Aus für die Loveparade

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Menschen stellen am Sonntag an dem Unglücksort in Duisburg Kerzen auf. Nach der tödlichen Massenpanik bei der Duisburger Loveparade hat die Suche nach Schuldigen begonnen.

Duisburg - Nach dem tragischen Unglück vom Samstagabend wird es künftig keine Loveparade mehr geben. Das teilte Veranstalter Rainer Schaller am Sonntag auf einer Pressekonferenz in Duisburg mit.

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“Ich bin furchtbar bestürzt und in tiefer Trauer“, sagte Schaller zu der Tragödie mit 19 Toten und 340 Verletzten. Den Opfern und Angehörigen sprach er sein aufrichtiges Mitgefühl aus. Die Veranstalter würden alles Erdenkliche unternehmen, um eine schnelle und lückenlose Aufklärung der Tragödie zu unterstützen. Wörtlich fügte Schaller hinzu: “Die Loveparade war immer eine friedliche Veranstaltung und fröhliche Party.“ Sie werde aber für immer von den tragischen Ereignissen in Duisburg überschattet sein und daher nicht mehr weiter fortgesetzt. Explizit sprach Schaller vom “Aus für die Loveparade“. Der stellvertretende Polizeipräsident Detlef von Schmeling versicherte, in dem Zugangstunnel zum Veranstaltungsort der Loveparade selbst habe es keine Toten gegeben.

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

“Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat sofort ein Ermittlungsverfahren eingeleitet“, sagte von Schmeling. Die meisten Toten seien auf der westlichen Seite der Zugangsrampe gefunden worden. 16 Opfer seien bislang identifiziert, die Angehörigen seien informiert. Unter den Opfern befanden sich demnach auch ein Niederländer, ein Australier, ein Italiener und ein Chinese.

Der Leiter der Duisburger Krisenstabs, Wolfgang Rabe, erklärte, er habe am Sonntagmorgen alle seine Unterlagen der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt. Vor der Presse wollte er wegen der bereits begonnenen Ermittlungen keine weitere Aussagen machen.

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) zeigte sich tief erschüttert. “Die Trauer vermag ich nicht in Worte zu kleiden, dieses Unglück ist so entsetzlich, dass man es nicht in Worte fassen kann“. Er warnte vor voreiligen Schuldzuweisungen. Die Staatsanwaltschaft müsse ermitteln, den Behörden seien Akten dazu übergeben worden.

Die Veranstalter wollten sich nicht dazu äußern, wie der Zugang durch den Tunnel zum Festgelände vor Beginn der Loveparade mit Blick auf die Sicherheit der Besucher bewertet wurde. Der Sprecher der Veranstalter Lopavent, Björn Köllen, verwies auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Polizeipräsident Schmeling sagte, die Polizei sei mit mehr als 4000 Kräften bei der Veranstaltung im Einsatz gewesen.

Zugang zu Tunnel soll nie gesperrt worden sein

Teil des Sicherheitskonzeptes sei gewesen, den Zugang zum Tunnel zu regulieren, sagte der stellvertretende Polizeipräsident Detlef von Schmeling. Das sei den ganzen Tag über durch die Polizei erfolgt. Der Zugang zum Gelände sei zu keinem Zeitpunkt gesperrt gewesen. Zum Zeitpunkt des Unfallgeschehens hat es nach Informationen von Schmeling durchaus noch Bewegungsmöglichkeiten auf der Rampe gegeben.

“Es liegen keine Erkenntnisse vor, nach denen es einen so großen Druck auf den Tunnel gegeben hat, dass es zu diesem Unglück kommen musste“, sagte von Schmeling. “Schusswaffengebrauch kann ich nicht bestätigen - auch nicht die Androhung des Schusswaffengebrauchs.“ Auch die Bundespolizei wies entsprechende Berichte zurück. Die Zäune um das Gelände des alten Güterbahnhofs seien errichtet worden, um zu verhindern, dass Besucher die A59 oder Gleise betreten konnten. Zudem hätten die Zäune Rettungswege freigehalten.

Bilder: Trauer um die Toten der Loveparade

Bilder: Trauer um die Toten der Loveparade

Krisenstabsleiter Rabe sagte, der Veranstaltungsplatz auf dem alten Güterbahnhof könne grundsätzlich gut bis zu 300 000 Menschen aufnehmen. Er sei zum Zeitpunkt der Unglücks nicht vollständig gefüllt gewesen.

Was dazu geführt hat, dass es zum Stau an der Rampe gekommen ist, sei Teil des Ermittlungsverfahrens und daher nicht Gegenstand dieser Pressekonferenz, stellte von Schmeling klar. Die Polizei habe vor dem Unglück eine zweite Zugangsrampe geöffnet, damit der Druck auf den ersten Zugang nachlassen könne.

Papst betroffen über Tote

Papst Benedikt XVI. hat sich am Sonntag tief traurig über die Todesfälle bei der Loveparade in Duisburg gezeigt. Er sagte während des Sonntagsgebets in seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo, er bete für die jungen Menschen, die in der Menge zu Tode gekommen seien. Der 83-Jährige sprach von einer Tragödie.

apn/dpa

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