Gammelfleisch-Prozess: Zwei Jahre Bewährung

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Metzgermeister Konrad R. im Sitzungssaal des Landgerichts in Deggendorf in Niederbayern.

Deggendorf - Im Gammelfleisch-Prozess vor dem Landgericht Deggendorf in Bayern ist ein Metzgermeister zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 9000 Euro verurteilt worden.

Außerdem wurde das schon bestehende Berufsverbot gegen den Mann aus Niederbayern bis Mai 2011 verlängert. Er hatte gestanden, in hunderten Fällen verdorbenes oder minderwertiges Fleisch an Unternehmen in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Russland geliefert zu haben.

Das Gericht folgte mit seinem am Dienstag verkündeten Urteil einer vor dem Prozess getroffenen Absprache zwischen der Wirtschaftsstrafkammer, der Staatsanwältin und den drei Anwälten des 56-Jährigen. "Der Angeklagte hat nicht nur planmäßig gegen Lebensmittelvorschriften verstoßen, sondern auch versucht, seine Geschäftspartner über den Tisch zu ziehen, wie sein überlieferter Ausspruch belegt "Die Russen fressen sowieso alles"", hieß es in der Urteilsbegründung. Die Staatsanwaltschaft bezifferte den Betrugsschaden auf 82.000 Euro.

Unter anderem soll der 56-Jährige Mitarbeiter angewiesen haben, verdorbenes Schweinefleisch unter frischeres Fleisch zu mischen. Oder es wurde billigere statt der bestellten teureren Ware geliefert. Bei Razzien in Kühlhäusern des Metzgers wurden 2006 außerdem Fleischprodukte gefunden, die seit 2001 abgelaufen waren. Verteidiger Klaus Gussmann begründete die Verfehlungen seines Mandanten zum Teil damit, dass dieser als "Selfmademan" groß geworden sei, er habe um jeden Cent gerungen. "Der hat einfach ein Problem damit, Ware, die er gekauft hat, wegzuwerfen."

Der Fall des Metzgermeisters hatte im Sommer 2006 bundesweit Schlagzeilen gemacht und auch die Fleischkontrolleure in Bayern bloßgestellt. "Die fehlende Kontrolltätigkeit führte dazu, dass der Angeklagte leichtes Spiel hatte und immer dreister wurde", sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer.

Aufgeflogen war der Fall nicht durch penible Überwachung. Vielmehr hatte ein Pilzsucher im Wald einen Koffer mit brisanten Akten eines ehemaligen Angestellten des Metzgers entdeckt, übergab die Papiere der Polizei und brachte so die Ermittlungen ins Rollen.

dpa

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