Gefährliche Ausbrecher auf der Flucht

Am Hauptbahnhof Köln verliert sich die Spur der

Köln - Die zwei Schwerverbrecher Heckhoff und Michalski, die aus der JVA Aachen ausgebrochen sind, befinden sich immer noch auf der Flucht und sind äußerst gefährlich. Eine Großfahndung läuft.

Köln, zwei Uhr nachts. Am Taxistand vor dem Hauptbahnhof deutet nichts mehr darauf hin, dass hier einige Stunden zuvor zwei gefährliche Gefängnisausbrecher ausgestiegen sind. Nur zwei Polizeiwagen parken dort - aber das ist fast immer so. Ein paar Taxifahrer stehen zusammen. “Wir waren alle nicht hier, als es passierte“, sagt einer. “Zum Glück.“ Mit den beiden Ausbrechern ist nicht zu spaßen, warnt die Polizei. Beide sind verurteilte Mörder.

Die Gewaltverbrecher aus Aachen auf der Flucht

Gewaltverbrecher auf der Flucht

Lesen Sie auch:

Brutale Ausbrecher flüchten im Taxi: Großfahndung

Ex-Anstaltsleiter warnt: Heckhoff schießt im Notfall

Der eine, Michael Heckhoff (50), gilt als einer der gefährlichsten Geiselgangster Deutschlands. Er sitzt schon seit Anfang der 1980er Jahre mit kurzen Unterbrechungen im Gefängnis. Als er 1991 in Mülheim an der Ruhr wieder einmal festgenommen wurde, zückte er plötzlich eine unter seinem Gürtel versteckte Kleinpistole und nahm zwei Polizisten als Geiseln. Später stellte er sich. 1992 brachte er in der Justizvollzugsanstalt Werl in Westfalen mit einer täuschend echt gekneteten Pistolenattrappe aus Seife und Brot erneut Geiseln in seine Gewalt. Als ein Sondereinsatzkommando eingriff, zündeten sein Komplize und er einen Gefängniswärter und eine junge Arzthelferin an, die sie zuvor mit Benzin übergossen hatten. Auf einem Fahndungsfoto der Polizei lacht der Schnurrbartträger, als hätte ihm gerade jemand einen Witz erzählt.

“Äußerst brutal und rücksichtslos“

Über den anderen Ausbrecher Peter Paul Michalski (46) - auf dem Fahndungsfoto mit Halbglatze und gestutztem Vollbart - ist zunächst wenig bekannt. Er wurde 1988 festgenommen und ist nach bisherigen Erkenntnisses des Justizministeriums ununterbrochen in Haft. Auch er gilt als “äußerst brutal und rücksichtslos“. Die Polizei warnt alle Bürger davor, auf eigene Faust etwas zu unternehmen, falls sie den beiden zufällig über den Weg laufen sollten.

Die Ausbrecher haben am Donnerstagabend in der Justizvollzugsanstalt Aachen zwei Wärter überwältigt und dabei Schusswaffen und Munition erbeutet. Ein Wärter steht so schwer unter Schock, dass er auch viele Stunden danach noch nicht vernommen werden kann. Als die Verbrecher aus dem Gebäude fliehen, spielt ihnen der Zufall in die Hände: Just in dem Moment hält ein Taxi, das einen Freigänger zurückbringt. Die Männer kapern das Auto und fahren damit nach Kerpen-Buir. Aus einer Frittenbude, Kneipe oder einer anderen “Lokalität“ rufen sie ein zweites Taxi. Nach Angaben der Polizei steigen sie ein und nehmen den ersten Taxifahrer mit. Ob sie ihn zwingen mitzufahren, ist offen. “Der zweite Taxifahrer hat von einer Geiselnahme nichts bemerkt“, sagte der Pressesprecher der Aachener Polizei, Paul Kemen.

Am Kölner Dom verliert sich die Spur

Sie fahren nach Köln zum Bahnhofsplatz am Dom. Dort lassen die Verbrecher die Fahrer zurück. “Hier verliert sich die Spur“, sagt Kemen. Die Kölner Polizei riegelt die City großräumig ab, setzt Hubschrauber ein. Aber die beiden Verbrecher sind schon weg. Schnell werden die Straßensperren wieder aufgehoben. Alles wirkt ruhig. Vor dem Dom torkeln zwei Betrunkene mit Nikolausmützen herum, zwischen dem verlassenen Weihnachtsmarkt und dem Kunstmuseum Ludwig liegen acht Obdachlose eingewickelt in dicke Schlafsäcke. Haben sie irgendwas gesehen? “Hau ab, wir wollen schlafen!“

Am nächsten Morgen hören die Kölner beim Frühstück im Radio, dass in ihrer Stadt vielleicht zwei geflohene Schwerverbrecher herumlaufen. Ist das nicht ein komisches Gefühl? “Nö“, sagt Josef Hopp (65) lakonisch. Er steht vor dem Redaktionshaus der “Kölnischen Rundschau“ und liest ausgehängte Zeitungsseiten - aber nur den Sportteil. “Ich denke mal, dass die mir nicht über den Weg laufen werden.“ Ein älterer Herr auf der Domplatte lacht nur: “Die Chance, dass ausgerechnet ich denen begegne, ist eins zu einer Million.“

dpa

Zurück zur Übersicht: Deutschland

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser