Urteil gefallen

Baby von Mutter vergiftet – Ende eines Familiendramas 

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Eine Mutter hat ihr Baby vergiftet - nun stand sie in Bad Hersfeld in Nordhessen vor Gericht. (Symbolbild)
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Weil sie ihr Baby mit Schmerzmitteln vergiftet hatte, ist eine 25-Jährige in Bad Hersfeld zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Bad Hersfeld – Familiendrama in Hessen: Als der Rettungswagen mit dem sechs Monate alten Baby am Vormittag des 14. August 2017 im Klinikum Bad Hersfeld in der Nähe von Kassel eintraf, befand sich das Baby in akuter Lebensgefahr: Das Kind war apathisch, leicht blau im Gesicht und hatte extrem kleine Pupillen. 

Wie sich herausstellte, war ihm das Schmerzmittel Tramadol in einer Dosis für Erwachsene verabreicht worden. 

Nur die prompte Behandlung mit dem Gegengift in der Klinik in Bad Hersfeld Naloxon rettete dem Baby das Leben.

Bad Hersfeld: 25-jährige Mutter zu Bewährungsstrafe verurteilt

Wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte das Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld jetzt die 25 Jahre alte Mutter zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. „Es kann nicht anders gewesen sein“, sagte die Vorsitzende Silvia Reidt und verwies nach der umfangreichen Beweisaufnahme mit zehn Zeugen und zwei Gutachtern auf das Ausschlussprinzip. Niemand sonst als die Angeklagte kam als Täterin infrage.

Prozess in Nordhessen offenbart Einblick in ein Familiendrama

Zuvor hatten die Verfahrensbeteiligten allerdings Einblick in ein Familiendrama erhalten, das sich über Jahre in einem Dorf im Nordteil des Landkreises Hersfeld-Rotenburg abgespielt hatte.

Bis ins Teenageralter hinein war alles normal verlaufen, dann hatte sich die Jugendliche insbesondere vom Vater abgewendet. Häufig wechselnde Partnerschaften, Flucht in die Drogen und der fatale Hang zum Lügen entfremdeten das Mädchen von der eigenen Familie.

Familiendrama in Bad Hersfeld: Vater des Kindes war gewalttätig

Als sich Ende 2017 Nachwuchs ankündigte und die Trennung vom gewalttätigen Vater des Kindes vollzogen war, fand die Angeklagte neuen Halt im Leben, entsagte den Drogen und lebte mit einem neuen Freund zusammen. „Ich habe alles für meine Tochter getan“, sagte sie vor Gericht. Auch die Zeugen berichteten von einer liebevollen Mutter. Warum und wie es zur Vergiftung des Babys kam, das blieb vor Gericht in Bad Hersfeld im Dunkeln.

Offenkundig wurde allerdings der Hang der Angeklagten, Dinge frei zu erfinden und die Schuld nur bei anderen zu suchen. Eine „dissoziale Persönlichkeitsstörung“ wurde zwar festgestellt, jedoch keine Beeinträchtigung von Einsicht und Steuerungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt.

Familiendrama in Hessen: Mutter vergiftet Baby - Kind ist jetzt in Pflegefamilie untergebracht

Das Urteil entsprach dem Antrag von Staatsanwältin Dr. Christine Seban. Auch Verteidiger Udo Schade hatte angesichts „erdrückender Indizien“ für eine – allerdings kürzere – Freiheitsstrafe plädiert. Am Ende nahm die 25-Jährige die Entscheidung an, sodass sie sofort rechtskräftig wurde. Das Kind lebt heute in einer Pflegefamilie und entwickelt sich bislang altersgemäß. Von Folgeschäden ist nichts bekannt.

Stichwort: Tramadol

Der Wirkstoff Tramadol ist ein Mittel auf Basis der Opioide gegen mäßige bis starke Schmerzen und für Kinder meist nicht geeignet. Naloxon ist ein sogenannter Opioid-Antagonist und hebt die Wirkung von Opiaten auf. Auch im Fall des betroffenen Babys kam es zu prompter Wachreaktion.

Auch in Göttingen wurde kleinen Kindern Gewalt angetan. Ein 31-jähriger Strafgefangener muss sich seit Montag wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Landgericht Göttingen verantworten, wie hna.de* berichtet.

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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