Kaufmann verkauft tonnenweise Drogen

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Nürnberg - Ein 32-jähriger Kaufmann aus Franken ist angeklagt, weil er tonnenweise eine Chemikalie, die als flüssiges Ecstasy bekannt ist, verkauft haben soll. Fünf Kunden sind daran gestorben.

Er soll mehr als sieben Tonnen Drogen verkauft haben, an denen fünf Menschen starben: Seit Montag steht ein mutmaßlicher Drogenhändler aus Franken als Angeklagter vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. Die Staatsanwaltschaft hat einen regelrechten Mammutprozess angestrengt. Alleine die Anklageschrift umfasst 175 Seiten. Ihre Verlesung nahm den ganzen ersten Prozesstag in Anspruch. Dem 32-jährigen verheirateten Kaufmann aus Georgensgmünd im Landkreis Roth wird vorgeworfen, zwischen Dezember 2006 und Juni 2009 über seine Internetseite mehr als sieben Tonnen des flüssigen Lösungsmittels Gamma-Butyrolacton (GBL) illegal verkauft zu haben. In der Partyszene ist GBL als flüssiges Ecstasy bekannt und wird als angsthemmendes und euphorisierendes Aufputschmittel verbreitet. In höheren Dosen wirkt GBL nach Angaben von Experten wie K.o.-Tropfen und wird auch als Vergewaltigungsdroge eingesetzt.

Selbst bei ordnungsgemäßer Dosierung kann es demnach zu Bewusstlosigkeit bis hin zum Atemstillstand, Koma und Tod führen. Fünf Kunden des 32-Jährigen sollen an den Folgen der Einnahme gestorben sein, über 70 weitere erlitten schwere gesundheitliche Schäden wie Bewusstlosigkeit und Abhängigkeitserscheinungen. All das, so heißt es in der Anklage, habe der 32-Jährige zumindest billigend in Kauf genommen, um sich finanziell zu bereichern. Wegen fahrlässiger Tötung muss sich der Angeklagte aber nicht verantworten, da nach den Worten von Oberstaatsanwalt Wolfgang Gründler dafür der unmittelbare Zusammenhang zwischen Verkauf, Einnahme und Tod nachgewiesen werden müsste. Stattdessen ist der 32-Jährige wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz angeklagt. Oral eingenommen, verstoffwechselt der Körper GBL binnen zweier Minuten zu Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB). Diese gilt als Arzneimittel. GBL wird in der Industrie als Reinigungsmittel unter anderem für Felgen sowie als Bestandteil von Arzneimitteln und Chemikalien benutzt. 

Fast 8.000 Kunden

Zum Prozessauftakt wechselten sich Gründler und eine Staatsanwältin damit ab, die 175-seitige Anklageschrift zu verlesen, die unter anderem die Namen der fast 8.000 Kunden beinhaltet. Um über Schuld oder Unschuld zu befinden, ist ein halbes Jahr eingeplant: Der Prozess ist bis zum 22. Dezember angesetzt. Bis dahin sollen über 300 Zeugen und fünf Sachverständige aussagen. Ob der Angeklagte Angaben zu den Vorwürfen machen wird, ist offen. In einer Prozesspause sagte sein Verteidiger Alexander Seifert, es sei vorerst keine Aussage eingeplant.

Er betonte allerdings, sein Mandant habe nicht mit GBL gehandelt, um es an Drogenabhängige zu verkaufen. Er sei von der Seriosität seiner Abnehmer ausgegangen, die Mengen zwischen 250 und 1.000 Milliliter von ihm gekauft hätten. Um sich mit GBL zu berauschen, seien bis zu zwei Milliliter notwendig. Der 32-Jährige habe also anhand der verkauften Mengen nicht darauf schließen können, dass seine Kunden GBL als flüssiges Ecstasy missbrauchten. Er selbst hatte das Lösungsmittel zuvor in Mengen zwischen zehn Litern und 180 Kilogramm von einem Großhändler bezogen. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Die ersten Zeugen sind für Mittwoch geladen.

dapd

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