Fällt der schiefe Turm von Thüringen weg?

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Der schiefe Turm von Bad Frankenhausen

Bad Frankenhausen - Es ist die allerletzte Chance für den schiefen Turm von Bad Frankenhausen: Nachdem Kirche und Land Thüringen aufgaben, könnte die Stadt das Wagnis zur Rettung des Wahrzeichens eingehen.

Jahrzehntelang wurde versucht, den immer schiefer werdenden Kirchturm von Bad Frankenhausen zu retten. Fast 4,50 Meter ist er bereits aus dem Lot und damit noch schiefer als der schiefe Turm von Pisa. Immer wieder wurden gewagte und kostspielige Rettungsprojekte entwickelt, um dieses Wahrzeichen der Kurstadt am Kyffhäusergebirge vor Einsturz oder Abriss zu bewahren. Bisher waren alle Ideen nicht erfolgversprechend oder hätten den Turm verschandelt.

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Das Land Thüringen zog deshalb jüngst seine Förderzusagen zurück, die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) beschloss am Dienstag den Teilabriss. Er soll frühestens am 7. Dezember beginnen. Die Einsturzgefahr steige ständig, so dass der Abbau nötig sei, erklärte die EKM.

Falls die Stadt jedoch die Sanierung auf eigene Kosten wagt, will die Kirche ihr die Gelder zuweisen, die sie bisher für einen teilweisen Abriss vorgesehen habe. Laut Bürgermeister Matthias Strejc (SPD) geht es um 150 000 Euro. Die Kirche gibt damit den Stadtverordneten um den engagierten Bürgermeister eine letzte Chance, das Schicksal des 56 Meter hohen Turmes der Oberkirche in die eigenen Hände zu nehmen.

Am kommenden Montag müssen die 21 Abgeordneten entscheiden, ob sie den Turm doch noch für einen Euro übernehmen wollen. Keine einfache Entscheidung, die Sanierung könnte für das Stadtsäckel zum Fass ohne Boden werden. Strejc ist verhalten optimistisch: “Die Abstimmung könnte schwierig werden, aber ich hoffe auf eine leichte Mehrheit für die Übernahme“, sagte er am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa.

Weitere 70 000 Euro haben Bürger bisher gespendet, dazu kommt eine Zusage von 50 000 Euro von einer Stiftung. Die Krux: Die geplante Turmrettung durch drei Stahlstützen würde 800 000 Euro kosten. “Bis zum Jahr 2014 müssen wir den Plan umgesetzt haben. Das bedeutet, weiter Geld sammeln und Förderanträge, beispielsweise beim Bund stellen“, sagt der Bürgermeister.

Senkungen des Geländes östlich des Turms haben zu der starken Neigung geführt. Im Untergrund nordwestlich des Turms gibt es zudem einen größeren Hohlraum. Die Kirche wird seit 1962 nicht mehr genutzt. Nach Schätzungen der EKM kostet eine Sanierung eine Million Euro.

Erst vor kurzem hatte das Thüringer Bauministerium den Geldhahn zudreht und weitere Förderzusagen für Sanierungspläne abgelehnt. Es gebe auch dann keine Garantie für dauerhafte Standsicherheit, hatte Minister Christian Carius (CDU) erklärt. Thüringen hatte bisher für den Rettungsversuch rund 466 000 Euro bereitgestellt, die restliche Summe bis zum ursprünglich vorgesehenen Betrag von 900 000 Euro werde jedoch nicht mehr fließen.

Die bisherigen Aktionen hätten nicht zu den erhofften Ergebnissen geführt, sagte Carius. Ziel sei gewesen, die Senkungsgeschwindigkeit von sechs Zentimetern pro Jahr auf fünf Millimeter zu reduzieren. Dies sei leider nicht erreicht worden, auch wenn sich die Geschwindigkeit verringert habe. Laut Carius liegt bis heute kein aussagekräftiges Nutzungskonzept der Stadt für den Turm vor. “Bei dieser Fülle der Unwägbarkeiten kann es keine Entscheidung für eine Förderung geben.“

Bürgermeister Strejc gibt sich weiter kämpferisch: “Bei einem Aus für den Turm würde unsere strukturschwache Region einen weiteren Anziehungspunkt verlieren. In Erinnerung wird lediglich bleiben, dass wieder ein Denkmal abgerissen wurde.“ Sein Ziel ist nach Rettung eine touristische Nutzung. Neben den Kurgästen wird der idyllisch gelegene Ort vor allem von Gästen des Panoramamuseums besucht, das das gewaltige Gemälde zum Deutschen Bauernkrieg 1524/25 von Werner Tübke beherbergt.

dpa

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