Hamburger trauern um die "Mutter der Stadt"

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Trauer in Hamburg um Loki Schmidt: Passanten legen vor dem Wohnhaus der Familie Schmidt Blumen nieder.

Hamburg - Vor den Kondolenzbüchern stehen sie Schlange, die Fahnen vorm Rathaus wehen auf Halbmast und im Botanischen Garten ist ein Gedenktisch aufgebaut: Hamburg trauert um Loki Schmidt.

Am Tag nach dem Tod der Ehefrau von Altkanzler Helmut Schmidt war die Anteilnahme groß.

Tschüs, Loki: Der Tod von Loki Schmidt hat bei vielen Menschen große Bestürzung und tiefe Trauer ausgelöst. In ihrer Heimatstadt Hamburg wehten die Fahnen am Freitag auf Halbmast, Trauernde zog es zu den ausgelegten Kondolenzbüchern. In bewegenden Worten nahmen sie darin Abschied von ihrer Ehrenbürgerin und beliebten Hamburger “Deern“ - manche mit Tränen in den Augen und zittrigen Händen, Kinder kamen mit selbst gebastelten Blumen und guten Wünschen für die engagierte Naturschützerin. Die Gedanken der Trauernden galten besonders dem Ehemann: In ihren Einträgen wünschten sie ihm viel Kraft, um dieses traurige Ereignis zu verarbeiten.

Sofort nach Freigabe der Kondolenzbücher im Rathaus trugen sich die Ersten ein, um noch einmal persönlich an Loki Schmidt, die in der Nacht zu Donnerstag im Alter von 91 Jahren gestorben war, zu erinnern. Sie würdigten ihre “Aufrichtigkeit, Menschenliebe und Liebe zur Natur“, wie es Gisela Plönnigs ins Buch schrieb. “Es war mir sehr wichtig, rechtzeitig hier zu sein. Ich bin in dem Jahr geboren, in dem Loki und Helmut Schmidt geheiratet haben“, sagte die 68-Jährige.

Eine “großartige Frau“ sei sie gewesen, sagte Josef Raps aus Bayern, der sich bei seinem Eintrag kurzfasste: “Vergelt's Gott.“ Sie habe sehr viel geleistet. Der “da oben“ - er zeigte mit seiner rechten Hand gen Himmel - solle ihr das zugutehalten.

Bereits eine Stunde vor der Öffnung im Rathaus hatten sich Trauernde versammelt. Still bildeten sie geordnete Reihen vor zwei auf Holzpulten ausliegenden Büchern. Zwischen den beiden Tischen stand ein Blumengefäß mit einem farbenprächtigen Strauß aus Hortensien, Lilien, Gladiolen, Rosen und Blattgrün. Die Ruhe wurde unterbrochen, als eine Gruppe Kindergarten-Kinder hineinströmte. “Loki war die Schirmherrin unserer Kita an der Bucerius Law School“, berichtete Erzieherin Janine Ernst. Ihre Schützlinge hatten 18 Blumen aus Papier gebastelt und gemalt. Jede Blume trug einen Wunsch oder einen schönen Gedanken für die leidenschaftliche Pflanzenliebhaberin. Seit 1980 hatte Loki Schmidt alljährlich die “Blume des Jahres“ gekürt.

Als Erste hatten sich Christa Goetsch, Zweite Bürgermeisterin der Stadt, und Hamburgs CDU-Parteivorsitzender und Fraktionschef Frank Schira ins Kondolenzbuch eingetragen. “Für mich war sie eine starke Frau, eine große Hamburgerin“, schrieb Goetsch. “Hamburg verliert eine hohe Persönlichkeit.“ Schira würdigte Loki Schmidt als “Vorbild für uns alle“ und sagte im Namen seiner Partei “Tschüs“.

Der ehemalige Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) sagte in einem Interview mit dem Sender Deutschlandradio Kultur: Loki Schmidt sei in ihren späteren Jahren wie eine “Mutter der Stadt“ gewesen. Ein weiteres Kondolenzbuch lag im Loki-Schmidt-Haus im Botanischen Garten aus. Auf einem Gedenktisch zeigt ein Foto die Frau, nach deren Tod sich hier alle “wie gelähmt“ fühlten. “Es ist schwierig, nach so einer Nachricht zu funktionieren“, sagte Leiterin Petra Schwarz.

Bis auf eine Wilddahlie aus einer Sammlung, die die für den Naturschutz vielgereiste Loki Schmidt aus Mexiko mitgebracht hatte, und eine Frucht der “Blume des Jahres 2010“ (Sibirische Schwertlilie) stellte sie keine Blumen auf. “Das wäre nicht in ihrem Sinne gewesen, sie mochte lieber das Natürliche, das Schlichte, das Einfache.“ Unter der Büste Loki Schmidts im Botanischen Garten lag ein Kranz.

Hamburg plant für seine Ehrenbürgerin eine Trauerfeier im Michel. “Wann diese sein wird, wissen wir allerdings noch nicht“, hieß es am Freitag in der Senatspressestelle. Der Tod der beliebten Hamburger “Deern“, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) “bescheiden, selbstbewusst und eigenständig - auf ihre Art und Weise“ nannte, hatte für große Bestürzung gesorgt - weit über die Hansestadt hinaus. “Sie war eine ganz tolle und große Frau, vor der ich riesige Hochachtung hatte“, sagte Fußball-Idol Uwe Seeler. “Ihre Volksnähe hat sie zu jeder Zeit ihres Lebens ausgezeichnet. Neben einem großen Mann stand eine große Frau - so war es immer bei Helmut und Loki Schmidt.“

dpa

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