Immer mehr Einsatz-Soldaten leiden unter Traumata

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Deutsche ISAF Soldaten umarmen sich am 10. September 2009 nach der Rückkehr von einem Einsatz nahe Kundus in Afghanistan.

Berlin - Immer mehr Soldaten leiden nach ihren Afghanistan- Einsätzen unter psychischen Problemen und Traumata.

Bereits im ersten Halbjahr 2009 wurden 152 Fälle sogenannter Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) registriert, teilte das Verteidigungsministerium am Donnerstag in Berlin mit. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 226.

“Je länger und robuster die Auslandseinsätze verlaufen, desto höher ist auch die Aufkommenswahrscheinlichkeit für Fälle von PTBS“, hieß es. Für den Anstieg gebe es vornehmlich zwei Gründe: Mit annähernd 4500 Soldaten habe die Bundeswehr fast 1000 Mann mehr im Einsatz für die Afghanistan-Schutztruppe ISAF als noch im vorigen Jahr.

Und das Thema PTBS werde zunehmend entstigmatisiert. Immer mehr Soldaten bekennen sich zu ihren psychischen Problemen und das Umfeld wird sensibler für die Störungen, wie das Ministerium erklärte.

Im deutschen Afghanistan-Kontingent seien derzeit ein Psychiater sowie zwei Truppenpsychologen tätig. Zusammen mit Truppenärzten, Militärseelsorgern, sogenannten Peers (psychologische Ersthelfer in der Truppe) sowie Vorgesetzten und Kameraden bildeten sie im Einsatz ein psychosoziales Netzwerk. Im Inland werde die fachärztliche Behandlung in den 5 Bundeswehrkrankenhäusern und 14 fachärztlichen Untersuchungsstellen für Psychiatrie der Bundeswehr angeboten. Zudem stünden auf Standortebene rund um die Uhr Ärzte, Pfarrer, Psychologen oder Sozialberater ebenso wie eine anonyme telefonische Hotline und ein Online-Portal bereit.

Die Süddeutsche Zeitung hatte berichtet, die Bundeswehr habe nicht genügend Psychiater, um Betroffene zu betreuen. Nur die Hälfte der insgesamt 40 Facharztstellen für Psychiatrie im Sanitätsdienst der Truppe seien besetzt. Das Ministerium teilte mit, im Bereich der Fachärzte für Psychiatrie seien derzeit 22 von 38 geplanten Dienstposten besetzt. Die Bundeswehr strenge sich jedoch an, die noch offenen Stellen adäquat und zeitnah zu besetzen.

Das Ministerium äußerte sich nach einer Anfrage der FDP-Bundestagsabgeordneten Elke Hoff. Der verteidigungspolitische Sprecher der Linken, Paul Schäfer, sagte: “Dass die Zahl traumatisierter Soldaten zunimmt, ist eine unausweichliche Folge der Bundeswehr-Kampfeinsätze.“ Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) leugne noch immer, dass die Bundeswehr in Afghanistan im Krieg stehe.

dpa

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