Jeder verbraucht 27 Badewannen Wasser täglich

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Jeder deutsche verbraucht im Schnitt 122 Liter Wasser pro Tag.

Frankfurt/Main - Die Menschen in Deutschland verbrauchen immer weniger Wasser - aber nur auf den ersten Blick. Rund 27 Badewannen verbraucht jeder am Tag.

Im Jahr 2007 lieferten die Versorgungsunternehmen nach Angaben des Statistischen Bundesamts 3,6 Milliarden Kubikmeter Trinkwasser an Haushalte und Kleingewerbe. Das entspricht einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 122 Litern pro Tag und damit 22 Litern weniger als im Jahr 1991. Wenn man jedoch das Wasser hinzunimmt, das in konsumierten Produkten steckt, liegt der Verbrauch nach Zahlen der Umweltorganisation WWF mehr als 40 Mal so hoch. Tatsächlich erfasst die Menge des von den Versorgern gelieferten Wassers nur einen geringen Teil des Verbrauchs einer Gesellschaft. Deswegen entwickelte der britische Wissenschaftler John Anthony Allan Anfang der 90er Jahre das Konzept des virtuellen Wassers. Darunter versteht man die Menge des Wassers, das während der gesamten Produktionskette eines bestimmten Produktes verbraucht, verdunstet oder verschmutzt wird.

27 Badewannen pro Tag

Aus dieser Sichtweise betrachtet liegt der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland bei 5.280 Litern pro Tag - das sind fast 27 gefüllte Badewannen, wie der WWF in einer kürzlich erschienenen Studie erklärte. Hinter einem Paar Lederschuhe verbergen sich beispielsweise 8.000 Liter virtuelles Wasser, die für die Versorgung einer Kuh benötigt werden. Der Anbau von Baumwolle für ein T-Shirt verschlingt etwa 4.000 Liter Wasser. In einem Hamburger stecken 2.400 Liter. Eine Tasse Kaffee schlägt noch mit immerhin 140 Litern zu Buche, die vor allem für die Bewässerung der Pflanzen verbraucht werden. Ähnlich wie beim CO2 hinterlässt jeder Mensch mit seinem Verhalten und seinem Konsum auf der Erde einen Fußabdruck - und der ist bei den Deutschen riesig. Auf 159,5 Kubikkilometer pro Jahr beziffert der WWF Deutschlands gesamten Wasser-Fußabdruck. Das ist mehr als die dreifache Wassermenge des Bodensees.

Deutschland sorgt für Stress in Kenia und Usbekistan

Dabei wird für die in Deutschland konsumierten Produkte fast gleich viel Wasser innerhalb und außerhalb Deutschlands verbraucht. Deutschland deckt seinen aktuellen Wasserverbrauch also nur zur Hälfte aus eigenen Ressourcen. Die Entnahme von Wasser in anderen Ländern hat dort teils gravierende Folgen, etwa für Ökoregionen und Artenvielfalt. Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang auch von “Wasserstress“. Laut WWF sind besonders Kenia, Indien, Spanien und Türkei, aber auch China, Marokko, Pakistan, Südafrika und Usbekistan von diesem Stress betroffen.

Regionales Gemüse und weniger Fleisch

Der WWF rät Verbrauchern deswegen, vornehmlich regionales und saisonales Gemüse und Obst einzukaufen, da vor allem die aus dem Mittelmeerraum, Nordafrika, Israel und der Türkei importierten Produkte nur in den wenigsten Fällen den Anforderungen an eine effiziente Bewässerung genügten oder einen sorgsamen Umgang mit der knappen Ressource Wasser garantieren könnten. Auch eine Reduzierung des Fleischkonsums könne den Wasser-Fußbabdruck reduzieren. Außerdem sollten Verbraucher bei Unternehmen nachfragen, ob diese eine Analyse des Wasser-Fußabdruckes der von ihnen produzierten oder verkauften Produkte vorgenommen haben und entsprechende Maßnahmen ergriffen haben, dessen Wirkungen zu reduzieren. Und schließlich könnten Verbraucher auch versuchen, direkt auf die Politik Einfluss zu nehmen - etwa über ihre Bundestagsabgeordneten - und so auf eine nachhaltigere Wasserbewirtschaftung dringen.

ap

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