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Gewerkschafts-Chef: Darum werden Polizisten angegriffen

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Gewalt gegen Polizisten (Archivbild). Was sind die Ursachen?

Berlin - Polizisten werden immer häufiger beleidigt und angegriffen. Wieso, das erläutert der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, im Interview.

Hat die Gewalt gegen Polizisten zugenommen?

Freiberg: “Es ist eine Tatsache, das die Gewalt gegenüber der Polizei drastisch zugenommen hat. Die Kette fängt bei zunehmender Respektlosigkeit an, bei Beleidigungen und geht bis zu brutalen Gewaltangriffen. 90 Prozent aller Polizisten sind im vergangenen Jahr beleidigt und beschimpft, 25 Prozent mit Gewalt angegangen worden.“

Wo sehen Sie die Ursachen?

Konrad Freiberg, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP)

Freiberg: “Es hat sich etwas verändert in der Einstellung zum Staat. Es gibt immer mehr Menschen, die den Staat und seine Institutionen ablehnen, die mit Frustration und Gewalt gegen den Staat angehen. Wir Polizisten als Symbole des Staates bekommen diesen Hass direkt zu spüren. Die zunehmende Gewalt hat gesellschaftliche Ursachen. Es gibt viele Problembereiche, die in die Ursachen einfließen, zum Beispiel mangelnde Bildung oder Migrationshintergrund.“

Was kann getan werden?

Freiberg: “Wenn man sieht, dass viele Jugendliche gewalttätig werden, muss man auch etwas gegen deren Perspektivlosigkeit unternehmen. Wir müssen dafür sorgen, dass jeder Jugendliche in Deutschland einen Bildungsabschluss hat. Junge Menschen mit Migrationshintergrund müssen besser integriert werden. Wer keinen Schulabschluss hat, hat in diesem Land keine Chance, das wissen die Jugendlichen auch und bauen manchmal einen Hass gegen andere auf nach dem Motto: Ich habe sowieso nichts mehr zu verlieren.“

Geht Gewalt gegen Polizisten nur von Jugendlichen aus?

Freiberg: “Nein, nicht unbedingt. Die Gewalt gegen Polizisten findet auch im Alltag statt. So eskalieren plötzlich Routineeinsätze in Sachen familiäre Gewalt und der Zorn - meist unter Alkoholeinfluss - prasselt auf die Beamten nieder. Bei ganz normalen Einsätzen, die zum Polizeialltag gehören, müssen wir uns umstellen und schauen: Können wir noch mit einem Streifenwagen hinfahren oder müssen nicht immer zwei eingesetzt werden.“

Kann sich die Polizei besser auf die zunehmende Gewalt einstellen?

Freiberg: “Verletzte Polizisten werden befragt, um zu klären: Wie ist das passiert, was können wir besser machen und wie ist dem vorzubeugen? Es muss gefragt werden, ob neue Ausrüstungsgegenstände oder eine neue Bewaffnung erforderlich sind.“

Sind die Strafen bei Gewalt gegen Polizisten ausreichend?

Freiberg: “Eindeutig nein. Der Paragraf “Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ greift nicht mehr. Ein solcher Widerstand gilt vielen als etwas positives. Wir fordern, dass jeder tätliche Angriff gegen einen Polizisten unter Strafe gestellt wird. Aber ich möchte nicht, dass man nur über Strafbarkeit spricht. Wer nur über Paragrafen diskutiert, vergisst, nach den Ursachen zu fragen.“

Interview: Friedhelm Schachtschneider

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