Schwere Vorwürfe gegen Loveparade-Macher

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Trauer um Tote bei der Loveparade.

Duisburg - NRW-Innenminister und Polizei erheben schwere Vorwürfe gegen die Veranstalter der Loveparade: An kritischen Punkten seien zu wenig Ordner gewesen. Anweisungen der Beamten seien nicht umgesetzt worden.

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Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger hat nach der Katastrophe bei der Loveparade mit inzwischen 21 Toten schwere Vorwürfe gegen den Veranstalter erhoben. Die Organisatoren hätten ihr Sicherheitskonzept im Eingangsbereich nicht umgesetzt, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch in Düsseldorf bei der Präsentation eines vorläufigen Polizeiberichts zur Duisburger Massenpanik. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ordnete zur Trauerfeier an diesem Samstag in ganz Deutschland Trauerbeflaggung an. Der ökumenische Gottesdienst findet um 11.00 Uhr in der Duisburger Salvatorkirche statt. Wegen des erwarteten Andrangs werden vor der Kirche Lautsprecher aufgestellt.

Bilder: Trauer um die Toten der Loveparade

Bilder: Trauer um die Toten der Loveparade

In der Nacht zum Mittwoch hatte sich die Zahl der Toten auf 21 erhöht. Eine 25 Jahre alte Frau aus Heiligenhaus bei Essen starb im Krankenhaus. Insgesamt sind somit bei der Katastrophe bislang 13 Frauen und 8 Männer im Alter von 18 bis 38 Jahren ums Leben gekommen. Mehr als 500 Menschen wurden verletzt. Am Mittwoch lagen noch 25 Menschen in Krankenhäusern, wie ein Sprecher der Kölner Polizei sagte. Zur Schwere ihrer Verletzungen konnte er keine Angaben machen. “Was ich als (...) unerträglich empfinde, ist die Tatsache, dass die Verantwortung auf Seiten der Veranstalter und der Stadt als Genehmigungsbehörde abgeschoben wird“, sagte Jäger. Die Loveparade wurde von der Lopavent GmbH organisiert. An ihrer Spitze steht Fitness-Unternehmer Rainer Schaller. Sowohl er als auch Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) sind in der Kritik.

Schaller reagierte zurückhaltend auf die Vorwürfe. Diese müssten nun sehr genau geprüft werden, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Er kündigte einen Hilfsfonds für die Angehörigen der Opfer an. Innenminister Jäger kritisierte auch die Stadt Duisburg. Er sagte, er stelle sich eine gute Zusammenarbeit der Stadt mit ihrer Polizei anders vor. So hätten die Beamten die städtische Genehmigung für die Loveparade trotz Nachfragen erst am Veranstaltungstag selbst ausgehändigt bekommen. Darin sei eine maximale Besucherzahl von 250 000 festgeschrieben gewesen. Die Polizei habe schon vor der Loveparade Bedenken zum Tunnel als einzigem Zugang geäußert, sagte der nordrhein-westfälische Polizeiinspekteur Dieter Wehe. Wehe betonte, der Veranstalter habe das Gelände später als geplant geöffnet - erst nach 12.00 Uhr. Dadurch hätten sich dort zeitweise bis zu 20 000 Angereiste aufgestaut und seien teilweise unruhig und aggressiv geworden.

Der Tunnel als Nadelöhr zum Gelände hat eine Kapazität von 30 000 Menschen pro Stunde. Dies habe aber nicht gewährleistet werden können - unter anderem, weil die Menschen stehenblieben, um die am Tunnelausgang vorbeifahrende Wagenparade zu sehen. Hier hätten die Ordner versagt. Um 15.30 Uhr erhielt die Polizei den Hilferuf der Veranstalter. Eine viertel Stunde später habe dieser die Ordner angewiesen, die Schleusen zu sperren, damit keine Menschen in den überfüllten Tunnel nachströmen. Dies sei aber nicht umgesetzt worden, sagte Wehe. Die Veranstalter hätten zudem Zaunelemente entfernt, um Krankenwagen durchzulassen. Durch die Lücken seien dann Menschen eingeströmt. Die vorhandenen Ordner hätten nicht ausgereicht, sagte Wehe. Es sei auch noch unklar, ob der Veranstalter - wie zugesagt - 150 private Kräfte im Unglücksbereich gestellt habe. Sie hätten die Besucher zum Weitergehen auffordern sollen. Dies habe aber nicht funktioniert. Ein Absperrzaun sei umgerissen worden und die Menschen drängten zur Treppe an der Rampe. Dadurch habe sich der Druck enorm erhöht.

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

Um 17.02 Uhr seien der Polizei erste Opfer gemeldet worden. “Die Zaunelemente wurden zur Stolperfalle.“ In diesem Bereich seien 14 Menschen unmittelbar gestorben, sagte Wehe unter Tränen. Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland will nicht an der geplanten Trauerfeier am Samstag teilnehmen. Er wolle “die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren“, sagte ein Sprecher der Duisburger Stadtverwaltung der “Rheinischen Post“ (Mittwoch). Das Blatt zitierte zudem Polizeikreise, dass auch Sicherheitsbedenken zur Absage geführt hätten. Es seien Morddrohungen gegen Sauerland ausgesprochen worden.

Den Gedenkgottesdienst für die Toten werden der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, leiten. Er ist auch Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Angekündigt haben sich auch Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Inzwischen gab es erste private Trauerfeiern. In Münster nahmen Familie und Freunde in aller Stille Abschied von drei getöteten Studentinnen. Politisch werden die Rufe nach Konsequenzen für künftige Großveranstaltungen lauter. So will das Land Nordrhein-Westfalen neue bundeseinheitliche Regelungen für solche Events erreichen. Das Bundesinnenministerium begrüßte den Vorschlag, Kommunen bei der Organisation von Großveranstaltungen zu helfen. Minister Jäger will die Innenministerkonferenz von Bund und Ländern mit dem Thema beschäftigen.

dpa

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