gesuchten Zeugen habe sich die Zahl der Hinweise auf über 600 erhöht. Am Mittwoch soll der Fall nochmals in der ZDF-Sendung “Aktenzeichen XY ... ungelöst“ geschildert und die aktuelle Lage der Ermittlungen aufgezeigt werden.

Am Mittwochmittag findet der Stadtverwaltung zufolge in der Heidenheimer Dreifaltigkeitskirche eine Trauerfeier für die 54-Jährige statt. Die Familie bitte jedoch um Verständnis dafür, im familiären und privaten Rahmen Abschied nehmen zu wollen, hieß es weiter. Darüber hinaus wird die katholische Gemeinde in Heidenheim-Schnaitheim zuvor ab 08.30 Uhr sowie am Donnerstagabend ein Requiem für Bögerl feiern. Das gab die Familie in einer Anzeige bekannt, die in der “Heidenheimer Zeitung“ erschienen war.

dapd

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