Poker-Champ über seinen Reichtum

Wie geht es Pius Heinz eigentlich heute?

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Pius Heinz kehrt nach Las Vegas zurück. Seinen Kapuzenpulli hat er zumindest eingepackt

Las Vegas - Poker-Champion Pius Heinz kehrt an den Ort seines größten Triumphes zurück. Wie geht es dem 22-Jährigen heute, Monate nach seinem Gewinn von 8,7 Millionen Euro?

Wenn ein 22-Jähriger von einem auf den anderen Tag über 8,7 Millionen Dollar verfügen darf, kommt nur selten etwas Gutes dabei heraus. Doch das größte Einzel-Preisgeld, das je ein deutscher Pokerspieler gewonnen hat, ist Pius Heinz nicht zu Kopf gestiegen. Keine Luxusyacht, keine Penthousewohnung, kein Limousinen-Fuhrpark. Das Teuerste, was sich der Poker-Weltmeister von seinem Mega-Gewinn beim Finale der World Series of Poker (WOSP) bislang gegönnt hat, sei „ein Smartphone“ gewesen.

14.500 solcher Handys hätte er sich vom Preisgeld leisten können, doch er kaufte nur eins. Der Rest ist gut angelegt. „Ich habe immer noch nicht realisiert, wie viel Geld genau auf meinem Konto liegt. Das ist alles etwas unwirklich“, sagt Heinz. Am Wochenende kehrt er nach Las Vegas zurück, um beim Main Event der WOSP seinen Titel zu verteidigen. Der Spieler Heinz ist inzwischen ein anderer, der Mensch Heinz ist jedoch derselbe geblieben.

„Ich habe mich nicht verändert, habe noch immer die gleichen Freunde. Ich bin immer noch sehr bodenständig, denn ich war nie so geil darauf, berühmt zu sein“, sagt der Student der Wirtschaftspsychologie. Zumindest in der Pokerszene ist er das aber, deswegen musste er sein Spiel auch umstellen. „Klar, die Jungs wollen alle den Weltmeister schlagen, mich ausbluffen. Die Leute werfen gegen mich ihre Karten nicht mehr so schnell weg“, erklärt Heinz. Er müsse deswegen vorsichtiger spielen als vorher. Doch nicht nur das macht eine Wiederholung des Coups vom 9. November 2011 im Rio Casino eher unwahrscheinlich. Bislang gelang es erst vier Spielern, mehrmals hintereinander das größte Pokerturnier der Welt zu gewinnen. „Es starten auch diesmal mehr als 6500 Menschen, da mache ich mir wenig Illusionen“, sagt Heinz. So schlimm sei das aber nicht, „denn ich durfte dort ja schon einmal gewinnen.“

Und wie. Im längsten Heads-up der WOSP-Geschichte verhalf ihm nach fast sieben Stunden Anna Kurnikowa zum Sieg. Sein Gegner, der Tscheche Martin Staszko, ging mit einer Zehn und Sieben in Kreuz „All-in“, Heinz callte mit Ass König - in der Pokerszene auch „Anna Kurnikowa“ (sieht gut aus, gewinnt aber selten) genannt. Der nervöse Blick des Deutschen unter seiner weißen Kapuze wanderte immer wieder von den Karten zum riesigen Bargeldstapel. Als der Kartengeber endlich die erlösende Karo Vier aufdeckte, kannte der Jubel keine Grenzen.

„Ich erinnere mich an nicht mehr viel. Da stürzten so viele Emotionen auf mich ein, das war nur schwer zu verarbeiten“, sagt Deutschlands erster und einziger Poker-Weltmeister: „Nur eins weiß ich: Ich wollte, dass das endlich ein Ende hat. Ich war total fertig.“

Boris Becker, ehemaliger Tennisstar und heutiger Pokerprofi, war einer der ersten Gratulanten. „Wir haben inzwischen ein fast freundschaftliches Verhältnis“, verrät Heinz. Becker habe ihm wertvolle Tipps im Umgang mit den Medien gegeben.

Noch hat sich der Poker-Papst nicht entschieden, ob er bei seiner Titelverteidigung wieder seinen weißen Kapuzenpulli tragen wird, der ihm im Vorjahr so viel Glück gebracht hatte. Er habe ihn zumindest „im Koffer eingepackt“, genau wie das unverschämt wertvolle Siegerarmband. „Das trage ich aber auf keinen Fall, das ist mir viel zu protzig“, sagt Heinz.

sid

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