Mit Medikamenten zu Tode gespritzt

Krankenpfleger Niels Högel gesteht 100 Patientenmorde

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Niels Högel vor Gericht.

Paukenschlag im Prozess gegen den früheren Krankenpfleger Niels Högel: Zum Auftakt seines Prozesses hat der Angeklagte 100 Patientenmorde gestanden.

Oldenburg - Der wegen 100 Morden an Patienten angeklagte Ex-Krankenpfleger Niels Högel hat die Vorwürfe vor Gericht gestanden. Diese träfen weitgehend zu, sagte er am Dienstag vor dem Landgericht Oldenburg. Auf die Frage des Gerichts, ob die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zuträfen, antwortete Högel am Dienstag mit "ja". "Das was zugegeben worden ist, so ist es auch", fügte der 41-Jährige hinzu.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, von 2000 bis 2005 immer wieder Patienten an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst zu Tode gespritzt zu haben. Wegen sechs Taten sitzt er bereits lebenslang in Haft.

Krankenpfleger Niels Högel gesteht 100 Patientenmorde

Er habe aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch gehandelt, sagte Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann in der Anklageverlesung. Högel soll Patienten nicht verordnete Medikamente gespritzt haben, die tödliche Komplikationen verursachten. Anschließend versuchte er, seine Opfer wiederzubeleben - was in vielen Fällen misslang. Das Motiv: Langeweile und Geltungssucht vor den Kollegen.

Die Zahl der vorgeworfenen Morde hat sich erst bei einer Befragung Högels durch einen Psychiater um einen auf 100 erhöht. Der Fall war bisher gar nicht angeklagt.

Krankenpfleger Niels Högel gesteht 100 Patientenmorde: „Alle ihre Angehörigen haben es verdient“

Wegen der vielen Nebenkläger und des großen Medienandrangs hat das Gericht die Verhandlung in eine Kongresshalle verlegt. Am Dienstag erschienen jedoch nicht alle der mehr als 120 Nebenkläger. In den reservierten Platzreihen blieben viele Stühle leer. Der Prozess ist komplex und aufwendig. Die Staatsanwaltschaft benannte 23 Zeugen und 11 toxikologische und rechtsmedizinische Sachverständige.

Vor Beginn des Prozesses bat der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann alle Anwesenden, zu einer Schweigeminute aufzustehen. „Alle ihre Angehörigen haben es verdient, dass man ihnen in Ehren gedenkt“, sagte Bührmann. Dies sei unabhängig davon, ob Högel etwas mit deren Tod zu tun habe oder nicht. „Wir werden uns bemühen und mit allen Kräften nach der Wahrheit suchen“, versprach Bührmann.

dpa/AFP

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