Kletterlegende Kurt Albert nach Absturz gestorben

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Kurt Albert (56) ist nach seinem 18-Meter-Sturz gestorben.

Regensburg - Jahrzehntelang war für ihn kein Fels zu steil, keine Route zu schwer. Nun ist Kurt Albert in einem leichten Klettersteig zu Tode gestürzt. Die Szene trauert um den 56-Jährigen, der das Klettern revolutionierte.

Der weltbekannte Kletterer Kurt Albert ist tot. Zwei Tage nach seinem 18-Meter-Sturz im “Höhenglücksteig“ nahe Hirschbach in der Frankenalb erlag der 56- Jährige am Dienstagabend seinen schweren Verletzungen. Sein Tod löste in der Szene große Bestürzung aus. “Er war seit fast 40 Jahren eine Schlüsselfigur im Felsklettern, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit“, sagte der Extrembergsteiger Reinhold Messner am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Wieso Albert trotz seines Könnens in dem für Anfänger geeigneten “Höhenglücksteig“ abstürzte, ist weiterhin unklar. “Er hat auf jeden Fall das Equipment dabeigehabt“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz in Regensburg am Mittwoch. Aber: “Eingehängt war er sicherlich nicht.“ Sonst wäre Albert von seinem Klettersteigset vor dem Sturz in die Tiefe bewahrt worden, das die Alpinisten mit einem fest im Fels verankerten Stahlseil verbindet.

Die Beamten hoffen, die Unfallursache im Laufe der nächste Woche klären zu können. “Wir haben bislang keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden.“ “Kurt Albert verdankt das deutsche Bergsteigen in den letzten 40 Jahren die wichtigste Revolution“, betonte Messner. Der Franke mit dem verschmitzten Lächeln galt schon zu Lebzeiten als Legende, weil er Mitte der 70er Jahre einen neuen Stil in der Kletterwelt verankert hatte. In einer Phase des technischen Kletterns, bei dem Haken als Griff- und Trittersatz galten und auch sonst Hilfsmittel aller Art benutzt wurden, wiederbelebte Albert das freie Klettern an ausschließlich felsgewachsenen Strukturen.

Inzwischen hat sich das sogenannte Rotpunktklettern weltweit durchgesetzt. Die Bezeichnung geht auf den roten Punkt zurück, mit dem der Franke seine freigekletterten Routen am Einstieg markierte. “Kurt Albert hat die stilreine Form des Kletterns wieder in den Mittelpunkt gestellt, und das wird ihm die weltweite Szene nie vergessen“, erläuterte Messner. Albert kletterte zahlreiche extrem schwierige Kletterrouten in den Alpen, im Karakorum und in Patagonien. In seinem Heimatrevier, der Fränkischen Schweiz, erschloss Albert zahlreiche neue Routen. Seinen Job als Lehrer für Mathematik und Physik hängte er an den Haken. Die Wohngemeinschaft mit Seilpartner Wolfgang Güllich, die zum Treffpunkt der Szene wurde, ist bis heute unvergessen. Gemeinsam schoben die beiden die Schwierigkeitsgrade immer weiter nach oben. Für ihre Leistungen erhielten sie zusammen mit Sepp Gschwendtner Mitte der 80er Jahre das Silberne Lorbeerblatt, die höchste Sportauszeichnung der Bundesrepublik.

dpa

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