Gladbecker Geiselgangster: "Bin zum Verrecken verurteilt"

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Hans-Jürgen Rösner

Bochum - Der Gladbecker Geiselgangster Hans-Jürgen Rösner ist erneut verurteilt worden. Das Amtsgericht Bochum verhängte gegen ihn eine sechsmonatige Haftstrafe wegen Drogenbesitzes.

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Diesen Auftritt hat Hans-Jürgen Rösner wieder sichtlich genossen. Nach 21 Jahren Haft tauchte der Gladbecker Geiselgangster am Dienstag erstmals in der Öffentlichkeit auf - und wieder waren Fernsehkameras und Fotografen dabei, wie damals vor 21 Jahren. Der 52-Jährige wurde vom Bochumer Amtsgericht zu weiteren sechs Monaten Haft verurteilt - zusätzlich zu seiner bisherigen Freiheitsstrafe. In seiner Gefängniszelle war Heroin gefunden worden.

Rösner erschien im Blaumann, war kaum wiederzuerkennen. Er hat schwer zugenommen, die Haare sind weniger geworden. “Ich bin zum Verrecken verurteilt“, sagte er den Richtern. Niemand kümmere sich um seine psychischen Probleme, nicht einmal seine Hepatitis-Erkrankung werde behandelt.

Es war im August 1988, als Rösner zusammen mit Dieter Degowski in Gladbeck eine Filiale der Deutschen Bank überfiel und Geiseln nahm. Bei der von zahlreichen Medienvertretern begleiteten Flucht wurden ein 15-jähriger Junge und ein 18-jähriges Mädchen erschossen. Ein Polizist starb bei der Verfolgung. Rösner war dafür zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung (SV) verurteilt worden. Frühester Haftprüfungstermin war ursprünglich der 26. Februar 2016. Durch die neue Verurteilung wegen Rauschgiftbesitzes wird dieser Termin nun nach hinten verschoben. Außerdem könnte sie dazu führen, dass statt einer Entlassung die angeordnete Sicherungsverwahrung auch vollstreckt wird.

Ob Rösner noch gefährlich ist? Die Polizei hat die Frage am Dienstag mit einem massiven Sicherheitsaufgebot beantwortet. Rösner wurde von einer Spezialeinheit in den Gerichtssaal geführt, seine Bewacher trugen Sturmhauben, schusssichere Westen und Pistolen. Auch während der Verhandlung blieben sie im Saal - einer an jeder Tür, zwei direkt hinter der Anklagebank. Rösner nahm den Aufwand offenbar gelassen. “Glauben Sie wirklich, dass mich die Strafe beeindruckt“, fragte er die Richter. “Das geht mir auf Deutsch gesagt am Arsch vorbei.“ Und das sei nicht “rotzfrech“ gemeint, sondern “Tatsache“.

Was ihn jedoch zermürbe, seien die vielen Sanktionen, die im Gefängnis ständig gegen ihn erlassen würden. Manchmal steige einem das Ganze über den Kopf. “Dann kriegt man Phasen, wo man zuschlagen möchte“, sagte Rösner den Richtern und fügte schnell noch hinzu: “Ich meine mit Heroin.“ Seit Anfang des Jahres will er die Droge schon geraucht haben. Lieferanten waren angeblich Mitgefangene. Zu den sieben Gramm, die am 25. März in seiner Zelle gefunden wurden, sagte er: “Ich sollte die Drogen portionieren und über Nacht bunkern.“ Als Gegenleistung habe er von dem Heroin konsumieren können. 

dpa

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