Feldhamster und Chiemsee-Renke stark gefährdet

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Der Feldhamster steht auf der Roten Liste der bedrohten Tiere in eutschland.

Berlin - Das Artensterben in Deutschland geht trotz aller Gegenmaßnahmen von Naturschützern und Regierung weiter. Chiemsee-Renke, Ammersee-Kilch und die Fledermaus-Art Großes Mausohr sind bedroht.

Aktuell sind mit der Chiemsee-Renke und dem Ammersee-Kilch zwei Fischarten vom Aussterben bedroht, wie die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Beate Jessel, am Dienstag in Berlin erklärte. Sie legte die Rote Liste der gefährdeten Wirbeltiere vor, die alle zehn Jahre aktualisiert wird. Danach ist der Feldhamster stark gefährdet. Aber auch der Wolf und die Fledermaus Großes Mausohr kämpfen im Bundesgebiet weiter ums Überleben. Jessel sagte: “Nach gegenwärtigem Stand wird Deutschland das 2010-Ziel der EU, den Rückgang der biologischen Vielfalt zu stoppen, für den Bereich des Artenschutzes deutlich verfehlen.“ Der Naturschutzbund NABU erklärte, fast die Hälfte der deutschen Wirbeltierarten seien in ihrer Existenz bedroht, und forderte die neue Bundesregierung zum Handeln auf.

Die WWF-Umweltschützer forderten die Ausweitung von Wildnisflächen, die Schaffung von Wildtierkorridoren und der Schutz von unzerschnittenen Naturräumen müsse bei der neuen Regierung höchste Priorität erhalten. Die Bilanz des Bundesamts für Naturschutz umfasst die 478 heimischen Arten der Säugetiere, Brutvögel, Kriechtiere, Lurche, Süßwasserfische und Neunaugen. Von ihnen gelten 43 Prozent oder 207 Arten als gefährdet. Fast 28 Prozent oder 132 Arten sind sogar aktuell bestandsgefährdet. “Zusammen mit den bereits verschwundenen 32 Arten droht Deutschland damit der Verlust von einem Drittel seiner terrestrischen Wirbeltierfauna“, heißt es in dem aktuellen Bericht.

Kriechtiere besonders gefährdet

Trotz regional ermutigender Entwicklungen wie bei der Mauereidechse und Äskulapnatter sind die Kriechtiere die in Deutschland am stärksten gefährdete Wirbeltiergruppe. Von den 13 heimischen Arten sind über 60 Prozent bestandsgefährdet, darunter die Sumpfschildkröte und die Würfelnatter. Denn günstige Ruhe- und Eiablage-Plätze in sonniger Lage sind für sie selten geworden. Alarmierend nennt das Bundesamt die unverändert starken Rückgänge bei Feldhamster, Seggenrohrsänger, Rotkopfwürger, Kampfläufer, Großtrappe, Goldregenpfeifer, Alpenstrandläufer, Seeregenpfeifer, Bekassine, Wendehals und Kiebitz.

“Hier ergibt sich für den Naturschutz weiterer Handlungsbedarf, insbesondere in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft“, sagte Jessel. Ackergebiete, in denen noch Feldhamster lebten, dürften nicht völlig ausgeräumt werden. Für Brutvögel der Feuchtwiesen wie Kiebitz, Bekassine, Kampfläufer, Alpenstrandläufer und Seggenrohrsänger ist es notwendig, die Zerstörung ihrer Lebensräume durch Entwässerung und Nutzungsänderungen endlich zu stoppen. Einer immer intensiveren Landnutzung fallen auch der Wendehals und der Rotkopfwürger als Bewohner der mageren Trockenrasen und Heiden zum Opfer.

Gelbbauchunke kommt nur in Deutschland vor

Besonders Aufmerksamkeit widmen die Naturschützer den Arten, die nur in Deutschland vorkommen. Ein Beispiel dafür ist die stark gefährdete Gelbbauchunke. Mit höchster Priorität müsse auch das Aussterben der Chiemsee-Renke und des Ammersee-Kilchs verhindert werden. Aber auch von Erfolgen konnte Jessel berichten. Deutliche Bestandeserholungen gebe es bei 44 Arten und damit mehr als neun Prozent der betrachteten Gesamtmenge. Bei Fischotter, Wolf und Biber sei die Trendwende eindeutig ein Erfolg des Naturschutzes. Auch bei Wildkatze, Großem Mausohr, Fransenfledermaus und Seehund sei zu beobachten, dass Schutzmaßnahmen wirkten.

AP

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