"Deutscher Fritzl": Stieftochter hofft auf Geständnis

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In diesem Haus in Fluterschen soll ein Familienvater (48) seine Kinder missbraucht haben und mit seiner Stieftochter acht Kinder gezeugt haben.

Koblenz - Nach den Horror-Berichten über sexuellen Missbrauch in einer Familie aus dem Westerwald hat sich die Stieftochter des angeklagten Familienvaters erstmals geäußert.

Die 28-jährige Natascha S., die innerhalb von zehn Jahren acht Mal von ihrem Stiefvater geschwängert worden sein soll, hofft, dass dieser ein Geständnis ablegt. “Ich hoffe, dass er die richtige Strafe bekommt und nie wieder einen Menschen verletzen kann“, sagte sie in einem Interview mit dem Fernsehsender N24. Sie bat in dem Interview außerdem die Medien um Distanz zu den Kindern. Die Erwachsenen seien stärker und könnten auch mehr aushalten.

Der 48-jährigen mutmaßliche Kinderschänder soll eine leibliche Tochter, seine Stieftochter sowie seinen Stiefsohn sexuell missbraucht, die beiden Mädchen soll er zudem gegen Geld anderen Männern für sexuelle Handlungen angeboten haben. Mit einer Stieftochter soll er acht Kinder gezeugt haben. Er bestreitet nach Angaben seines Verteidigers die Vorwürfe. Gutachten hätten inzwischen die Vaterschaft des Angeklagten bei den sieben Kindern zu 99,99 Prozent erwiesen, sagte ein Sprecher des Koblenzer Landgerichts.

Zweiter Mann angeklagt 

Gegen zwei der Männer, die gegen Bezahlung mit den beiden Töchtern Sex hatten, laufen nach Angaben eines Gerichtssprechers gesonderte Verfahren, ein dritter Mann sei inzwischen verstorben. Der Prozess gegen einen 63-Jährigen wegen fünf Fällen von Kindesmissbrauchs beginnt am 18. März in Betzdorf, wie der Direktor des Amtsgerichts am Freitag bestätigte. Nach einem Bericht der “Rhein-Zeitung“ soll der Vater zugesehen haben, als der Mann mit seinen Töchtern intim verkehrte.  

Die Missbrauchstaten sollen sich laut Anklage über einen Zeitraum von Herbst 1987 bis in den Sommer vergangenen Jahres erstreckt haben. Auf die Frage, wie der Missbrauch über nahezu 23 Jahre lang möglich war, sagte die 28-jährige Stieftochter: “Das ist für Außenstehende schwer zu verstehen. Das hat mit der Psyche und den Zwanghaftigkeiten zu tun gehabt.“ Es habe “sexuelle Übergriffe in mehr als 300 Fällen“ gegeben, sagte Sandra Buhr, Anwältin der Tochter, die vor Gericht als Nebenklägerin auftritt.

Die vielköpfige Familie des Angeklagten und seiner 52 Jahre alten Ehefrau lebte in einem Haus mitten im Dorf. Die Mutter der 28-Jährigen will laut Staatsanwaltschaft nichts bemerkt haben. Es habe sich bislang kein Anfangsverdacht der Beihilfe ergeben. Die Opfer würden der Mutter auch keine Schuld oder Mitwisserschaft unterstellen.

Die Polizei nahm den Mann fest, nachdem die Stieftochter einen Abschiedsbrief seiner leiblichen Tochter an das Jugendamt weitergeleitet hatte. Die heute 18-Jährige wollte ausziehen. Bekannt wurde der Fall erst jetzt. Der Beschuldigte sitzt aber seit 10. August in Untersuchungshaft. Ab Dienstag (15. Februar) muss er sich vor dem Landgericht Koblenz verantworten.

Erinnerungen an Josef Fritzl kommen auf, der seine Tochter 24 Jahre lang im Keller seines Hauses im österreichischen Amstetten eingesperrt, sie vergewaltigt und dabei sieben Kinder gezeugt hatte. 2008 wurde das Verlies entdeckt. Fritzl verbüßt eine lebenslange Haftstrafe.

Jugendamt wusste von nichts

Das zuständige Jugendamt hat einem Zeitungsbericht zufolge von den Missbrauchsfällen nichts bemerkt, aber schon früher vermutet, dass der 48-Jährige der Vater der sieben Kinder der 28-Jährigen sei - eines starb wenige Wochen nach der Geburt. Das habe die junge Frau jedoch stets abgestritten. “

Wir haben die Stieftochter häufiger über die Vaterschaft befragt, aber sie hat immer wieder beteuert, dass an den Vermutungen nichts dran sei“, sagte der Leiter des Kreisjugendamtes Altenkirchen, Hermann-Josef Greb, der “Süddeutschen Zeitung“ (Freitagausgabe). Seit Mitte 2008 sei “ein bis zwei Mal wöchentlich“ eine Mitarbeiterin in das Haus der Familie gekommen.

Frühere Ermittlungen

Ein Ermittlungsverfahren nach einer Anzeige des Jugendamtes 2002 wurde eingestellt, weil sich die Kinder sowie die Mutter auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht beriefen. So gab es keine anderen Beweise, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

dapd/dpa 

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